Albert Lussi

Alte Gemeindewerke verschwinden

Geschichtsträchtig: Albert Lussi nimmt einen letzten Augenschein vor seinem langjährigen Arbeitsort, dem ehemaligen Verwaltungsgebäude der Gemeindewerke von Villmergen. (Jörg Baumann)

Albert Lussi

Geschichtsträchtig: Albert Lussi nimmt einen letzten Augenschein vor seinem langjährigen Arbeitsort, dem ehemaligen Verwaltungsgebäude der Gemeindewerke von Villmergen. (Jörg Baumann)

In Villmergen steht ein geschichtsträchtiges Haus vor dem Abbruch: das «Remigi-Haus» an der Kirchgasse. Darin befand sich bis 1995 der Geschäftssitz der Gemeindewerke von Villmergen. Albert Lussi berichtet von der Zeit im «Remigi-Haus».

Jörg Baumann

Praktisch sein ganzes Berufsleben verbrachte Albert Lussi (78) von 1961 bis 1995 als Betriebsleiter der Gemeindewerke im «Remigi-Haus» an der Kirchgasse. «Ich fühle mich noch heute verbunden mit diesem Haus. Nun wird es abgebrochen. Das nehme ich nicht weiter tragisch. Es ist eine Tatsache», sagt Lussi. Bei seiner Wahl als Betriebsleiter in Villmergen spielte Lussis Ehefrau Rosmarie Schicksal: «30 Anwärter hatten sich auf die Stelle gemeldet. Da rechnete ich mir keine allzu grossen Chancen aus. Ich schrieb zwei Briefe, eine Absage und eine Zusage, klebte die Couverts zu und sagte meiner Frau, sie solle wahllos einen Brief nehmen und zur Post bringen», erzählt Albert Lussi. Seine Frau machte alles richtig: Der Gemeinderat erhielt die Zusage, und Lussi bekam die Stelle.

Bescheidene Verhältnisse

Albert Lussi, gelernter Elektromonteur mit Meisterprüfung, traf in Villmergen spartanische Arbeitsverhältnisse an. Er hatte kein Geschäftsauto zur Verfügung. Seine wenigen Mitarbeiter mussten mit dem Velo und dem Anhänger auf die Installationstour. Die Gemeindewerke hatten noch das Monopol auf den Elektroinstallationen - ein unhaltbarer Zustand, den Lussi bald ändern konnte.

Das Dorf war noch fast ausschliesslich mit Freileitungen erschlossen. Unter Lussis Betriebsführung brachen die Gemeindewerke die Freileitungen ab und legten die Stromkabel in den Boden. Federführend mit anderen weitsichtigen Persönlichkeiten war Lussi auch ab 1963 bei der Erschliessung des Industriegebietes Allmend. 1965 konnte das Wasserwerk in die Gemeindewerke integriert werden.

Der Betrieb wuchs in einem rasenden Tempo in die Hochkonjunktur hinein. Die Arbeitslast, von der Lussi lange Zeit mit Wochenend- und Pikettdiensten zusätzlich zu seinen Führungsaufgaben einen grossen Teil übernahm, erforderte es, mehr Personal anzustellen und die technische Ausrüstung der Gemeindewerke zu verbessern. Noch gut erinnert sich Lussi an seine ersten Monate bei den Gemeindewerken. In der Nacht vom 31. Dezember 1961 auf den 1. Januar 1962 brach das ganze Stromnetz in Villmergen unter einer gewaltigen Schneelast zusammen. «Wir haben Tag und Nacht gearbeitet, bis das Netz wieder repariert war.»

Den Umzug noch mitgestaltet

1995 zogen die Gemeindewerke aus dem «Remigi-Haus» aus und zügelten in die modernen Kommunalbauten am Dorfrand. Lussi war an der Planung mitbeteiligt. 1996 ging er in den Ruhestand, blieb aber nicht untätig. Er wurde - noch bis Ende dieses Jahres - Gebäudeschätzer. Aber auch wenn er dieses Amt bald abgibt, wird ihm und seiner Ehefrau Rosmarie die Arbeit nicht ausgehen.

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