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«Asylbetrüger raus!» Mit diesem Video blamiert sich die NPD bis auf die Knochen

Mit einem Video wollte die NPD zu einem Fackelmarsch gegen die Aufnahme von Flüchtlingen in Deutschland aufrufen – doch statt wütendem Zuspruch hat der Clip der rechten Partei bloss Hohn und Spott beschert.

Philipp Dahm
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«Am 1. August zeigt der nationale Widerstand in Deutschlands ältester Stadt Flagge. In Trier wird die NPD gegen das neue Asylheim auf die Strasse gehen», beginnt der erste Sprecher und fordert etwas stockend: «Jetzt sind alle gefragt ... Denn der ... Asyl-Irsinn nimmt Überhand.»

Die Regierenden wollten die Stadt zu einer «Hochburg der Asyl-Überfremdung» machen, erläutert der pausbäckige Mann ein wenig atemlos.

Böse Worte. Und doch irgendwie peinlich, dieses Video der Nationaldemokratischen Partei Deutschlands aus Trier. Das liegt zum einen an der Machart des Films, aber vor allem auch an seinen Protagonisten.

Die Fakten sind nicht ganz wasserdicht

Es ist aber nicht so, dass nicht auch harte Fakten geliefert werden. Trier nehme mehr Flüchtlinge auf «als das Land Polen», so der Mann mit Bart und Brille. Ob sie lange üben mussten, dass er nicht von «Ostpreussen, Pommerellen und Schlesien» spricht?

Die Nummer 1: Er weiss, wofür er kämpft.

Die Nummer 1: Er weiss, wofür er kämpft.

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«Und dabei werden weniger als ein Prozent als politisch Verfolgte anerkannt», schwadroniert er weiter. «Das bedeutet: Für den Asylbetrug muss der deutsche Steuerzahler jedes Jahr über 20 Milliarden Euro verpulvern.»

Hoppla, da hat der Asyl-Irrsinn offenbar den guten Mann offenbar ein wenig verwirrt. In Deutschland wird knapp jedem zweiten solchen Antrag stattgegeben, wenn man formelle Fehler abzieht.

Auch mit den Kosten liegt der selbsternannte Experte ein wenig daneben. Der Haushalt des für Flüchtlinge zuständigen Bundesinnenministeriums beträgt 2015 insgesamt bloss 5,7 Milliarden Euro, von denen 302 Millionen für Massnahmen für Migration und ihre Integration vorgesehen sind.

«Wir sind nicht das Sozialamt der Welt»
«Wir wissen, wofür wir kämpfen, wenn wir am 1. August vor der Jägerkaserne den ersten nationalen Appell abhalten», sagt der nicht ganz so aufrechte Deutsche noch, bevor die Kamera ein wenig ungelenk auf den nächsten Kameraden schwenkt.

Nummer 2 wirkt im Video ein wenig angespannt.

Nummer 2 wirkt im Video ein wenig angespannt.

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Der nuschelt tonlos: «Wir sind nicht das Sozialamt der Welt. Deutsches Geld für deutsche Interessen.»

«Für unsere Schulen, für unsere Kindergärten ist kein Geld da», sagt die dritte Flöte des Quartetts. «Unsere Kinder leiden. Schluss damit!»

Für Nummer 3 gibt es zu wenig Bildung in Deutschland, wie er selbst zugibt.

Für Nummer 3 gibt es zu wenig Bildung in Deutschland, wie er selbst zugibt.

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Und dann der letzte Mitstreiter, der wie das Klischee eines Würstchenbuden-Besitzers daherkommt, mit zackiger Schneidigkeit: «Volksgenossen, am Samstag, den 1. August, gelten keine faulen Ausreden!» Er sagt das mit dem Arm locker in die Hüfte gebeugt.

Sieht gemütlich aus, versteht aber keinenSpass bei faulen Ausreden: Nummer 4.

Sieht gemütlich aus, versteht aber keinenSpass bei faulen Ausreden: Nummer 4.

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«Wir treffen uns zum Demonstrationszug der nationalen ...», kurze Pause, «... Sache in Trier West.» Warum nochmal? «Es geht gegen den Asyl-Missbrauch und Multikulti-Wahn.»

Nur 45-NPD-Sympathisanten

Das Video hat seine Wirkung nicht verfehlt. Allerdings anders, als es die Kreuzritter geplant hatten: Nur 45 NPD-Sympathisanten fanden am 1. August den Weg zur völkischen Versammlung, die Zahl der Gegendemonstranten schätze der Trierer Volksfreund dagegen auf 600 Menschen.

Auf Social Media fiel die Kritik nur deshalb noch verhältnismässig milde aus, weil sich die handelnden Personen selbst schon genug demontiert haben.

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