Amateurhafte Jagd auf vermeintlich Dumme

Die Fantasie, um Menschen das Geld aus dem Sack zu locken, kennt offenbar keine Grenzen. Zur Zeit kursiert in der Region ein Brief an «Stromkunden des Jahres». Darin wird suggeriert, dass der Ehrenpreis von 1100 Franken von Energieversorgern überreicht wird.

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Franz Schaible

«Wir waren von Beginn weg skeptisch. Denn es gibt nichts umsonst», sagt ein älteres Ehepaar aus Oberdorf *. Trotzdem hat das Paar bei der AEK Energie AG in Solothurn nachgefragt. «Wir wollten einfach sicher sein, dass der Brief mit dem in Aussicht gestellten Preis wirklich nur dazu dient, Leute auf eine Werbefahrt zu locken.» Der dubiose Brief muss breit gestreut sein, haben sich doch vergangene Woche zehn bis zwölf irritierte Stomkunden beim Solothurner Versorger gemeldet, wie AEK-Sprecherin Pia Daumüller erklärt. Bei anderen Stromversorgern, wie etwa der Regio Energie Solothurn oder den Industriellen Betrieben Langenthal haben sich (noch) keine verunsicherten Kunden erkundigt.

«Übergabe» auf Privatschiff

«Sie sind ‹Stromkunde des Jahres› - Ehrenpreis 1100 Franken.» Der Absender, eine Firma IAG, Postfach 196 in 8046 Zürich, schreibt im Brief, dass der Preis «alle fünf Jahre von Energieversorgern an die Kunden aus Ihrem Kanton überreicht wird.» Die AEK distanziert sich in aller Form von dieser Aktion. «Wir haben allen sich bei uns gemeldeten Kunden geraten, auf die damit verbundene Werbefahrt zu verzichten», sagt Daumüller.

Und um eine Werbefahrt handelt es sich. Soll doch der «Preis» anlässlich eines «wundervollen Tagesausfluges an den Vierwaldstättersee» überreicht werden. Der Absender und Preisstifter kann unter der erwähnten Adresse zwar nicht kontaktiert werden. Gibt es zumindest für das Datum der «Preisübergabe», den 9. Juni, eine Reservation auf einem Kursschiff auf dem Vierwaldstättersee? Auch diese Spur führt ins Leere. Kein Wunder: «Auf einem Privatschiff werden Sie vom Kapitän an Bord willkommen geheissen», steht im Brief weiter.

Wie amateurhaft das Ganze aufgezogen ist, zeigt auch die Liste der Gewinnerpreise. Nebst dem erwähnten Ehrenpreis von 1100 Franken verspricht der 2. Preis den «kostenlosen Strombezug während fünf Jahren». Also deutlich «wertvoller» als der Haupttreffer.

Pia Daumüller von der AEK Energie jedenfalls hat den Brief mit Programm und Geschenkliste («Taschenlampe für die Herren», «Tischlampe für die Damen» oder «Bildtelefon für Ehepaare») der Kantonspolizei Solothurn zur weiteren Abklärung übergeben. Polizeisprecher Frank Wilhelm: «Unser Rat lautet: Finger weg.»

Auf der Warnliste

Zu diesem Schluss kommt auch die Konsumentenzeitschrift «Saldo». Auf ihrer Homepage wird eine Warnliste über «dubiose Einladungen zu Werbefahrten» geführt. Darauf erscheint auch jene der IAG-Strom-Kundenservice. Zudem ist IAG «breit diversifiziert». Wird doch auch vor Einladungen der IAG Intelligent Automation und der IAG-Telefonkundenservice (alle mit demselben Layout) gewarnt.

*Name der Redaktion bekannt.

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