Auch die Kässeli kommen weg

Ein Kässeli, ein Küchenmesser, viele Blumen und Gemüse: Der Einkauf von Frischprodukten ab Feld oder vom Hoflädeli ist beliebt. Mit dem Zahlen nehmens nicht alle Kunden gleich genau.

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Schweiz am Sonntag

von Barbara Vogt

Corina Morgenthaler aus Wittwil ist umgeben von einer üppigen Blumenpracht: Sonnenblumen, Dahlien, Gladiolen. Bei ihr kann man Blumen und Gemüse direkt vom Feld schneiden oder in ihrem Gmüeshüsli beziehen. Die Preise stehen auf einer Tafel, das Geld wird ins Kässeli geworfen. Damit macht Corina Morgenthaler seit 16 Jahren gute Erfahrungen. «Die Mehrheit meiner Kunden ist ehrlich», sagt sie. «Viele runden den Betrag auf. Und wenn sie zu wenig Geld bei sich haben, schreiben sie mir dies auf einen Zettel und bringen das Geld später.» Viele ihrer Stammkunden schätzten es, die Frischprodukte selber zu ernten.

Trotz ihrer ehrlichen Kundschaft schliesst Corina Morgenthaler das Gmüeshüsli jetzt über Nacht ab. Regelmässig seien die Kässeli von der Wand abmontiert und gestohlen worden. Darüber schüttelt sie nur den Kopf: «In der Kasse hat es nicht mehr als 20, 30 Franken, das rentiert sich doch kaum.» Auch sei es schon vorgekommen, dass Geschenkartikel oder Weihnachtskarten aus dem Gmüeshüsli gestohlen wurden. Deshalb spielt Corina Morgenthaler mit dem Gedanken, eine Videoüberwachung in ihrem Verkaufsladen zu installieren. «Keine echte, sondern eine Attrappe, das schreckt Diebe ab.»

Eine Videoüberwachung ist im Hoflädeli der Familie Hunziker im benachbarten Kirchleerau angebracht. «Zum Schutz der ehrlichen Kunden wird dieser Raum videoüberwacht. Stehlen lohnt sich nicht, die Kasse wird mehrmals täglich geleert», steht auf einem Plakat. Eier, Kartoffeln seien weggekommen, sagen die Betreiber. Sie glauben, dass die Diebe die Ware ins luzernische Triengen gebracht und dort an den Mann gebracht hätten.

Gärtner Luigi Meneghini bewirtschaftet in seiner Freizeit in Möriken ein Stück Land. Das Gemüse, Auberginen, Tomaten, Kohlrabi, ist begehrt. Doch der gebürtige Italiener jammert: «Leute kommen in den Garten und stehlen über Nacht Setzlinge. Was kann ich dagegen machen?» In den letzten Jahren sei die Zahlungsmoral der Kunden zurückgegangen, stellt Fredy Umbricht von Wein & Gemüse Untersiggenthal fest. Einst hätten seine Eltern einen Selbstbedienungstisch mit Kartoffeln, Obst und Eiern aufgestellt, davon sei vermehrt gestohlen worden.

Seit einiger Zeit steht vor dem Haus der Umbrichts ein moderner Verkaufsautomat mit gekühlten und ungekühlten Fächern. Wollen die Kunden zu ihrer Ware kommen, müssen sie den Automaten zuerst mit Geld füttern. «Der Automat kommt gut an», sagt Fredy Umbricht. «Die Kunden können während 24 Stunden Frischprodukte beziehen.» Er habe aber bemerkt, dass es für einige Leute Überwindung koste, den Automaten zu bedienen.

Die Stiftung Biberstein betreibt nahe der Aare in Aarau die Schlossgärtnerei mit Selbstbedienung. Gärtnerin Sabina Neukom vertraut ihren Kunden. «Es ist schwierig zu kontrollieren, ob sie alles zahlen, was sie nehmen. Wir können nicht über jeden Salat Statistik führen.» Seit die Stiftung eine Videokamera installiert hat, wird in der Gärtnerei nicht mehr so viel zerstört wie früher. Doch Sabina Neukom denkt lieber an die ehrlichen Kunden und deren Feedbacks: «Sie sind froh, wenn sie am Abend oder am Wochenende frische Produkte holen können.»

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