Rubitschung
Auf den Spuren der Rubitschungs

In Frankreich, Deutschland, Kanada und in der Schweiz waren Eisenhandwerker Namens Rubitschung tätig – auch im Thal. Alexander Roth, ein Nachfahre, hat ihre Geschichte aufgearbeitet und zeigt so eine entscheidende Erweiterungen zum alten Solothurner Eisengewerbe auf.

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Alexander Roth

Alexander Roth

Solothurner Zeitung

Walter Schmid

Der vor 500 Jahren geborene Franzose Jacques Robichon wanderte 1552 in den Schweizer Jura ein und begründete 1555 in Herbetswil eine Eisenhandwerkerdynastie, die das Handwerk hier nachhaltig prägte. Noch heute ist in der Region Thal, vorab in Mümliswil, und darüber hinaus der Name Rubitschung vertreten.

Der Autor gibt für den Namen über zwanzig Schreibweisen an, von Rubitschon über Rubitschum bis zu Rubenschuh, er nennt sie in seinem Buch «Unterwegs in der eisernen Welt» kurz nur noch R.

Namen als Hinweise

Aus dem Stamm der Herbetswiler Rubischung, wie der Name bis 1800 geschrieben wurde, entstanden im Laufe der Zeit 25 internationale Zweige, die im Buch auf 130 Seiten mit Stammtafeln und Personendaten dokumentiert sind. Namen deuten im Thal auf das Eisenhandwerk hin: Eisenhammer in Aedermannsdorf, Hammer in Herbetswil, Schmelziwald in Gänsbrunnen.

Grund dazu waren einerseits Eisenerzvorkommen, anderseits ausgedehnte Wälder, denn die Eisenschmelzen brauchten Holz, sehr viel Holz sogar. Zudem bestanden in Gänsbrunnen Glasöfen, die ebenfalls viel Holz verschlangen. Der Raubbau an den Wäldern führte 1603 zur befohlenen Schliessung der Hütte auf der Schafmatt. 1615 kam es zu einer Wiedereröffnung, 1636 zu einer kurzlebigen Nachfolgehütte im Rüschgraben.

Der Autor

Alexander Roth, 1941 in Altdorf geboren, lebt seit 45 Jahren in Zürich, entdeckte 1980 die Ahnenforschung. Bei der Familiengeschichte der Roth stiess er auf eine Katharina Rubischum im Thurgau, womit er den Zugang zu den Eisenarbeitern fand: Ihr Grossvater Johann Rubitschon war ein deutscher Hammerschmied, dessen Vorfahren aber die Rubitschung im Thal waren. Auf der Suche nach seinen Ahnen fand er eine weitere Verbindung zum Kanton Solothurn: Sein Urvater Konrad Roth war um 1435 aus der Herrschaft Halten-Kriegstetten in den Kanton Luzern gezogen. (wsw)

Auch im Eisenwerk der Rubitschung auf der Grenze zwischen Herbetswil und Aedermannsdorf musste 1603 der Schmelzofen stillgelegt werden, Solothurn erlaubte nur noch eine Hammerschmitte. 1710 entstand der heutige Eisenhammer von Vogt Jakob Nussbaumer.

Mit Ludwig von Roll begann dann 1810 die industrielle Eisenerzeugung. Mit der Einschränkung ihrer Berufsausübung setzte nach 1600 jenes grosse Wandern der Eisenhandwerker und Glasmacher Rubitschung ein, das sie zu einer internationalen Familie werden liess.

Hammer im Bengelacker

Zu seinem Auftakt als Eisenschmelzer in der Vogtei Falkenstein errichtete Jakob Robischon, oder eben Jacques Robichon, 1555 im Bengelacker in Herbetswil ein neues Hammerwerk. Er nutzte die natürlichen Wasserfälle der Dünnern für einen gleichmässigen Lauf des Wasserrads, das den Hammer trieb.

Im Staatsarchiv recherchierte der Autor den genauen Standort. Im letzten Dezember kamen dann bei Grabarbeiten in der Nähe des Wasserfalls neben der Thalstrasse grosse Mengen Eisenschlacken zum Vorschein. Der Hammer wurde um 1600 stillgelegt, der Name Bengelacker verschwand und wurde von Alter Hammer, später Hinter Hammer abgelöst.

Faszination Eiserne Welt

Mit seinem Buch möchte der Autor Interessierten sowie den Nachkommen der R. etwas von jener Faszination zu vermitteln, die ihn über Jahre am Thema hielt. Tatsächlich bietet das 530-seitige Werk eine Fülle von Informationen über die Familien R., aber auch über das Leben der Eisen- und Glasarbeiter, über ihre Handwerke und ganz speziellen Lebensverhältnisse.

Zentral steht für ihn die aussergewöhnliche berufliche Mobilität, welche die R. an gegen 130 Eisenhütten brachte, von den Alpen bis in die Eifel und über Frankreich schon nach 1740 in die Kolonien Kanada und Mauritius, jedoch stets in katholischen Regionen: Glaubenstreue war so wichtig wie Berufstreue.

Alexander Roth: Unterwegs in der eisernen Welt. Eigenverlag des Verfassers, Ringstrasse 42, 8057 Zürich. 100 Franken plus Porto und Verpackung.

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