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Angriff auf Männerbastionen

Daniela möchte das Handwerk der Hufschmiedin erlernen, Giovanna würde eine Karriere beim Militär reizen und Larissa ist dabei, Zimmerin zu werden.

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Mili

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Aargauer Zeitung

Rosmarie Mehlin

Am Stand der Hebammen schlendern die Burschen locker und auf Distanz vorbei, manche Kichern wenn sie den Beckenknochen da liegen sehen und das Bäbi auf einer so komischen, altmodischen Waage: Weiberzeug mögen sie denken. Bei den Maurern und Metalldrückern, den Polymechanikern und Strassenbauern, den Automatikern und Motorgerätemechanikern, da fühlt sich zu Hause, wer dabei ist, ein richtiges Mannsbild zu werden.

Holz als Leidenschaft

Wir Frauen sehen das nicht so eng. Schreiner zum Beispiel, wäre ganz klar ein Beruf für mich gewesen: 10 Minuten Schnuppern bei Mike Muggli aus Hornussen, Schreinerlehrling im 2. Lehrjahr, haben mich voll überzeugt: Mit Kehlmaschine, Bohrer, Schleifpapier und Nitrowax habe ich unter seiner äusserst zuvorkommenden und versierten Anleitung aus einem einfachen Stück Buchenholz einen eleganten Kugelschreiberständer geschreinert.

Larissa Siedl aus Rupperswil allerdings erschien der Beruf des Schreiners als zu fein und deshalb wird sie Zimmerin. In ihrem Jahrgang - sie ist im 3. und damit letzten Lehrjahr - sei sie im Aargau die einzige Frau. «Erstens habe ich schon in der Schule lieber mit Holz gearbeitet als genäht und zweitens ist mein Vater Zimmermann.» Nach der Lehrer auf die Walz, nein, das mache sie nicht: «Aber ein halbes Jahr ins Ausland werde ich gehen, zu Verwandten nach Bolivien oder Argentinien.» Und eine traditionelle Zimmermannstracht - schwarze Hose, Gilet, Jacke, weisses Hemd, Hut, Schmuck, Taschenuhr und Wanderstock - die wolle sie schon irgendwann: «Aber alles zusammen kostet halt gut und gerne 1000 Franken.»

Giovanna hat drei Optionen

Das Militär ist ebenfalls mit einem Stand vertreten. Unter anderem wird ein Stück Aushebung zelebriert. Auch Giovanna Aranjo da Silva aus Rudolfstetten, die auf dem Mutschellen die 2. Real besucht, versucht sich im Medizinball-Werfen von der Brust her. Bei allen drei Versuchen kommt sie nicht über 3.30 Meter hinaus; der Tagesrekord allerdings liegt bei 4.60 Metern. Pech für Giovanna. «Ja, Militär würde mich reizen, aber als Portugiesin könnte ich das hier ja ohnehin nicht machen.» Was ist die Alternative? «Coiffeuse oder Autolackiererin», antwortet Giovanna wie aus der Kanone geschossen und zieht mit ihren beiden Kolleginnen lachend weiter.

Feuer, Hammer, Amboss

Glutrot lodert das Feuer, in das ein blondes Mädchen ein Eisen hält. Das weisse T-Shirt, auf dessen Rücken «Schmied isch cool» steht, hat sie ausgeliehen bekommen, damit sie bei ihrem Blitz-Schnuppern nicht schmutzig wird: 3. Seklerin Daniela Ilg aus Neuenhof legt das glühende Eisen auf den Amboss und bearbeitet es - direkt fachfraulich - mit dem Hammer. Sie spüre es schon ein bisschen im Handgelenk, bekennt sie. «Ich möchte vielleicht Hufschmiedin werden. Auch Tierpflegerin würde mich sehr reizen.» Kevin Jäger Stift im 2. Lehrjahr in Brittnau, betreut Daniela souverän: «Wir Schmiede fertigen inzwischen vor allem Kunstarbeiten. Hufschmiede sind allerdings gefragter, auch heute noch.»

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