Yasmin
Anti-Baby-Pille Yasmin gerät immer mehr unter Beschuss

Die Schweizerische Patientenstelle fordert ein Verbot von Yasmin und eine sofortige Abklärung des Risikos.

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Schweiz am Sonntag

Von Claudia Marinka

Das Schicksal von Céline erschüttert die Schweiz: Die bald 18-jährige Schaffhauserin hatte nach Einnahme der Anti-Baby-Pille eine schwere Lungenembolie erlitten und ist seither schwerstbehindert. Die Schweizerische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe hat allein am Freitag 150 Anrufe von besorgten Eltern erhalten. Für Erika Ziltener, Präsidentin Dachverband Schweizerischer Patientenstellen DVSP, ist der Fall Céline Grund genug zu handeln.

«Die Behörden müssen das Medikament vom Markt nehmen. Swissmedic muss jetzt genau abklären, welches Risiko junge Frauen mit der Einnahme der Pille Yasmin eingehen », fordert sie. Ärzte sollen diese Pille nicht mehr verschreiben, bis das Risiko seriös abgeklärt ist. «Dies auch, weil wir davon ausgehen müssen, dass das Schicksal nur die Spitze des Eisbergs ist», sagt sie. Ziltener verlangt zudem mehr Transparenz im Medikamentendschungel und eine zentrale Registrierungsstelle, die Studien öffentlich macht: «Und zwar auch eine negative.»

MIT IHRER Verbots-Forderung steht Ziltener nicht allein da. Auch Konsumentenschützerin und Berner SP-Ständerätin Simonetta Sommaruga verlangt Massnahmen: «Swissmedic muss sofort reagieren. Der Konsumentenschutz verlangt schon lange, dass die Studien der Medikamentenprüfung publiziert werden müssen - auch die abgebrochenen Studien.» Druck macht auch Helsana- Chef Manfred Manser. Er meint: «Das ist ein tragischer Einzelfall, der aufzeigt, wie dramatisch sich Nebenwirkungen bei Medikamenten auswirken können. Die Heilmittelbehörde Swissmedic müsste eingreifen.» Bei der Swissmedic prallt die Besorgnis der Experten und der Eltern indes ab.

«Wir sehen keinen akuten Handlungsbedarf. Es besteht kein Grund, dieses Präparat vom Markt zu nehmen», verkündet Sprecher Joachim Gross. Seit 2005 wurden laut Swissmedic bei 49 Frauen, die ein hormonelles Verhütungsmittel einnahmen, Thrombo- Embolien registriert - darunter sechs schwere Lungenembolien. Davon betroffen sind zwei Frauen zwischen 35 und 40 Jahren und eine Patientin über 45 Jahre. In einem Fall verlief die Lungenembolie tödlich. Bei einem anderen unklaren Todesfall fehlen weitere Angaben. «Es handelt sich hierbei um eine 18-jährige Frau. Ob sie die Yasmin- Pille eingenommen hat oder nicht, wissen wir nicht», sagt Gross.

RUND 20 PROZENT der Frauen in der Schweiz schlucken die Anti-Baby-Pille Yasmin. Franziska Maurer-Marti, Präsidentin der Schweizerischen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe, weiss auch wieso: «Yasmin macht eine sehr schöne Haut, verhindert eine Gewichtszunahme und aufgeschwollene Oberschenkel vor der Menstruation. Es sind alles Lifestyle-Faktoren, weshalb viele junge Frauen die Pille verlangen.» Die Ärzte stünden unter Druck, wenn sie eine Pillenabgabe verweigerten. «Die Patientinnen suchen sich dann einfach einen anderen Arzt und verschweigen vielleicht, dass sie rauchen, was ein erheblicher Risikofaktor für Thrombose ist», so Maurer- Marti.

TROTZDEM MÜSSEN laut Michael K. Hohl, Chefarzt an der Frauenklinik des Kantonsspitals Baden, die Mediziner nun über die Bücher. Er sagt: «Ärzte müssen ihre Patientinnen vermehrt auf die Risikofaktoren untersuchen, umfassend beraten und sie über erste Anzeichen einer Thrombose informieren.»

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