alte Werbeschilder

Alte Werbung für moderne Menschen

Eindrückliche Vielfalt: Werbetafeln in vielen Farben, Formen und Grössen waren zu vernünftigen Preisen zu haben. (Bild: Hanna Widmer)

Alte Werbeschilder

Eindrückliche Vielfalt: Werbetafeln in vielen Farben, Formen und Grössen waren zu vernünftigen Preisen zu haben. (Bild: Hanna Widmer)

Die einen sammeln Briefmarken, die anderen Münzen. In Dottikon versammelte sich ein anderes Sammlervölklein, das der nostalgischen alten Werbeschilder aus Email.

Hanna Widmer

Fast wie ein Museum sah das «Säli» im ersten Stock des Hotels Bahnhof am Sonntag in Dottikon aus. Zahlreiche farbig bemalte Emailschilder, alte Pastillendosen und andere Reklame-Antiquitäten liessen Sammlerherzen höher schlagen. Seit 16 Jahren findet einmal jährlich die «Alte Reklame»-Börse statt.

Nicht nur aus der Schweiz, auch aus Deutschland, Frankreich und sogar aus Belgien fuhren Sammler an, um ihre Objekte zu verkaufen oder mit einem neuen Prunkstück im Kofferraum nach Hause zu gelangen.

Juwelen auf dem Flohmarkt

Einer dieser leidenschaftlichen Sammler ist Reto Ambühl. Seit rund 25 Jahren sammelt der Tennwiler gemalte und beschriftete Werbung in Form von Schildern, Büchsen oder Gläsern. Schon beinahe eine Sucht sei das, schmunzelt Ambühl. Für sein Hobby reist er gelegentlich nach Frankreich, nach Belgien oder gar in die USA. Während andere Strandferien machen, durchforstet Ambühl gemeinsam mit seiner Frau Antiquitätenläden und Flohmärkte nach neuen Trophäen.

«Ich schätze vor allem das schöne Design dieser Gegenstände. Man sieht auf den ersten Blick, für welches Produkt geworben wird», erläuterte Ambühl. In jedem einzelnen Schild stecke ein Stück Vermarktungskultur. Wo genau er seine «Juwelen» jeweils findet, mochte Ambühl nicht verraten. Er will verständlicherweise nicht, dass ihm jemand die guten Stücke vor der Nase wegschnappt.

Vom Email-Virus befallen

Ein Anhänger der EmailschilderSzene ist auch der Dottiker Werner Studer. In seinem Besitz befinden sich vor allem Schweizer Bierschilder und Aschenbecher, rund 400 an der Zahl. Das Email-Virus hat ihn, wie auch seinen guten Kollegen und Börsenorganisator Ruedi Kolb, vor etwa 25 Jahren befallen. Heute unternimmt Studer jährlich drei bis vier Reisen nach Frankreich und Deutschland.

Der Verpackungsentwickler mit einem Flair für Grafik interessiert sich vor allem für die Farbe Rot im Kontrast zu Schwarz und Weiss und wie sich diese Farbkombination im Wandel der Zeit verändert hat. «Man muss sich auf ein gewisses Gebiet spezialisieren», meint Studer. Sonst würde man in der Reichhaltigkeit und Vielfalt des Email-Business regelrecht die Übersicht verlieren.

Aus Küssnacht am Rigi reiste Rénald Egloff an, ein Schoggi-Schild-Sammler. Welche Schokolademarke man auch immer sucht, Egloff hat ein passendes Emailwerbeschild.

Auf zwei seiner Schilder findet man ein bekanntes Sujet: «Nussgold»-Kochfett warb einst mit dem Schloss Lenzburg im Hintergrund; und die roten Erdbeeren können bloss eines bedeuten, Hero-Konfitüre. Die Hero-Schilder seien in Deutschland besonders beliebt, gaben mehrere Sammler und Händler zu verstehen. Mit leeren Händen ging kaum jemand der rund 500 Dottiker «Börsen»-Besucher nach Hause.

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