Auf das Hoch folgte der Absturz

Mit einem rekordmässig warmen Sommertag und einer temperaturtechnischen Achterbahnfahrt wartete der Oktober auf.

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Birgit Günter

Eigentlich tragisch: Sommer und Winter liegen in unseren Breitengraden unerreichbar auseinander, weil sich jeweils Frühling und Herbst zwischen die beiden Hauptjahreszeiten drängen. Nicht so in diesem Jahr. Denn da durften sich Sommer und Winter mitten im Oktober ungeniert die Hand reichen.

Zum Rendez-vous zwischen den beiden kam es in der zweiten Oktoberwoche: Am 7. war es mit gegen 30 Grad (Titterten: 27,2°; Basel: 28,2°) hochsommerlich warm. Dieser Tag war an den meisten Stationen der Schweiz der wärmste Oktobertag seit Messbeginn. Innert weniger Tage fiel darauf aber das Thermometer um rund 30 Grad.

Ganz am Schluss kam der Herbst

Denn nur eine Woche später, am 15., hat Wetterfrosch Hansruedi Schweizer in seiner Titterter Messstation minus 2,3 Grad gemessen, den tiefsten Wert des Monats. Der Winter war da. Minustemperaturen gab es an insgesamt drei Tagen (am 15., 16. und 20.). Erst im letzten Monatsdrittel hat sich der Herbst doch noch auf die Wetterbühne gedrängt und der Region ein paar milde und sonnige Tage beschert.

Unter dem Strich neutralisieren sich die beiden Temperatur-Extreme beinahe. Der Monat war mit einem Mittel von 9,7 Grad aber noch immer rund ein Grad zu kalt - jedenfalls in Titterten. Laut Meteoschweiz verzeichneten manche Stationen in den Niederungen einen geringfügigen Wärmeüberschuss.

Besonders erwähnenswert ist im vergangenen Monat einmal mehr die ausgeprägte Trockenheit. Mit 44 Litern gab es weniger als die Hälfte des normalen Niederschlags. Das ist zwar sehr wenig, wäre aber nicht ansatzweise so dramatisch, wenn nicht schon praktisch alle bisherigen Monate des Jahres 2009 zu trocken gewesen wären. Denn im laufenden Jahr weisen nur gerade März und Juli eine positive Niederschlagsbilanz auf, und ihr sogenannter «Überschuss» ist wegen der paar wenigen Liter bei beiden Monaten eigentlich nur Makulatur.

Trockenheitsrekord im Visier

Fazit: Das Jahr 2009 steuert geradewegs auf einen Trockenheitsrekord zu. Bisher gab es 703 Liter Niederschlag. Normal sind Ende Jahr Werte um 1200 Liter - und es verbleiben nur noch zwei Monate, um «aufzuholen». Der bisherige Rekordwert von 810 Litern aus dem Jahr 2003 könnte demzufolge geknackt werden.

Bei den restlichen Wetterparametern gibt es vom Oktober nichts Spektakuläres zu berichten. Die Sonne schien während 111 Stunden, was etwas weniger ist als normal. Am meisten Sonne gabs am 3. mit 9 Stunden. An fünf Tagen zeigte sich das Gestirn nie am Himmel. Nebeltage verzeichnete Schweizer 7.

Für den November rechnet der Titterter Hobby-Meteorologe erneut mit einer eher zu trockenen Witterung. Man darf gespannt sein.