Kwest
Auf der Suche nach dem Schönen

Als Schlagzeuger der Hip-Hop-Band Mundartisten agiert er im Bühnenhintergrund, als Soloartist Kwest veröffentlicht er nun sein erstes selbst produziertes Album. Ins Rampenlicht tritt Jonas Leuenberger deshalb aber nicht.

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Jonas Leuenberger

Jonas Leuenberger

Solothurner Zeitung

Martina Schlapbach

Nein, Glück sei es nicht. Womöglich das perfekte Stück, der perfekte Rhythmus, sinniert der Musiker, um seine Worte sogleich wieder zu verwerfen: «Die Suche nach dem Schönen», findet die von Vogelgezwitscher begleitete Stimme schliesslich den als zwar unvollständig, aber passend empfundenen sprachlichen Ausdruck. «Ja, die Suche nach den schönen Sachen ist es.»

Es ist nicht der Künstlername, den Jonas Leuenberger zum Suchenden macht, und gleichwohl bringen die fünf Buchstaben seine Suche zum Ausdruck. Geklaut, adaptiert, annektiert habe er die Lettern von seinem besten Freund, der den Namen einst mit geringerer Überzeugung trug als es der gegenwärtige Namensträger tut.

Die Suche und das Streben, zuweilen Bestreben beinhaltet das Wort in jenem Sprachraum, dessen Weiten der Langenthaler im Frühjahr auf breiten Strassen bereiste; «quest» hatte er zu diesem Zeitpunkt längst zum eigenen gemacht.

Reflexion und Entscheidung

«Kwest» nennt sich der junge Mann, der zwischen Hängematte und dem von ihm bewohnten und vom Kirschbaum beschmückten Haus sitzt und erzählt, seit 2004. Die Soloprojekte, die er unter diesem Namen bis zum heutigen Tag geschaffen hat, fasst sein neues Album zusammen.

Mit einer bewusst kurz gehaltenen Produktionszeit, welche im August des Vorjahres begann und im Februar endete, sollte die Gefahr des Sich-Verlierens, der Unsicherheit und des Endlosen umgangen werden; als unumgänglich erwiesen sich von Zweifel und Euphorie durchsetzte Entscheidungsprozesse. Durch sein Werk sieht der Musiker einen Schlussstrich unter seine letzten fünf Schaffensjahre gezogen.

Bezeichnet der Schaffende, während er die rote Colabüchse abstellt und mit einem im selben knalligen Farbton leuchtenden Feuerzeug eine zweite Zigarette anzündet, sein Produkt als «Auseinandersetzung mit mir selber, mit meinen Vorstellungen und Wünschen, wohl nicht zuletzt auch meinem Können.» Er benennt die Philosophie, nach der sich seine Suche nach dem Schönen ausrichtet: Jonas Leuenberger macht Musik, die ihm gefällt.

Seine durch die letzten fünf Jahre konstante musikalische Basis, sampleorientierter Hip-Hop aus den Neunzigerjahren, versetzt er mit innovativen Funkelementen, repetiven Mustern und clubtauglichen Diamanten. Die Vielfalt zur Einheit bringt sein Albumtitel: «Jonas and his homemade retro futursitic ornamental bling bling music».

Aus dem Scheinwerferlicht

Der Titel tut, was der im Titel Benannte nicht will: auffallen. Leuenberger führt die Hand zu seiner schwarzen Sonnenbrille, die ihn auf allen Werbefotos ziert. Es sei hell, stellt er, auf dessen Strohhut die Sonnenstrahlen treffen, fest und bestimmt die Helligkeit im nächsten Satz als einer unter vielen Gründen, die Augen hinter getönten Gläsern zu halten.

Bescheiden und auch scheu sei er, Konzerte zu seinem Album plant er nicht, «ich stehe nicht gerne im Rampenlicht». Als Künstler sieht sich der 29-Jährige, der sich beruflich der Grafik und Gestaltung widmet, nur ungern bezeichnet. Dem Begriff hafte etwas Mystisches, fast Übermenschliches an, «Attribute, die ich mir nie selbst zuschreiben würde».

Eine von Inspiration und Befruchtung gezeichnete Wirkung schreibt Leuenberger indes seinen zahlreichen musikalischen Albummitstreitern zu, deren Originalität die stilistische nicht zuletzt mit einer sprachlichen Vielschichtigkeit ergänzte. Deutsch, Englisch, Italienisch und Tamilisch erklingen die 19 Songs, die sich in den Worten des Produzenten statt hinter einem auffallenden, unter einem «wenn schon, denn schon»-Titel vereinen.

Unverborgen bleibt damit die Überwindung, die sich der Musiker die Albumveröffentlichung kosten liess. «Vielleicht werde ich damit meine Illusion, als Musiker im Hintergrund zu stehen, relativieren müssen», erläutert er. Spricht davon, wie er im Frühling in den USA seine bisher unerkannte Leidenschaft fürs Reisen entdeckte, und lässt die Rede auf den Raum fallen, den ihm sein Album, Ende und Anfang zugleich, für die Zukunft eröffne.

Auch eine Vinyl-Edition

«Mehr Songs denn Beats» siedelt er in diesem Raum an. Er setzt die Vorstellungen über sein künftiges Schaffen mit den Erkenntnissen aus seiner beendeten Albumproduktion, das Album selbst schliesslich mit einer «schönen Sache» gleich. Das Schöne präzisiert sich sodann als «etwas Entspannendes, etwas Rundes und etwas Warmes», dessen höchsten Ausdruck Jonas Leuenberger in der neben der CD produzierten Vinyl-Edition, folglich «einer Einheit von Form, Klang und Grösse» sieht. Ein schöneres Produkt kann der Mann, dessen Konturen so unwillkürlich an die idealtypischen Umrisse eines Künstlers erinnern, in diesem Augenblick, in dem er die Beine auf den ihm gegenüberstehenden Holzstuhl ausstreckt, nicht nennen.

Das Album wird zusammen mit grafischen Werken des Musikers am 10. Juli von 16 bis 19 Uhr im Salon Bleu des Kunsthauses Langenthal vorgestellt.

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