Energiepreis
Auftrag weg – Preis erhalten

Paradoxe Situation am Energieforum der Regio Energie Solothurn: Ihren Energiepreis für das Jahr 2009 erhält für umweltschonende Entsorgung das Utzenstorfer Transportunternehmen Gast – dem auf Jahresbeginn hin der Auftrag der Stadt Solothurn für die städtische Grüngutentsorgung gekündigt worden war.

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Energie

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Solothurner Zeitung

Niklaus Stuber

«Es hat schon geschmerzt, ist aber für uns ein Ansporn, auf dem eingeschlagenen Weg weiterzufahren - und vielleicht kommt die Stadt ja wieder mal zu uns.» Daniel Gast, Chef des gleichnamigen Transportunternehmens aus Utzenstorf, trug die «Niederlage» im Ausschreibungsverfahren um die Kehricht- und Grüngutentsorgung mit Fassung und den soeben erhaltenen «Energiepreis 2009» mit Stolz. Seine Firma sei «in ihrer Geschäftspolitik überaus umweltorientiert, innovativ und ein ausgesprochener Pionier neuartiger Entsorgungsverfahren», sagte Regio-Energie-Direktor Felix Strässle in seiner Laudatio.

So habe das Familienunternehmen schon vor 24 Jahren dafür gesorgt, dass Grünabfälle direkt auf den Entsorgungsfahrzeugen weiterverarbeitet werden, wodurch direkte Fahrten zu den Verwertungsorten ohne zusätzliche Zwischenlagerung und dadurch unzählige Zusatzfahrten vermieden werden konnten. Und trotzdem hat die Firma von der Energiestadt Solothurn im notwendigen Ausschreibungsverfahren eine Abfuhr für die Abfuhr erhalten.

«Der Faktor Ökologie ist wohl zu wenig gewichtet worden», orakelte Gast. Die städtische Regio Energie hingegen hat gewichtet und Gast für die umweltschonende Entsorgung ausgezeichnet. «Der Entscheid der Stadt sowie politische und finanzielle Überlegungen haben uns nicht beeinflusst. Der Aspekt der Ökologie stand im Vordergrund», bekräftigte Strässle den Entscheid seiner Firma. Doch Stadtpräsident Kurt Fluri zeigte sich ein wenig irritiert ob der bislang unbekannten Zusammenhänge: «Nach Ablauf der Vertragsdauer in fünf Jahren muss das Ganze überprüft werden.»

Wie auch immer: Daniel Gast und seine Unternehmerfamilie trug mit Stolz den «Ökologie-Oscar» von dannen, den er «wie einen richtigen Oscar, mit schlotternden Knien, Herzklopfen und feuchten Augen vor Freude» entgegengenommen hatte.

Es ist bereits zu spät

Vorgängig hielt Klimaforscher Thomas Stocker im voll gefüllten Landhaussaal mit Treibhauswärme ein eindrückliches Referat über den Treibhauseffekt und dessen Folgen. «Schon vor 30 Jahren wusste man, was passiert und was zu tun ist.» Stocker hielt eine plakative und stringente Beweisführung, dass die Erwärmung im Klimasystem eindeutig ist und ausserhalb der natürlichen Schwankungen in den letzten 800 000 Jahren liegt. Ebenfalls eindeutig ist nach seinen Zahlen und Fakten die Tatsache, dass der CO2-Ausstoss dafür verantwortlich ist. Kurzfristig orientierte Vorschläge wie das Filtern von Abgasen oder das Aufforsten einiger Gebiete seien praktisch wirkungslos angesichts der gigantischen Massen der bisher emittierten Gase.

Einzig langfristige und globale Massnahmen wie die Steigerung der Effizienz beim Einsatz der Brennstoffe sowie die schrittweise Reduktion von Emissionen würden ermöglichen, dieses globale Problem in Schranken zu halten; für eine mittelfristige, vollständige Gesundung sei es aber bereits zu spät - und in diesem Thema heisst mittelfristig bis Ende dieses Jahrhunderts.