Trommelmacher
Als Trommelmacher fordert und streichelt er seine Instrumente

Manch einer träumt nur davon, sein geliebtes Hobby zum Beruf zu machen — Stefan Freiermuth aus Zeiningen konnte genau das für sich umsetzen. Der passionierte, 20-jährige Trommler nutzt nicht nur jede freie Minute, um seiner Leidenschaft zu frönen, er baut und verkauft die Instrumente auch.

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Stefan Freiermuth

Stefan Freiermuth

Aargauer Zeitung

Ingrid Arndt

Die Faszination dafür begann schon früh. Bereits mit fünf Jahren nahm Stefan Freiermuth die Schlegel unter Anleitung eines Verwandten in die Hände und los gings. Drei Jahre später durfte der Dreikäsehoch Mitglied im Tambourenverein Fasnachtzunft Riburg werden. Der bekannte Schweizer Meister Iwan Kym erkannte das Talent des Buben, unterrichtete und förderte ihn intensiv. Auch an der Sekundarschule nahm Stefan am Tambourenunterricht teil.

«Von Anfang an war ich begeistert, welch schöne Melodien man einer Trommel entlocken, wie man sie fordern oder streicheln kann, mal vehement, dann wieder hingebungsvoll leise» schwärmt der junge Mann. Nach dem Schulabschluss 2005 absolvierte er erfolgreich eine Schreinerlehre und in der Rekrutenschule bestand er mit Bravour die Prüfung für Militärtambouren. Danach begann Freiermuths Tätigkeit als Trommelbauer in der Werkstatt Schlebach AG Basel. Hier ist es für ihn möglich, Fantasie und Können auf das Schönste miteinander zu verbinden.

Vorgefertigte, runde Holz- oder Aluzargen werden gebohrt, geschliffen, die Felle bearbeitet und aufgezogen, die sehr wichtigen Seitenschlösser montiert. Durch Spannen sowie ein geschultes Gehör erfolgt das Stimmen mithilfe der Seitenschlösser. Danach beginnt der eher künstlerische Teil: Die Farbe wird festgelegt, Familienwappen, Vereinslogos oder Bilder werden aufgemalt und Tragseile angebracht. Auch sehr alte Trommeln gehen durch Stefan Freiermuths Hände, werden von ihm für Liebhaber historischer Kreationen wieder herausgeputzt. Für den Alltagsbetrieb sind diese Stücke allerdings eher ungeeignet wegen ihres grossen Gewichts.

Jetzt, zur Fasnachtszeit, ist Hochbetrieb in der kleinen Manufaktur, emsig werden die Aufträge abgearbeitet, Reparaturen vorgenommen, wird verkauft, und geliefert. Darüber hinaus ist der junge Trommelbauer als Vorstandsmitglied seines Fasnachtvereins im Rundumeinsatz. Die närrischen Tage in Möhlin werden vorbereitet und die 44 «Chrislibuebe» für Basel in vier Wochen fit gemacht. Darüber hinaus bildet Freiermuth engagiert die Jungtambouren aus.

Mit seinem virtuos emotionalen Spiel konnte Stefan Freiermuth in Einzel- und Gruppenwettbewerben regional als auch schweizweit ausgezeichnete Ergebnisse erzielen. Mit elf Jahren belegte er in Schwyz den ersten Platz bei den Jungtambouren, wurde danach mehrmals Festsieger in der höchsten Kategorie, holte 2007 als erster 17-Jähriger überhaupt den ersten Preis beim westschweizerischen Tambourenfest für Erwachsene. 2008 wurde er Schweizer Meister beim Eidgenössischen Jungtambourenfest in Zofingen, weitere Siege und beste Platzierungen kamen 2009 hinzu. Sein Ziel für die nahe Zukunft ist es, Schweizer Meister im Einzel- sowie im Gruppenwettbewerb zu werden. Auch erste eigene Kompositionsversuche liegen hinter ihm, weitere werden folgen.

Trommeln, das ist für den jungen Mann nicht nur Leidenschaft, es ist ein Lebensgefühl, bei dem er die kraftvolle Eleganz der Bewegungen mit Musikalität und Ideenreichtum verbinden und damit den Zuschauern eine grossartige Show bieten kann.