Anwalt sitzt auf der Anklagebank

Am Rande eines Prozessdschungels musste auch das Bezirksgericht Aarau im Aktenberg wühlen. Der Millionenerbe macht seinen Anwalt für das Scheitern verantwortlich.

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Manuela Schaer

Der Aarauer Rechtsanwalt war einer von vielen, die im Laufe der Zeit die Interessen des Westschweizer Erben gegen eine renommierte Zürcher Anwaltskanzlei wahrte. Während Jahrzehnten verwaltete diese Kanzlei das Familienvermögen des Erben, bis er sie der Vermögensveruntreuung, Unterschlagung von Nachlassvermögen, Urkundenunterdrückung und ungetreuen Geschäftsbesorgung bezichtigte. Mehrere Strafverfahren endeten vor Bundesgericht. Die zivilrechtliche Klage gegen die Zürcher Kanzlei über 100 Mio. Franken scheiterte am Bezirksgericht Zürich.

Gegenseitige Vorwürfe

Das Beziehungsnetz der beklagten Anwaltskanzlei verunmöglichte es dem Erben, einen Anwalt in Zürich zu finden. Daher übernahm der Aarauer Anwalt seine Interessenvertretung. Er sei etwa der neunte Anwalt in diesem Fall gewesen, sagt er an der Verhandlung vom Mittwochnachmittag in Aarau. Der Erbe macht ihn für die abgewiesene Millionenklage verantwortlich.

Der vorgeladene Zeuge – ebenfalls ein Anwalt – vermittelte damals zwischen dem Erben und seinem Anwalt. Er sagte aus, dass der Aarauer Anwalt wichtige Rechtsschriften erst kurz vor Fristablauf an ihn zur Besprechung mit dem Erben weitergeleitet habe. Dadurch blieb dem Erben keine Zeit, die 120-seitige Replik vor der Eingabe zu prüfen. So seien wichtige Punkte dem Gericht nicht oder nicht ausreichend ausgeführt worden. Zudem habe der Aarauer Anwalt die Klagesumme unrealistisch hoch angesetzt. Das abweisende Urteil anzufechten, hätte keinen Sinn gehabt, meint der Zeuge.

Der Millionenerbe war während der Anhörung sehr zurückhaltend und musste mehrmals eingestehen, dass er den Sachverhalt nicht kenne, weil seine Frau in den bisherigen Verfahren federführend war. Der Aarauer Anwalt verteidigte sich, indem er auf die mangelnden Ins-truktionen des Erben und des Vermittlers während des Zivilverfahrens am Gericht in Zürich hinwies.

Gericht schlägt Vergleich vor

Das Bezirksgericht Aarau machte den Parteien schliesslich einen Vergleichsvorschlag. Die vom Erben geltend gemachte Schadenssumme wurde dabei massiv reduziert. Bis Ende Januar haben die Parteien Zeit, den Vergleich zu unterzeichnen.