Auensteinerin
Auensteinerin gründet Hilfsprojekt in Kenia

Nach Ferien in Kenia wollte Lisa Brandt aus Auenstein unbedingt etwas tun, um der Bevölkerung zu helfen. Nun leitet sie ein Hilfsprojekt zum Bau eines neuen Waisenhauses.

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Keniaprojekt

Keniaprojekt

Aargauer Zeitung

Andrea Marthaler
Zu Kenia hatte Lisa Brandt bisher keinen besonderen Bezug. Im letzten November verbrachte die 40-Jährige ihre Ferien in Kenia und begegnete dabei auch Einheimischen. «Obwohl ich mich gut auf die Reise vorbereitet habe, erschrak ich über die Armut», sagt Brandt. Dabei wirkt die Deutsche, die wegen der Liebe nach Auenstein kam, gar nicht wie eine Frau, die schnell in Mitleid verfällt. Als Brandt nach dem Urlaub wieder zu Hause war, gründete die energiegeladene Frau den Verein Hope for Kenyafamily. «Mir war klar, dass ich etwas machen möchte. Ich hatte die hungernden Kinder am Strassenrand in Erinnerung und fühlte mich mitschuldig.»

Im Dezember erreichte Lisa Brandt ein Hilferuf aus Kenia: In der Nähe der Stadt Voi sei ein Waisenhaus mit 23 Kindern gefährdet. Das bisher zur Verfügung gestellte Haus müsse geräumt werden. Damit hatte Lisa Brandt, selber Mutter einer vierjährigen Tochter, ihr Projekt gefunden. Sie will ein neues Waisenhaus bauen mit Platz für mindestens 50 Kinder inklusive Trinkwasserbrunnen, der vom ganzen Dorf genutzt werden kann.

Brandt will Hilfe zur Selbsthilfe geben
Im März besuchte Brandt das Waisenhaus zum ersten Mal. «Von einem Haus kann man eigentlich nicht sprechen, es ist mehr eine Bruchbude.» Vor Ort konnte sie Kontakt zu verschiedenen lokalen Personen aufnehmen, fand einen kenianischen Architekten, der den Bau leiten wird sowie weitere Kenianer und eine Deutsche, die das Projekt betreuen. Selber werde Brandt mit Argusaugen darüber wachen: «Ich versuche im Minimum zweimal im Jahr runterzufliegen.»
Bereits konnte ein Grundstück gefunden werden, auf dem das Waisenhaus gebaut werden kann. Neben dem Haus

im kenianischem Baustil ist ein Trinkwasserbrunnen das Herzstück, an dem auch die Bevölkerung Wasser holen könnte. «Heute müssen die Frauen viele Kilometer laufen, um zu Wasser zu kommen.» Damit die Kinder des Waisenhauses eine Perspektive bekommen, will Brandt auf dem Gelände zudem eine Holzwerkstatt für die älteren Knaben und eine Näh- und Waschstube für die Mädchen bauen. «Die Jugendlichen sollen etwas lernen können.» Damit sich das Waisenhaus selbst versorgen und Produkte verkaufen kann, sollen zudem eine Tierfarm mit Ziegen und Hühnern sowie ein Gemüsegarten angelegt werden.

Spendensammeln ist schwierig
Lisa Brandt rechnet damit, dass sie 100 000 Franken braucht, um alles realisieren zu können. Bisher sind gegen 7000 Franken gespendet worden. Brandt ist seit Dezember am Sammeln. «Ich verschickte bereits über 200 E-Mails an Firmen.» Doch die Resonanz war vernichtend, bis auf «Ich drücke Ihnen die Daumen» brachten die Anfragen nichts. Erfolgreicher verlief die Vermittlung von Patenschaften für die 23 Waisenkinder. «Für 13 Kinder habe ich bereits einen Paten gefunden, der monatlich 30 Franken bezahlt.» Diese werden für Lebensmittel, Schulmaterialien und Uniformen gebraucht.

Im September will Lisa Brandt ein weiteres Mal nach Kenia reisen. Ihr Engagement sei ein Fulltimejob, sagt die ausgebildete Primarlehrerin. «Kenia hat meinen Mutterinstinkt geweckt. Ich habe nichts davon, ausser einem guten Gefühl.»

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