Grenchen

Auf Augenhöhe mit den Vögeln

Lebensqualität:  Markus Wolf verbringt seine Freizeit am liebsten mit der Familie auf der Dachterrasse. (Bild: Urs Lindt)

Wolf

Lebensqualität: Markus Wolf verbringt seine Freizeit am liebsten mit der Familie auf der Dachterrasse. (Bild: Urs Lindt)

Ein Leben zu ebener Erde können sich Markus Wolf, Christina Lanthemann und Sohn Philipp nicht mehr vorstellen. Seit fünf Jahren residiert die Familie in einer Attikawohnung an der Simplonstrasse neben dem Eisenbahnviadukt.

Daniela Deck

«Wir leben hier wie in einem Einfamilienhaus, was die Ruhe angeht», sagt Markus Wolf. Nur dass es im «Einfamilienhaus», einer Fünfeinhalbzimmerwohnung in der Simplonstrasse 56, kaum Mücken gibt. Nach seinen Erfahrungen fliegen die kleinen Plagegeister nicht bis zum 12. Stockwerk hinauf. «Aber die Junikäfer schaffen es bis zu uns.» Markus Wolf grinst.

Die Familie hat die Höhe in Etappen erklommen. Zuerst wohnte sie in einem Block im Ziegelmattquartier im Hochparterre. 2002 zügelte der Dreipersonenhaushalt vom Osten in den äussersten Westen der Stadt. Das Haus war dasselbe wie heute, nur die Aussicht nicht so grandios. Markus Wolf liess sich mit Lebenspartnerin Christina Lanthemann und Sohn Philipp im neunten Stock nieder. «Jeder, der aus einer der beiden Dachwohnungen weggeht, hat ein eigenes Haus gebaut», sinniert Christina Lanthemann. Die Familie hatte Glück. Nach nur zwei Jahren konnte sie den Aufstieg ins Dachgeschoss fortsetzen. Und keiner der drei könnte sich vorstellen, diese Wohnlage mit irgendeiner anderen in Grenchen zu tauschen. «Seit wir hier leben, sind wir viel mehr daheim. Früher wollten wir an den Wochenenden oft nur weg, waren bei Verwandten oder haben sonst einen Ausflug gemacht», erzählt sie. Dem fast 9-jährigen Philipp gefällt vor allem die Aussicht. Auch Gäste gehen jeweils sofort ans Fenster, vorausgesetzt, sie sind schwindelfrei.

Stockwerkeigentum war nicht gefragt

Markus Wolf amtet neben seinem Beruf als Baumaschinenführer als Hauswart. Er ist überzeugt: «Diese Wohnung ist günstig für den Komfort, den sie bietet.» So habe jede Partei im Haus eine eigene Waschmaschine und einen Tumbler. Dazu kommt eine grundsätzliche Überlegung: Eine Wohnung in dieser Grösse und an einer solchen Lage - neben dem Nordbahnhof - wäre andernorts wohl nicht zur Miete erhältlich. Vor einigen Jahren habe es Bestrebungen gegeben, den Block in Stockwerkeigentum umzuwandeln. Doch dafür habe die Nachfrage gefehlt.

Am liebsten draussen auf der Terrasse

Wann immer möglich hält sich die Familie draussen auf. Sie nennt nicht nur eine grosse Dachterrasse ihr eigen, sondern zwei. Eine Richtung Osten und eine Richtung Süden. «Hier sind wir nahe bei den Vögeln. Im letzten Winter haben zwei Falken auf dem Geländer übernachtet. Wenn wir am Morgen ans Fenster kamen, sind sie jeweils weggeflogen», erzählt Markus Wolf. Gleich darauf spricht seine Partnerin eine Krähe an, die vorbeifliegt - und diese dreht ihr kurz den Kopf zu.

Der Umgang mit den Terrassen war mit einem Lernprozess verbunden. Topfpflanzen mussten angebunden werden, damit sie nicht umfallen. «Am schlimmsten ist der Bergluft», so Markus Wolf. Als die Familie neu in der Wohnung war, seien dem tückischen Wind zwei mobile Schränke mit Plastikbezügen zum Opfer gefallen. «Der Wind hat sie schlicht zerfetzt.» Dieses Jahr hat Wolf eine Holzwand als Windbrecher montiert. Anschliessend konnten die Pflanzen von der Leine gelassen werden. Auf der Ostterrasse, wo sich die Familie am häufigsten aufhält, sorgen Sonnensegel für eine ständige Ferienatmosphäre. Nur etwas findet Christina Lanthemann schade: «Von hier oben sieht man, wie die Natur zu kurz kommt, und die Lichtverschmutzung am Nachthimmel ist bedenklich.»

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