«Am Abend bin ich hundemüde»

«Am Abend bin ich hundemüde»

Thomas Rosskamp und Eva Hasler

hundefänger

Thomas Rosskamp und Eva Hasler

Wenn die bissigsten Zuhälter-Pitbulls ihre Zähne fletschen, tippt die Aargauer Kantonspolizei seine Nummer: Hunde-Spezialist Thomas Rosskamp hat keine Angst vor scharfen Hunden. Mit Nachtsichtgerät und Narkose-Gewehr fängt er jeden Bullterrier oder Rottweiler.

Im August 2007 erlebten Thomas Rosskamp und seine Partnerin Eva Häsler den Schock ihres Lebens: Der Wasserpegel im Brugger Schachen stieg und stieg. Im Garten schwammen die Hundehütten davon. «Wir mussten einige Hunde mit Booten retten.» Jetzt bellen die Vierbeiner freudig um die Wette und Rosskamp kann sich endlich wieder voll und ganz seinen Lieblingen widmen. 14 Hunde leben derzeit in den gesicherten Zwingern an der Austrasse. «Wenn jemand einen Uhu bringt, nehmen wir auch den.

Wir haben ein Herz für alle Tiere.» Auch eine Schlange, ein Baby-Marder oder ein Eichhörnchen lebten schon hier. «Das mit dem Hundeheim hat sich irgendwie so ergeben», grinst der gelernte Elektromonteur, der schon als Bub seinen ersten Schäfer «Alma» hatte. Jeden Tag gehen Rosskamp und seine Partnerin mit den Hunden Gassi. «Da kommen einige Kilometer zusammen. Am Abend sind wir hundemüde», lacht der Hundefreund. «Jeder Hund hat eine Persönlichkeit - eine Macke beim Essen vielleicht.» Kläffen noch so viele Hunde, Rosskamp strahlt die Ruhe pur aus.

In der eigenen Hundeschule «Outback Kennel`s» (Rosskamp ist Australien-Fan) lernen Halter und Hund aller Rassen spielerisch richtiges Verhalten. Das Hündeler-Paar bietet zudem Tages- und Ferienplätze für Vierbeiner an und nimmt Vierbeiner in Not auf: Mordfälle, Scheidungen, schwere Krankheiten oder der Tod des Halters - tragische Schicksale beim Menschen fallen auf das Tier zurück.

Eva Häsler: «Kinder werden bei einer Scheidung einem Partner zugewiesen, Hunde landen fast immer im Heim.» Für diese gestrandeten Vierbeiner sucht der Tierheim-Chef permanent gute Plätzchen bei seriösen Leuten: «Kommt einer in Kampfhosen, tätowiert und mit 17 Piercings, bekommt er bei uns sicher keinen Hund - schon gar nicht einen Bullterrier, Rottweiler oder Schäfer», erklärt Rosskamp entschieden.

«Ich rede mit den Kampfhunden»

Nebst der ausgefallenen Hundezucht hat sich der sympathische Profi-Hündeler auch einen Namen als furchtloser Hundefänger gemacht. Selbst die Aargauer Kantonspolizei greift auf sein Know-how zurück. Wenn bissige Kampfhunde knurren und die Zähne fletschen, dann ist Thomas Rosskamp in seinem Element. Ein Geheimrezept gibt es nicht: «Ich rede mit ruhiger Stimme auf den Hund ein. Wenn es nicht anders geht, packe ich den Hund mit dem Fangstock und lege ihm einen Maulkorb an.»
Hilft alles nichts, greift Rosskamp zum Narkose-Gewehr. Rosskamp erinnert sich an «Brutus» und «Miss Piggy» - zwei Kampfhunde, die er bei einem Kriminalfall einfangen musste. «Für die Hunde ist die Situation tragisch. Das Veterinäramt bestimmt, was mit einem beschlagnahmten Tier geschieht. Gefährliche Tiere werden eingeschläfert.» Fällt das Todes-Urteil über den Lieblings-Pitbull, fliessen beim Zuhälter schon mal ein paar Tränen.

Futterkauf mit dem Ferrari

In seinem Hunde-Shop hält Rosskamp die ausgefallensten Hunde-Gadgets feil: vom Ravensburger-Hundepuzzle über spezielle Kau-Knochen bis zum strassbesetzten Hunde-Regenmänteli für den Züriberg-Pudel. «Daneben führen wir ein grosses Sortiment an rasse-spezifischen Futtermischungen und Hunde-Biskuits - sozusagen ‹Kambly› für Hunde», schmunzelt der Profi-Hündeler.

Auch die noble Zürcher Kundschaft verlässt sich auf das Fachwissen des Hunde-Experten. «Einmal fuhr eine 70-jährige Lady mit grosser Paris-Hilton-Sonnenbrille und ‹Stöggeli›-Schuhen im Ferrari vor und kaufte zwei grosse Säcke Hundefutter. Die hatten im Kofferraum aber keinen Platz. Da meinte die Frau, sie hole nur rasch einen anderen Wagen.» Zwei Stunden später war die Dame wieder da - mit einem anderen Ferrari! «Dort hatten die Futtersäcke dann Platz», lacht Rosskamp noch heute.

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