leandra jordi
«Wir machen einen kleinen Spaziergang, die Lernwerkstatt befindet sich nämlich in der hintersten Ecke des Hauses», begrüsste Geschäftsführer Ralph Bürge die Besucher. Sie liegt denn auch im Keller, weit weg von den Arbeitsbereichen. «Das ist ganz bewusst so gewählt», sagt Claudia Eng, Leiterin Pflege und Betreuung. Die Lernwerkstatt war ihre Idee. «Die Lernenden sollen hier auch eine Rückzugsmöglichkeit haben, um ihren Lernaufträgen gerecht werden zu können.» Eng kennt das Konzept des Langenthaler Spitals, wo sie früher gearbeitet hat. In den Akutspitälern seien
interne Lernwerkstätten schon länger bekannt, im Bereich der Langzeitpflege kenne sie zumindest im Aargau kein anderes Unternehmen.

In der Schweiz gibt es heute während einer Ausbildung drei Lernorte: die Schule, die überbetrieblichen Kurse und den Arbeitsplatz. «Hier ist der Ort für den Theorie-Praxis-Transfer», sagt Claudia Eng, die auch Erwachsenenbildnerin ist. Es sei wichtig, eine Möglichkeit zu haben, etwas noch einmal zu vertiefen oder sich erklären zu lassen, wenn man es nicht verstanden habe. Gleichzeitig soll die Lernwerkstatt aber nicht nur für die Lernenden, sondern für alle Mitarbeiter offen sein.
«Schliesslisch sind wir alle Lernende.»

Raum für Vorbereitung und Übung
Im hell erleuchteten Raum stehen grüne, blaue und rote Stühle an Holztischen. In einer Ecke das Bücherregal, diagonal gegenüber der Computer. «Natürlich haben wir auch Wireless, da die Jungen heute oftmals mit ihren Laptops arbeiten», sagt Ralph Bürge. An einer Wand Bilder von Sonnenblumen, die übrigen Poster haben mit den Berufen, die hier ausgebildet werden, zu tun. Zum Beispiel Informationen über 17 Sorten Kartoffeln oder über die Topografie der menschlichen Muskeln.

Im Alterszentrum Lindenhof arbeiten 22 Lernende: 17 in der Abteilung Pflege, 2 in der Küche, 1 im Technischen Dienst und 2 in der Hauswirtschaft. Die letzteren beiden sind Chantal Müller im ersten und Patricia Schmid im dritten Lehrjahr. Die jungen Frauen stellen die Lernwerkstatt in eigenen Worten vor: «Dies soll ein Raum sein, wo wir uns auf Prüfungen oder Vorträge vorbereiten können, aber auch Praktisches üben.» Die Lernenden werden Aufträge von ihrer Abteilung bekommen, beispielsweise etwas über eine Krankheit zu recherchieren oder eine bestimmte Tätigkeit wie etwa das Lagern von Personen zu üben.

Am Dienstagnachmittag sind jeweils die Lernverantwortlichen sowie nach Bedarf auch die Geschäftsleitung vor Ort, um mit den Lernenden in einen Fachaustausch zu treten und sie bei Fragen zu unterstützen.