Andreas Notter
«Andreas ist ruhig und gefasst»

Im Gespräch mit der Mittelland Zeitung erzählt Anne-Lise Notter aus Lenzburg von den Ängsten um ihren Sohn während seiner Geiselhaft. Und sie bedankt sich für die riesige Anteilnahme.

Merken
Drucken
Teilen
Andreas Notter

Andreas Notter

Keystone

Christian Dorer

Frau Notter, wie geht es Ihnen?

Anne-Lise Notter: Unsere ganze Familie ist natürlich extrem erleichtert, dass Andreas jetzt frei ist. Auch wenn ein Wermutstropfen bleibt: Eugenio, die italienische Geisel, ist noch immer in den Händen der Rebellen. Mein Mann und ich haben am Sonntagmorgen den Gottesdienst besucht und in der Stadtkirche eine Kerze für Eugenio angezündet.

Wie geht es Andreas?

Notter: Wir konnten erst kurz mit ihm telefonieren. Das Wichtigste: Er ist in Sicherheit, es geht ihm gut.

Als Mutter merkt man das wohl sofort.

Notter: Ja, auch wenn wir bisher nur wenige Minuten telefonieren konnten. Er war ruhig und gefasst. Er bedankte sich bei uns, wie wir mit dieser schwierigen Situation umgegangen sind. Das hat gut getan.

Er sieht abgemagert aus.

Notter: Ich bin erschrocken, als ich die Bilder von ihm sah: Er sieht völlig anders aus als im Oktober, als er das letzte Mal in der Schweiz war. Viel schmäler, abgemagert. Aber das wird schon wieder - nach einer Himalaja-Expedition sah Andreas auch mal fast so aus . . .

Es kursieren verschiedene Varianten, wie er befreit wurde. Welche stimmt?

Notter: Das weiss ich auch nicht, wir haben am Telefon nicht darüber gesprochen.

Wie geht es jetzt weiter?

Notter: Jetzt warten wir die Rückkehr von Andreas ab. Dann muss er entscheiden, was er machen will: sich hier in der Schweiz erholen oder im Ausland, wo er sicher mehr Ruhe hätte.

Welche Reaktionen erhalten Sie derzeit?

Notter: Extrem viele! Freunde, die uns Blumen oder Süssigkeiten vorbeibringen, dazu unzählige Telefonate, Mails, SMS und spontane Besuche. Unbekannte Menschen, die uns in der Kirche spontan sagten, dass sie sich mit uns freuen. Die Anteilnahme ist riesig, und dafür möchten wir uns bedanken. Viele Menschen haben mitgelitten und mitgehofft. Das hat uns in den vergangenen drei Monaten geholfen.

Wie haben Sie diese schwierige Zeit durchgestanden?

Notter: Das haben meine Bekannten auch immer gefragt. Man hat keine Wahl! Vor allem darf man die Hoffnung nie verlieren. Sonst geht es nicht. Wir waren uns aber sehr bewusst, dass es auch schlecht hätte ausgehen können.

Wegen der Drohung der Entführer, eine Geisel zu enthaupten?

Notter: Mein Gefühl sagte mir immer, dass sie das nicht tun werden. Ich fürchtete viel mehr, dass Andreas im Gefecht aus Versehen von Regierungstruppen erschossen werden könnte.
Kehrt jetzt der Alltag wieder bei Ihnen ein?

Notter: Ich hoffe es! Die riesige Last ist weg. Und wenn wir nicht mehr so im Fokus der Öffentlichkeit stehen, ist uns das auch recht.