Walter Christen

Altmetall ist momentan sehr begehrt auf dem einschlägigen Markt und lockt deshalb auf den Schrottplätzen landauf und landab auch ungebetene Kundschaft an, die versucht, Diebesgut in klingende Münze zu verwandeln: Gauner klauen nachts Material und verkaufen es am nächsten Tag - oft dem selben Schrotthändler, bei dem sie es in der Nacht entwendet haben...

Was nicht niet- und nagelfest ist, wird von Altmetalldieben gestohlen. So wurde in den letzten Wochen bekannt, dass entlang von Eisenbahnlinien Leitungen abgehängt wurden und Unbekannte gleich rollenweise Kupferkabel abtransportierten. Selbst Kupferdächer von Gartenhäuschen oder Dachrinnen von Hühnerställen kamen weg.

Riskante Diebestour

Es gibt Diebe, die gut organisiert sind und in Gruppen agieren. Manche gehen weniger professionell vor und riskieren, erwischt zu werden. So ist es jüngst zwei Kupferdieben auf dem Schrottplatz beim Bahnhof in Hornussen ergangen: Mitarbeitern der Klein AG fiel auf, dass über eine gewisse Zeitdauer stets am selben Wochentag abends zwei Männer auftauchten. Sie lauerten schliesslich dem Gauner-Duo auf. Einer konnte entkommen, während sein Komplize an der Flucht gehindert wurde. Sie hatten bereits massive legierte Kupferrohre von etwa 200 Kilo Gewicht pro Stück in ihr Auto verladen (die AZ berichtete darüber).

Viele Buntmetalldiebstähle im Kanton

Der Kantonspolizei wurden von Januar bis April eine ganze Anzahl Diebstähle im Aargau gemeldet, bei denen Buntmetall verschwunden ist (vgl. Infografik in der Galerie).

«Es kommen immer wieder irgendwelche Leute bei uns auf den Platz, die einen Posten Ware anbieten. Wenn sie die Herkunft des Metalls nicht schriftlich belegen können - entweder mittels Quittung oder Rechnung - steigen wir auf die Angebote erst gar nicht ein. Wer seriös ist in der Branche, macht keine derartigen Geschäfte», betonte Andreas Schaffner von der Geschäftsleitung der Klein AG in Hornussen in einem Gespräch mit der AZ. Seine Firma handelt mit Altstoffen und führt Transporte durch, bietet ausserdem einen Mulden- und Containerservice an.

Es gibt jedoch auch viele bekannte und seriöse Lieferanten, die vertrauenswürdig sind, so Andreas Schaffner: «Das sind Bauhandwerker, vor allem Elektriker. Die bringen uns Ware und bekommen dafür Bares auf die Hand. Das ist so üblich in unserer Branche.»

Baugesuch noch immer hängig

Offene und frei zugängliche Lagerplätze, wie jener beim Bahnhof in Hornussen, laden Diebe geradezu ein, sich zu bedienen. Dazu Andreas Schaffner: «Das stimmt. Wir verfügen einzig über eine Videokamera zur Arealüberwachung. Wir haben jedoch Ende 2008 ein Baugesuch eingereicht für die Sanierung des ganzen Geländes. Unter anderem ist auch die Einfassung des Platzes vorgesehen. Das Gesuch ist aber noch nicht bewilligt, weshalb wir keine Umzäunung erstellen dürfen.» Mit den baulichen Massnahmen will übrigens die Klein AG auch die Abläufe für die Annahme, Triage, Zwischenlagerung und Weiterleitung der angelieferten Wertstoffe weiter optimieren.

Angesichts dieser Umstände ist es in der Tat schwierig, Beutezüge zu verhindern. Auf Kupfer haben es die Diebe momentan besonders abgesehen, denn für ein Kilo werden 6 bis 7 Franken bezahlt. Auch Aluminium, Chromnickelstahl und Messing sind gefragte Metalle.

«Was bei uns angeliefert wird, erfährt eine Wertschöpfung durch die Sortierung. Da steckt viel Manpower dahinter. Und dann kommen die Gauner und suchen das Wertvollste heraus. Das ärgert uns gewaltig», betonte Andreas Schaffner.

Auch die Mulden werden nicht verschont, welche die Klein AG bei den Altstoffsammelplätzen in den Gemeinden aufstellt, wie Andreas Schaffner bemerkte: «Die Bevölkerung entsorgt das Altmetall und Diebe plündern die Mulden - sie nehmen die besten Stücke mit und lassen den Abfall zurück.»