Katja Schlegel

Ferien kennt Franz Scherer nicht, schon gar nicht im Sommer. Denn jetzt ist Hochsaison für den Tierferienplatz-Betreiber aus Mülligen, die Drähte laufen heiss. Und auf dem weitläufigen Gelände bellt und schwänzelt es, wohin man auch blickt.

Der A3-Tierferienplatz Scherer ist der Hoffnungsschimmer für alle kurz entschlossenen Tierhalter. Denn wer kurzfristig ein Ferienplätzchen für sein Tier sucht, hat in der Regel Pech. Scherer hat sein Angebot auf Notfallsituationen, spontane Geschäftsreisen und Last-Minute-Ferien abgestimmt. «Bei uns herrscht ständig ein Kommen und Gehen, da findet sich für jedes Tier ein freies Plätzchen.» Insgesamt stehen 120 Plätze für Hunde, Katzen, Nager und kleine Vögel zur Verfügung. Während die Hunde draussen in grosszügigen Gehegen ihr «Pfadilager» verbringen, gibts für Katzen, Nager und Vögel «Wellnessferien» im frisch renovierten Dachstock.

Scherer hat mit seiner Idee ins Schwarze getroffen: Das Angebot wird rege genutzt, jeden Tag kommen neue Kunden dazu, die noch gleichentags ihre Tiere abgeben wollen. Scherer zeigt Verständnis: «Man kann nicht alles wochenlang im Voraus planen.»

Seit Monaten ausgebucht

Fragt man bei anderen Tierferienheimen im Kanton an, hört man meistens nur eine Antwort: «Wir sind leider ausgebucht.» So auch bei Jaqueline Ulmann, Inhaberin des Katzenferienheims in Ehrendingen. Wer seine Katze in ihrem Ferienheim unterbringen will, muss schon bei Minustemperaturen an Sommerferien denken. «Wir haben Kunden, die ihre Tiere bereits im Winter anmelden.» Nur für Stammkunden hält sie 2 bis 3 Plätzchen frei: «Für den Notfall.» Sputen muss man sich auch beim Hunde-Tierheim Au in Brugg und beim Tier- und Ferienheim Monteverde in Schöftland. Beide sind bereits seit Monaten ausgebucht.

Mit dem Hund in die Ferien

Anders sieht es im Fricktal aus. Edith Widmer vom Ferienheim Fürberg in Wittnau ist auch fast ausgebucht. Aber eben nur fast. «Das ist nicht normal, die Zahlen sind erstmals rückläufig.» Widmer macht dafür die schlechte Wirtschaftslage verantwortlich. «Die Leute fliegen nicht mehr, sondern gehen mit dem Auto in die Ferien und nehmen den Hund mit.» Ausserdem würden inzwischen viele Hotels Hunde erlauben, um die Kundschaft anzulocken.

Ob es am grossen Angebot von Ferienheimen oder an den Chips liegt, die den Hunden unter die Haut gespritzt werden; ausgesetzte Hunde findet man nur noch selten. «Bei Hunden nahm das Aussetzen deutlich ab», sagt Conny Scherer vom Aargauer Tierschutzverein in Untersiggenthal. Bei Katzen hingegen gestalte sich die Sache schwieriger. «Wir haben viele Findelkatzen, von denen wir nicht wissen, ob sie entlaufen sind oder ausgesetzt wurden.»