Fall Carlos
An Carlos' Kampfsport-Schule gehen Dutzende aufeinander los

Im Sportcenter, in dem der landesweit bekannte Straftäter «Carlos» Thaibox-Unterricht erhalten hatte, ist es am Montag zu einer Schlägerei mit mehreren Dutzend Personen gekommen. Sechs Personen mussten verletzt ins Spital eingeliefert werden.

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 «Carlos» wurde 2013 bekannt, als er im Rahmen der SRF-Fernsehsendung «Der Jugendanwalt» vorgestellt wurde. Zu diesem Zeitpunkt war er ein 17-jähriger Straftäter, der 34 Mal wegen verschiedener Delikte verurteilt worden war.
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 Der Fall schlug hohe Wellen, weil der gewalttätige Jugendliche den Staat im Rahmen eines Resozialisierungsprogramms für schwer erziehbare Jugendliche 29'200 Franken im Monat kostete.
 In diesem Kampfsport-Zentrum in Reinach genoss "Carlos" fast täglich Thaibox-Unterricht.
 Die erste Medienkonferenz zum Fall «Carlos» 2013. Justizdirektor Martin Graf (rechts) spricht sich gegen «Luxus und Nice-To-Haves» in einem Sondersetting aus. Er stuft die Kosten als zu hoch ein. 2014 wird das Sondersetting von «Carlos» angepasst. Statt monatlich 29'000 Franken sollen sich die Kosten neu auf 19'000 Franken belaufen.
 Gerichtszeichnung von Linda Graedel.
 Nur 21 Tage, nachdem «Carlos» aus dem Gefängnis entlassen wurde, sitzt er am 1. April 2016 wieder in U-Haft. Er hatte mit einem Faustschlag einen Mann aus einem Tram katapultiert.
 Das Bezirksgericht Zürich verurteilt «Carlos» im März 2017 zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von eineinhalb Jahren wegen versuchter schwerer Körperverletzung. Gerichtszeichnung von Linda Graedel. Anschliessend an die Freiheitsstrafe beantragte die Staatsanwaltschaft eine Untersuchungshaft.
Das Bundesgericht hat in einem am Donnerstag publizierten Urteil bestätigt, dass bei dem jungen Mann von Wiederholungsgefahr ausgegangen werden darf: "Carlos" wird nach Verbüssung der Freiheitsstrafe in Untersuchungshaft genommen.

«Carlos» wurde 2013 bekannt, als er im Rahmen der SRF-Fernsehsendung «Der Jugendanwalt» vorgestellt wurde. Zu diesem Zeitpunkt war er ein 17-jähriger Straftäter, der 34 Mal wegen verschiedener Delikte verurteilt worden war.

Keystone

Im Sportcenter Superpro in Reinach BL ist es am Montagabend zu einer Schlägerei zwischen zwei Gruppierungen gekommen. Kurz vor 20.00 Uhr gingen mehrere Dutzend Personen tätlich aufeinander los, wie die Baselbieter Polizei mitteilt.

Bei der Auseinandersetzung wurden sechs Personen zum Teil erheblich verletzt und mussten ins Spital eingeliefert werden. Einige erlitten bei der Schlägerei auch Knochenbrüche. Augenzeugen berichten gegenüber 20 Minuten davon, dass die unbekannten Täter mit Baseball-Schlägern alles kurz und klein geschlagen hätten.

Gemäss den bisherigen Erkenntnissen wurden die in den Räumlichkeiten des Sportcenters Anwesenden durch eine zum Teil maskierte Gruppierung angegriffen. Dabei kamen vereinzelt auch Waffen zum Vorschein.

Die Polizei konnte einen Mann festnehmen.

Weshalb es zur tätlichen Auseinandersetzung kam, können die Behörden noch nicht sagen. Es seien diverse Abklärungen und Befragungen im Gang, so die Kapo.

«Es gibt keinerlei Anhaltspunkte, welche auf einen durch Medien bereits aufgebrachten Zusammenhang mit dem ‹Fall Carlos› hindeuten», schreibt die Polizei weiter.

«Carlos», dessen Freilassung das Bundesgericht gestern Montag angeordnet hatte, trainiert in der Reinacher Thaibox-Schule - bevor das Sondersetting für den jugendlichen Straftäter abgebrochen wurde.

Kein unbeschriebenes Blatt ist auch der Inhaber der Schule, der Thaibox-Weltmeister Shemsi Beqiri. Er war selbst schon in Schlägereien involviert und wegen einem Vorfall von 2012 vorbestraft. Er ging damals auf einen Betreiber eines anderen Centers los und drohte einem anderen Mitglied der Szene mit Schlägen.