Zwischenlager

Atom-Prominenz feierte zehn Jahre Betrieb des Zwischenlagers

Es ist nicht nur ein Lager mit radioaktiven und damit heiklen Abfällen. Das Zwischenlager in Würenlingen trennt auch Abfälle, verdichtet sie, verbrennt sie und stellt am Schluss die Behälter und Fässer in grosse Hallen.

Hans Lüthi

Abfallberge sind ja an sich kein Grund zum Feiern, bei Atomabfällen ist das doppelt der Fall, denn die will ja niemand haben. Die Betreiber der Schweizer Atomkraftwerke und Zwilag-Besitzer sind noch immer stolz, dass es überhaupt gelungen ist, eine solche Zwischenstation auf dem Weg zum Endlager zu bauen.

Grosse Überraschung beim Auftritt von Landammann Peter C. Beyeler, als er sich outete, ein Mitgestalter des Baukonzeptes zu sein. Damals bei NOK-Engineering tätig, war er für das Layout zuständig. «Wir kamen auf die Idee, die Gebinde mit den Abfallfässern wie Container auf den Schiffen zu stapeln», sagt er zu den platzsparenden Hochbauten. Das System hat sich bewährt, es muss Erdbeben und Flugzeugabstürze überstehen können.

Zwischenlager prägt sich ein, greift aber für die vor zehn Jahren eingeweihte, 500 Millionen Franken teure Anlage viel zu kurz. Ein spannender Rundgang mit Geschäftsleiter Walter Heep zeigt alle Facetten des Unternehmens, das die schwach- und mittelradioaktiven Abfälle auf ein kleinstmögliches Volumen verringert.

Kontaminierte Abfälle werden gereinigt

Kontaminierte Abfälle aller Art werden in einer Zerlegezelle und einer Reinigungszelle mit Säure, Ultraschall und Wasserdruck bis 2000 bar so lange gesäubert, bis 90 Prozent völlig sauber zurück in den normalen Stoffkreislauf gelangen. Nur die radioaktiven Rückstände werden in Stahl-Beton-Behälter einbetoniert und zwischengelagert.

Der Plasma-ofen ist das zweite Kernstück in dieser Fabrik für Abfälle. Sein bis zu 20 000 Grad heisser Strahl bringt die aus Atomkraftwerken, Spitälern, Industrie und Forschung aus dem ganzen Land angelieferten gelben Fässer zum Schmelzen - alles Metall inbegriffen.

Die flüssige Lava aus dem Ofen wird in glasförmigem Zustand in endlagerfähige Fässer verpackt. Der weltweit einzigartige Plasma-Ofen war über Jahre das grosse Sorgenkind des Zwilag. Heute sind die Kinderkrankheiten vorbei, statt 25 verflüssigt er in zwei Kampagnen pro Jahr bis zu 1000 Fässer. Und die Pioniere sind stolz auf dieses Werk, das sich längst zum Vorzeige-Objekt gemausert hat.

Das Hochaktiv-Lager mit seinen bis zu 140 Tonnen schweren Behältern fasziniert wegen seiner Dimension und des gefährlichen Inhalts. Am Jubiläum darf es nicht besichtigt werden, Bilder und Beschreibungen informieren über Transport, Umlad und Einlagerung der riesigen Dinger. Das Zwilag wird noch Jahrzehnte nötig sein, es hat Platz für alle Abfälle aus der ganzen Laufzeit aller fünf Schweizer Kernkraftwerke. Und das jüngste von ihnen, Leibstadt, wird aus heutiger Sicht bis 2045 in Betrieb sein.

Ganz normales Unternehmen geworden

Für Behörden und Bevölkerung ist das Zwilag längst zum ganz normalen Unternehmen geworden. Ammänner und Gemeinderäte aus der Region sind ans Jubiläum gekommen, die ganze AKW-Prominenz sowie kantonale und nationale Politiker.

Für das ausgezeichnete Funktionieren bekommen Führung und Mannschaft mehrfach Komplimente, von Landammann Peter C. Beyeler und von Stephan W. Döhler, dem Leiter Kernenergie der Axpo. Eine offene Kommunikation und offene Türen, auch für AKW-Gegner, haben die Kritik verstummen lassen. Das Zwilag kann sich heute ganz auf seine Aufgabe konzentrieren.

Die Betreiber wissen, was ankommt, und servieren der gegen hundertköpfigen Festgemeinde kurze Reden und lange Würste. Wobei Würste nicht wörtlich zu nehmen ist, denn höchste Qualität ist in diesem Metier oberstes Gebot. Das schlägt auf die Verpflegung durch.

Selbstredend sind die Weine bei Meier in Würenlingen gekeltert worden, auch der rote Kloster Sion 2008 aus Klingnau. Moderator Marco Canonica bittet die Lenzburger Schlossbläser auf die Bühne. Und Landammann Beyeler erinnert daran, das Zwilag sei nur die Vorstufe für ein späteres Tiefenlager. Politik und Bevölkerung befassen sich derzeit intensiv auch mit diesem heissen Thema.

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