Auf dem Pfad der Integration

Verleihung Sozialpreis des Kantons Solothurn 2010

Auf dem Pfad der Integration

Verleihung Sozialpreis des Kantons Solothurn 2010

In der Pfadiabteilung «PTA Cassiopeia» Solothurn setzen sich junge Menschen für die Integration und Betreuung von körperlich und/oder geistig behinderten Kindern und Jugendlichen ein. Ein Engagement, das der Regierungsrat mit dem diesjährigen Sozialpreis würdigt.

Marco Zwahlen

«Gutmenschentum» – so würde nicht selten soziales Engagement etwas abschätzig betitelt, sagte gestern Abend Sozialdirektor Peter Gomm im Solothurner Landhaus. Doch diese Gutmenschen «sind ungemein wertvoll. Sie sind nicht nur sinngebend, sondern auch notwendig, um die soziale Gestaltungskraft der Gesellschaft zu dokumentieren». Der Verleihung des Sozialpreises komme deshalb eine wichtige Symbolik zu. Gomm: «Sie zeugt von der Kraft der Gemeinschaft, sich für die Lösung der sozialen Fragen im Kleinen wie im Grossen zu engagieren und dafür etwas zu tun.»

Die neunköpfige Jury hatte aus 57 Eingaben fünf Kandidaturen für den Sozialpreis nominiert. Laut Jurypräsident Kuno Tschumi war die Nomination und Wahl keine leichte Aufgabe: «So verschieden die Bewerbungen waren, so gut sind sie auch gewesen.» Letztlich wird in diesem Jahr das Engagement Jugendlicher honoriert. Die Jury schlug dem Regierungsrat vor, den Preis der Pfadiabteilung «PTA Cassiopeia» Solothurn zu verleihen. Die Preissumme beträgt 20000 Franken.

Andersartigkeit wird zur Normalität

Der PTA Cassiopeia, die es seit 30 Jahren gibt, gehören aktuell 15 betreute Jugendliche an, die allesamt eine körperliche oder geistige Behinderung aufweisen. Das Leiterteam besteht aus fünf bis sieben Personen und je nach Anlass werden weitere Helfer beigezogen. Sie arbeiten ehrenamtlich. Der Pfadiabteilung St. Urs angeschlossen finden gemeinsame Pfadianlässe statt. Die PTA trifft sich alle zwei Wochen zu einem Samstagnachmittags-Treff. Nebst diesen regelmässigen Treffen werden gemeinsame «Übungen» mit dem Rest der Pfadfinderabteilung durchgeführt. Regelmässig finden auch Pfingst- und Sommerlager statt, in welche die Kinder der PTA-Gruppe ebenfalls integriert werden. Der Grundgedanke ist, die Kinder in erster Linie als Menschen und erst in zweiter Linie als Behinderte zu sehen. Den
Kindern muss grundsätzlich kein spezielles Programm angeboten werden. Sie müssen «lediglich» unterstützt werden.

Jurymitglied Iris Schelbert brachte den Wert dieses ausserordentlichen Einsatzes junger Menschen für Kinder und Jugendliche mit einer Behinderung auf den Punkt: «Pfadis mit und ohne Behinderung leben die Integration, sie üben einen normalen und unverkrampften Umgang miteinander, lernen gegenseitigen Respekt und Achtung. Die Andersartigkeit wird zur Normalität.» Stellvertretend für die PTA Cassiopeia freute sich Flavia Kummer in ihrer Dankesrede: «Das ist eine Mega-Ehre.» Besonders dankte sie allen, die seit Jahren mitwirken und den Eltern der Kinder für das Vertrauen in die Leiterinnen und Leiter. Übrigens: Die Pfadiabteilung finanziert sich aus bescheidenen Jahresbeitragsgeldern sowie wenigen Spendengeldern. Das Gestalten der Umgebung im und um das Pfadihaus, das rollstuhlgängig sein sollte, benötigt zusätzliche finanzielle Ressourcen.

Vier weitere Gewinner

Mit einem Anerkennungspreis von je 5000 Franken wurden die weiteren vier Nominierten bedacht. Es sind dies: Die Tandemgruppe für Blinde und Sehbehinderte Solothurn und Umgebung, deren freiwillige Helfer von März bis Oktober wöchentlich mit Sehbehinderten unentgeltliche Tandemfahrten unternehmen. Die Bäckerei Mischler, Selzach, ein Familienbetrieb, der seit Jahren Personen mit eingeschränkter Leistungsfähigkeit (IV-Bezüger) beschäftigt und zudem Lehrlinge aus Kleinklassen aufnimmt. Anna Sollberger, Breitenbach, die mit ihrer Maturarbeit «PTA Pfadi trotz allem» zuerst eine Bedarfserklärung für die Region Thierstein-Laufenthal und dann ein Konzept für den Aufbau einer PTA in der Region gemacht hat. Resultat: Im Mai 2008 wurde die «PTA Rägeboge» gegründet. Der Verein offene Kinderarbeit Olten als Trägerschaft des «Robi-Spielplatzes» Hagberg. Der Verein setzt sich seit Jahrzehnten für das Spielen der Kinder in Olten und Umgebung ein.

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