Schweinegrippe

Aufrüsten gegen die Pandemie

Gerüstet: Im Spital ist der Bestand an Medikamenten und Schutzmasken vergrössert worden. Zudem wurde eine Task-Force ins Leben gerufen.

Schutzkleidung Schweinegrippe

Gerüstet: Im Spital ist der Bestand an Medikamenten und Schutzmasken vergrössert worden. Zudem wurde eine Task-Force ins Leben gerufen.

Ob Spital, Verwaltung oder Grossverteiler – die mögliche Pandemie beschäftigt das Limmattal. Die Tendenz ist klar: Die Dienstleister sind bemüht, auch beim Ausfall grösserer Teile der Belegschaft einen reibungslosen Betrieb aufrechtzuerhalten.

Sandro Zimmerli

Noch ist die Zahl der Schweinegrippe-Fälle in der Schweiz übersichtlich. Bis gestern waren 272 Fälle bestätigt, schreibt das Bundesamt für Gesundheit (BAG) in einer Mitteilung. Dies könnte sich schon bald ändern. Gemäss BAG ist im Herbst mit einem starken Anstieg von Krankheitsfällen zu rechnen. Bis zu zwei Millionen Schweizer könnten sich dann mit der Grippe anstecken. Dies hätte weitreichende Auswirkungen auf verschiedene Bereiche unseres täglichen Lebens. Damit der Alltag trotzdem weiter funktioniert rüstet man sich allerorts gegen die Pandemie - auch im Limmattal, wie eine Umfrage zeigt.

Die Stadtverwaltung

In Dietikon wurde schon vor längerer Zeit ein Pandemiestab unter der Leitung von Stadtpräsident Otto Müller ins Leben gerufen. Bis Ende August soll ein Notfallkonzept für den Ernstfall erarbeitet werden - dabei gilt es auch zu bestimmen, wie man einem allfälligen Personalausfall begegnen will. «Wir sind daran, einen Mitarbeiterpool zu erstellen. Falls Personal ausfällt, können wir auf diesen Pool zurückgreifen und Mitarbeiter für eine gewisse Zeit in anderen Abteilungen einsetzen», sagt Stadtschreiberin Karin Hauser. Ausgangslage für das Notfallkonzept sei die Annahme, dass etwa 25 Prozent der Belegschaft während 5 bis 8 Tagen ausfällt. «In erster Linie ist es wichtig, dass gewisse Dienstleistungen wie das Abfallwesen oder das Bestattungsamt weiter funktionieren», so Hauser. Vorgesorgt habe man zudem mit der Beschaffung von flüssiger Seife und Gesichtsmasken für die Belegschaft.

Das Spital

Seit längerer Zeit bereitet man sich im «Limmi» auf die Schweinegrippe vor. Bereits im Frühling ist eine Task-Force ins Leben gerufen worden. «Logistisch sind wir gut vorbereitet. Wir verfügen über genügend Tamiflu und Gesichtsmasken. Zudem wissen wir, wie wir Patienten mit Schweinegrippe im Spital isolieren wollen», hält Spitaldirektor Gregor Frei fest. Nicht restlos geklärt sei die Frage, wie man auf einen Massenansturm reagieren werde. «Wir gehen davon aus, dass es sich beim grossen Teil der Erkrankungen um leichte Fälle handeln wird. Nur ein kleiner Teil wird im Spital versorgt. Dem Rest wird empfohlen zu Hause zu bleiben», so Frei. Abzuklären bleibe, wie man auf einen grösseren Personalausfall reagieren werde.

Der Grossverteiler

Bei Coop hat man sich in den vergangenen Wochen intensiv mit einer möglichen Pandemie auseinandergesetzt und einen gesamtschweizerischen Pandemieplan erstellt. «Unser Personal in allen Verkaufsstellen wurde mit Schulungsanleitungen für Hygienemassnahmen versorgt. Masken, Desinfektionsmittel und Einweghandschuhe stehen bereit», erklärt Mediensprecher Nicolas Schmied. Würde die Grippe sehr aggressiv und die Belegschaft stark dezimiert, würde man den Offenverkauf einstellen und beispielsweise bei Früchten und Gemüsen so viel wie möglich in Plastikbeuteln verkaufen. Falls so viele Mitarbeiter ausfallen würden, dass nicht alle Verkaufsstellen weiter betrieben werden könnten, so sei es denkbar und geplant, dass Filialen, die Non-Food anbieten, beispielsweise Bau + Hobby-Märkte, vorübergehend geschlossen würden, um den Betrieb von Food-Verkaufsstellen zu gewährleisten.

Die Schule

«Einen speziellen Notfallplan für die Schule gibt es nicht», sagt Oberengstringes Schulvorstand André Bender. Man sei aber in ständigem Kontakt mit dem schulärztlichen Dienst. Zudem werde man von der Bildungsdirektion über mögliche Massnahmen auf dem Laufenden gehalten. «Im Notfall werden wir die Anweisungen der Bildungsdirektion umsetzten. Es ist durchaus möglich, dass ein ganzes Schulhaus geschlossen wird», so Bender.

Das Altersheim

«Schon als die ersten Fälle der Grippe in Mexiko bekannt wurden, haben wir uns mit Desinfektions- und Schutzmaterial versorgt», so René Brüggemann, Leiter des Alters- und Pflegeheims «Im Morgen» in Weiningen. Zudem hätten alle Mitarbeiter eine intensive Schulung eines neuen Hygienekonzeptes hinter sich. «Es steht uns zudem eine Hygieneexpertin zur Verfügung. Sobald die ersten Schweinegrippefälle in unserer Region auftreten, werden wir die Bewohner über Hygienemassnahmen informieren und anweisen», hält Brüggemann fest. Um der Schweinegrippe Herr zu werden, habe man die Mitarbeiter angewiesen möglichst schnell Verdachtsmomente zu melden. «Wir werden die Bewohner überzeugen, ihre Zimmer für einige Zeit nicht zu verlassen», erklärt Brüggemann. «Gleichzeitig sind wir daran, Stellvertretungen zu organisieren, dass bei einem Personalausfall der Betrieb aufrechterhalten werden kann.»

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