Als ob aus der Geschichte Realität würde

Als ob aus der Geschichte Realität würde

Als ob aus der Geschichte Realität würde

Das Theater Kanton Zürich gastierte mit dem spanischen Stück «Auf der Plaça del Diamant» in Schlieren. Mit einer schlichten, aus dem Leben gegriffenen Geschichte zog das Theater Kanton Zürich sein Schlieremer Publikum von Anfang an in seinen Bann.

Nicolas Kucera

Die Geschichte war schlicht, aber ergreifend, das Publikum war gerührt. Eingeladen zu einem Abend im Salmensaal mit ganz grossem Theater hatte die Kuko Schlieren, auf der Bühne stand das Ensemble des Theaters Kanton Zürich mit «Auf der Plaça del Diamant».

Schlicht und authentisch

Das Stück, welches das Team um Regisseur Jordi Vilardaga aufführte, basiert auf einem Roman der spanischen Autorin Mercè Rodoreda. Darin schildert diese die Lebensgeschichte einer einfachen Frau aus dem Volk, genannt Colometa, im Spanischen Bürgerkrieg. Durch den Verlust ihres ohnehin nichtsnutzigen Ehegatten sieht sich die Protagonistin des Romans komplett auf sich alleine gestellt. Als es ihr nicht mehr gelingt, ihre Kinder zu versorgen, beschliesst sie, ihrem Leben und dem ihrer Kinder ein Ende zu bereiten.

Im letzten Moment wird Colometa von einem einfachen Ladenbesitzer «gerettet». Der Mann ahnt Schlimmes, und weil er selbst ein einsames Dasein fristet, schlägt er ihr eine Heirat vor. So überlebt Colometa den Krieg und die Diktatur Francos. Doch nachts, wenn sie nicht schlafen kann, holt sie ihre Vergangenheit ein. Dann sieht sie die Geister ihres verstorbenen ersten Ehemanns und seiner gefallenen Freunde. Es dauert Jahre, ehe sie die Vergangenheit schliesslich doch noch hinter sich lassen kann.

Der Roman «Auf der Plaça del Diamant» verhalf Mercè Rodoreda zu Weltbekanntheit. Er wurde insgesamt in 27Sprachen übersetzt. Ein Grund für den grossen Erfolg dürfte in den autobiografischen Zügen der Geschichte liegen. Dadurch wirkt der Roman sehr realistisch – und die schlichte Art der Erzählung gibt dem Ganzen noch mehr Ausdruck und Glaubwürdigkeit.

Die grösste Schwierigkeit bei der Adaption des Romans für das Zürcher Theater lag jedoch genau darin, dieser ergreifenden Schlichtheit gerecht zu werden. Hinzu kam die Tatsache, dass die Uraufführung am Nationaltheater in Barcelona ursprünglich viereinhalb Stunden dauerte und über sechzig Schauspielerinnen und Schauspieler umfasste. Regisseur Vilardaga musste daher notgedrungen diverse Änderungen vornehmen, um das Stück fürs Zürcher Theater anzupassen. Dabei setzte er vor allem auf einen schlichten, schnörkellosen Stil. Das Bühnenbild war karg, die Kleider der Schauspieler einfach.

Aus Theater wird Realität

Um so lebhafter war die schauspielerische Leistung der Darsteller. Besonders Rachel Matter und Antonio da Silva in den Hauptrollen der Colometa und deren nichtsnutzigem Ehemann Quimet verstanden es, ihren Figuren auf überzeugende Art und Weise Persönlichkeit einzuhauchen. Dadurch schien aus dem Theater ein Stück greifbare Realität zu entstehen, die das Publikum von Anfang bis zum Ende in ihren Bann zog.

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