Altersheime
Altersheime auf wackligen Beinen

Viele Solothurner Alters- und Pflegeheime kämpfen gegen rote Zahlen. Nach der Wohngemeinschaft Visitation könnten schon bald weitere Schliessungen von Heimen folgen. Ursache sind die verschärften Qualitätsvorschriften, aber auch der Spardruck von Kanton und Krankenversicherern sowie steigende Ansprüche der Heimbewohner.

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Solothurner Zeitung

Stefan Frech

Die letzte Woche bekannt gewordene Schliessung des Alters- und Wohnheims Visitation in Solothurn liess aufhorchen: Treibt der Kanton die Heime in den Ruin, weil er ihnen laufend strengere Qualitätsvorschriften macht, wie das der Trägerverein beklagt hatte? Und vor allem: Stehen noch andere Alters- und Pflegeheime im Kanton vor dem Aus?

Katharina Ryser kann nur bedingt Entwarnung geben: «Von den 54 Heimen im Kanton sind mir zwei bekannt, die in Schwierigkeiten stecken», sagt die Leiterin der Fachstelle Alter und Pflege beim Kanton. «Eines der beiden muss vielleicht sogar bald schliessen.» Einen Namen will Ryser aber nicht nennen.

Mindestgrösse der Zimmer festgelegt

Wie die Wohngemeinschaft Visitation verfügt dieses mittelgrosse Heim nur über kleine Zimmer für seine Bewohnerinnen und Bewohner - zu klein, sagen die kantonalen Richtlinien «Grundangebot und Basisqualität in Alters- und Pflegeheimen» (GruBa), die am 1. Juli 2009 nach einer sechsjährigen Übergangszeit in Kraft treten.

Diese Qualitäts-Standards wurden von den Kantonen Solothurn, Basel-Stadt und Baselland gemeinsam ausgearbeitet. 80 Prozent der Heime sollten die Ziele ohne ausserordentliche Anstrengungen erreichen, sagt die Steuerungsgruppe der Kantone. Gerade für kleinere oder ältere Heime sind die Anforderungen aber hoch: So wird eine Mindestzahl von Pflegefachkräften vorgeschrieben, die Mindestgrösse eines Einzelzimmers auf 16 m2 festgelegt, und pro Zimmer braucht es eine Nasszelle mit Dusche/Bad und WC.

«Verschiedene Heime haben aber auch eine befristete Ausnahmebewilligung erhalten», erklärt Ryser. Wohlgemerkt: Die GruBa-Richtlinien wurden gemeinsam mit den Verbänden der Heime erarbeitet. Deshalb sagt auch der Präsident der Gemeinschaft Solothurnischer Alters- und Pflegeheime, Urs Hufschmid: «Wir stehen voll hinter GruBa.»

Klar seien bei der gemeinsamen Ausarbeitung die Mindestgrössen für die Zimmer oder auch der hohe Anteil von Pflegefachpersonal umstritten gewesen. «Insgesamt sind diese Auflagen aber für uns Heime gut, denn so wissen die Bewohner und die Steuerzahler, dass in den Solothurner Heimen die Grundanforderungen an die Qualität erfüllt werden.»

Ansprüche der Bewohner steigen

Mehr Qualität kostet mehr Geld. Katharina Ryser vom Kanton räumt denn auch ein: «Unsere Richtlinien spielen sicher mit, dass in den nächsten Jahren das eine oder andere Heim seine Wirtschaftlichkeit überprüfen muss.» GruBa komme aber vor allem den gegenüber früher gestiegenen Ansprüchen der Heimbewohner und Angehörigen entgegen.

«Eine Professionalisierung ist im Gang. Einige Heime können mit dieser Entwicklung nicht mehr Schritt halten.» Höhere Ansprüche, sei es von Staat oder Gesellschaft, treiben also die Kosten in den Heimen in die Höhe. «Allerdings gehören wir mit einem Wachstum von fünf Prozent in den letzten zwei Jahren sicher nicht zu den Kostentreibern im Gesundheitswesen», betont Verbandspräsident Urs Hufschmid.

Kanton will Taxen nicht erhöhen

«Die Solothurner Heime sind zurzeit finanziell stark gefordert», bilanziert Hufschmid. Schuld seien aber weniger die neuen Qualitätsvorschriften GruBa als der «doppelte Spardruck von Seiten Kanton und Krankenversicherern». Der Kanton Baselland etwa habe die Höchsttaxen, die ein Heim für die Hotellerie (Essen usw.) verlangen kann, viel höher angesetzt als die Solothurner Regierung. «117 Franken pro Person und Tag sind unserer Meinung nach zu wenig.»

Der Chef des Amts für soziale Sicherheit, Marcel Chatelain, wehrt sogleich ab: «Die Solothurner Heime stehen finanziell grundsätzlich gut da. Die wirtschaftliche Situation lässt es kaum zu, dass der Regierungsrat nächstes Jahr die Taxen erhöht.» Ansonsten müssten noch mehr Heimbewohner Ergänzungsleistungen beantragen, was wiederum Kanton und Gemeinden bzw. den Steuerzahler stärker belasten würde.