Am meisten Dreck im Zug nach Zug

23 Prozent mehr Fahrgäste als im Vorjahr liessen sich 2008 von den Nachtverbindungen des ZVV nach Hause bringen. Mehr Reisende sorgten aber auch für mehr Dreck und Pöbeleien. Vor allem auf der Linie über Urdorf nach Zug wird die Hausordnung noch zu wenig beachtet.

Merken
Drucken
Teilen

Durchschnittlich waren somit in jeder Freitag- und Samstagnacht 11 800 Passagiere auf den neun S-Bahn- und 39 Bus-Linien des Nachtnetzes unterwegs, schreibt der ZVV. Die stärkste Nachfrage sei im Herbst mit durchschnittlich 13 800 Passagieren zu verzeichnen gewesen. Der Spitzenwert des Jahres 2008 wurde jedoch in der Nacht auf den 6. Juli verzeichnet, als während des Caliente-Festes 23 000 Leute befördert wurden.

Umsteigeeffekt auf neue Verbindung

Unter den Nachtlinien, die das Limmattal mit der Grossstadt verbinden, haben allerdings nicht alle zugelegt. Während die SN1 über Schlieren und Dietikon nach Baden und Aarau 24 Prozent mehr Passagiere befördert hat und der Bus der Linie N14, der Engstringen mit dem Triemli und Uitikon verbindet um 11 Prozent zulegte, haben andere Buskurse Fahrgäste eingebüsst. Auf der Linie N12, vom linken Seeufer über das Bellevue nach Schlieren, fuhren 14 Prozent weniger Leute mit. Und die Linie N30, von Schlieren nach Oetwil an der Limmat, verzeichnete ein Minus von 37 Prozent.

Die fehlenden Buspassagiere hat der ZVV jedoch nicht verloren, wie Marco Rüdisühli, Projektleiter Nachtnetz, erklärt, sondern sie sind auf die Bahn umgestiegen. Vor allem die Einführung der SN9 über Urdorf nach Zug und Baar habe die Nachfrage im Knonauer Amt mehr als verdoppelt. Rüdisühli: «Dieser Zuwachs ist markant grösser als der Verlust auf den Buslinien. Das heisst, es gab einen Umsteigeeffekt zu den Linen SN9 und SN1.»

Schlechte Manieren in der Nacht

Der Erfolg der Nachtverbindungen hat aber auch Schattenseiten. Mehr Passagiere pöbeln nämlich auch häufiger das Zugpersonal an und hinterlassen mehr Dreck. «Meist Erbrochenes, Flaschen und andere Sachen, die mit übermässigem Alkoholkonsum zusammenhängen», sagt Marco Rüdisühli. Drohungen oder Tätlichkeiten gegen das Personal kämen dagegen äusserst selten vor. Man könne die Fälle an einer Hand abzählen, so der Projektleiter. «Im Vergleich zum Tagesbetrieb ist das praktisch nichts.»

Und auf welcher Nachtlinie machen die Leute am meisten Dreck? Rüdisühli: «Das ist unterschiedlich. Aber auf der SN9 nach Zug haben wir einen höheren Aufwand als auf anderen Linien. Vermutlich hängt das damit zusammen, dass wir dort viele Fahrgäste hinzugewinnen konnten.» Die Neuen, vor kurzem noch im Bus unterwegs, müssten sich wohl erst an die S-Bahn-Hausordnung gewöhnen. (mz/kwi)