Am 4. Mai schliesst sich eine Lücke

Am 4. Mai wird die Strecke vom Anschluss Birmensdorf bis zum Dreieck Zürich Süd für den Verkehr freigegeben. Grafik: Baudirektion Kanton Zürich

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Am 4. Mai wird die Strecke vom Anschluss Birmensdorf bis zum Dreieck Zürich Süd für den Verkehr freigegeben. Grafik: Baudirektion Kanton Zürich

Dem Bau der A3 Westumfahrung Zürich gingen jahrelange Diskussionen und Rechtsverfahren voraus. Am 4. Mai wird die Lücke zwischen dem Anschluss Birmensdorf und dem Autobahndreieck Zürich-Süd in der Brunau geschlossen.

Von Marianne Voss

Um den Bau und die Streckenführung der Autobahn im Knonauer Amt wurde Jahrzehnte heftig gestritten. Es ging nicht nur um die Frage, wo die neue Strasse das schöne, ländliche Gebiet durchqueren soll, sondern um die Grundsatzfrage, ob überhaupt. Auch die Westumfahrung mit der Umfahrung von Birmensdorf war nicht unumstritten. Dort wurde aber nur um eine verträgliche Linienführung gerungen.

Die Umfahrung von Birmensdorf wurde grundsätzlich herbeigesehnt, denn kaum eine andere Zürcher Gemeinde hatte mehr unter dem Transitverkehr zu leiden. Rund 30 000 Fahrzeuge zwängten sich täglich durch den engen Dorfkern. Für die ersten Pläne kam aber keine Begeisterung auf. Die Umfahrung wäre nördlich und östlich des Dorfes verlaufen und hätte wertvolle Naturflächen und ein neu erstelltes Siedlungsgebiet tangiert. Der heutige Gemeindepräsident von Birmensdorf, Jakob Gut, steckte damals zusammen mit anderen Gegnern die geplante Strecke mit Leuchtbändern ab. Jeder sollte sehen, was da geplant ist. «Ab in den Tunnel!», lautete die Parole.

Zehn Jahre und etliche Einsprachen, Rechtsverfahren und Diskussionen später, am 13. September 1996, konnte in der Filderen der Spatenstich für die Westumfahrung Zürich gefeiert werden. Und nach weiteren zehn Jahren, im Sommer 2006, durchschnitt Jakob Gut zusammen mit der damaligen Regierungspräsidentin, Verena Diener, und Bundesrat Moritz Leuenberger das blau-weisse Band.

Anschliessend feierte die Bevölkerung von Birmensdorf während drei Tagen mit dem «Birmi Tunnelfäscht» die Teileröffnung der südlichen Umfahrung, die mehrheitlich in Tunneln verläuft. Inzwischen hat sich der Dorfkern von Birmensdorf verändert. Die Fahrbahnen sind schmaler, die Trottoire breiter, und der Verkehr hat merkbar abgenommen. «Jetzt können wir im Standortwettbewerb wieder aufholen», sagt der Gemeindepräsident.

Lücken schliessen sich

Für die A3 Westumfahrung Zürich folgt nun noch der letzte Meilenstein. Vom 24. bis 26. April 2009 findet auf den Strassenstücken im Autobahndreieck Zürich-West bei Wettswil und im Uetlibergtunnel das grosse WestFest statt. Ab dem 4. Mai rollt der Verkehr über die Westumfahrung. Die Lücke zwischen dem Anschluss Birmensdorf und dem Autobahndreieck Zürich-Süd in der Brunau ist somit geschlossen. Die Strecke vom Anschluss Urdorf Süd bis in die Brunau beträgt 10,6 Kilometer, davon befinden sich 8,4 Kilometer in Tunneln.

Von Urdorf her kommend passiert der Verkehrsteilnehmende zuerst den knapp 500 Meter langen Eggraintunnel, danach die Reppischtalbrücke und sogleich anschliessend den 1,37 Kilometer langen Hafnerbergtunnel. Nun befindet er sich auf der Lunnerentalbrücke und beim Anschluss Birmensdorf und Lieli. Bis jetzt war hier Schluss. Ab dem 4. Mai, irgendwann in den frühen Morgenstunden, kann die Fahrt durch den 2,15 Kilometer langen Aeschertunnel fortgesetzt werden.

Auf der anderen Seite gelangt man zum Dreieck Zürich-West in der Filderen. Nach Zürich oder Chur geht die Fahrt weiter durch den 4,44 Kilometer langen Uetlibergtunnel (er führt unter dem Ättenberg, dem Reppischtal und dem Uetliberg hindurch) in die Brunau. Richtung Affoltern oder Luzern muss man die Autobahn verlassen. Erst am 13. November wird sich mit der Verkehrsübergabe der A4 durchs Knonauer Amt die allerletzte Lücke schliessen.

Gut ausgerüstete Tunnel

Zum Schutz der Natur und der Lebensräume von Tieren und Pflanzen wurden entlang der A3 Westumfahrung verschiedene, teilweise aufwändige ökologische Ersatzmassnahmen, wie zum Beispiel Bachrenaturierungen realisiert. Zum Schutz der Menschen vor Lärm und Abgasen sowie der Landschaft vor einschneidenden Eingriffen wurden Tunnel gebaut. Ursprünglich war für die Westumfahrung nur der Uetlibergtunnel geplant, heute befinden sich 80 Prozent Strecke in vier Tunneln.

Die Tunnel der Westumfahrung sind mit der modernsten technischen Sicherheitsausrüstung und Infrastruktur ausgestattet. Neben den zwei Fahrstreifen befindet sich ein Pannenstreifen. Alle 150 Meter ist eine SOS-Nische mit Telefon und Feuerlöscher vorhanden, alle 300 Meter eine Fluchtmöglichkeit in die andere Röhre, wovon jede dritte sogar befahrbar ist. Die beiden langen Tunnel, der Ascher- und der Uetlibergtunnel, sind mit einem Abluftkanal über dem Fahrraum ausgerüstet.

Der Bau von jedem Tunnel bedeutete für die Verantwortlichen eine neue Herausforderung. Der Uetlibergtunnel stellte für den gewählten Fräsvortrieb durch seinen grossen Durchmesser von 14,4, Metern eine Besonderheit dar. Er wurde daher in zwei Etappen ausgebrochen. Die erste Tunnelbohrmaschine bohrte einen Pilotstollen von fünf Metern Durchmesser. Ein zweiter Bohrer - damals der weltweit grösste - weitete den Stollen auf die definitive Grösse aus.

Und die Kosten? Nicht nur der Bau eines Tunnels ist wesentlich teurer als der Bau eines offenen Trassees, auch die Betriebs- und Unterhaltskosten sind rund fünfmal höher. Die gesamte Westumfahrung kostet 2,85 Milliarden Franken, der Uetlibergtunnel knapp 1,2 Milliarden Franken. 80 Prozent der Kosten werden vom Bundesamt für Strassen (ASTRA) übernommen.

Weitere Informationen

Zur A3 Westumfahrung Zürich und A4 im Knonauer Amt ist eine kostenlose Broschüre erhältlich, worin die Geschichte, die Tunnel und Kunstbauten beschrieben sind und auch verschiedene Bauverantwortliche zu Wort kommen. Die Broschüre liegt am WestFest im Info-Pavillon auf. Sie kann auch bei der Baudirektion bezogen werden (patricia.reist@bd.zh.ch oder Tel. 043 259 30 71). Weitere Informationen sind zu finden unter: www.westumfahrung.ch.

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