Als HB9BYZ mit der ganzen Welt vernetzt

Kein Vereinsmeier Den täglichen Funkkontakt mit der ganzen Welt zieht Peter Zbinden zahlreichen Vereinsaktivitäten vor. (Hanspeter Bärtschi)

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Kein Vereinsmeier Den täglichen Funkkontakt mit der ganzen Welt zieht Peter Zbinden zahlreichen Vereinsaktivitäten vor. (Hanspeter Bärtschi)

Via Funk vernetzt sich Peter Zbinden täglich mit der ganzen Welt. Sich und seine Vereinskollegen bezeichnet das Mitglied der Union Schweizerischer Kurzwellenamateure dennoch als Individualisten.

Martina Schlapbach

Der Dialog, den vor wenigen Minuten die beiden Buchstaben «GA» eröffneten, wird nun mit den zwei Zahlen «73» beendet. Gleichzeitig mit dem Dialog verklingt das hintergründige Rauschen, erlöschen die vielen rot und grün flackernden Lämpchen und die auf den etlichen Gerätschaften wild rotierenden Balkenstriche. Auch die auf dem Dach stationierte Antenne dreht - wenn man genau hinhört - nicht weiter. HB9BYZ hat die Verbindung abgebrochen.

Kantone, Counties, Länder

Hinter HB9BYZ versteckt sich Peter Zbinden, der grossgewachsene Mann, der sich im Parterre seines Wohnhauses befindet und vor seiner Funkanlage sitzt. Hier widmet sich der 69-jährige Witwer täglich - und öfters auch nächtlich - jener Tätigkeit, die er vor über drei Jahrzehnten in erster Linie «aus purer Neugierde» aufnahm und bis heute «aus reinster Freude» nachgeht: dem Amateurfunk, über den er sich mit der ganzen Welt unterhält.

Die Unterhaltungen führt der Thunstetter auf zwei Arten: Einerseits via Mikrofon mit dem Gebot, weder über private noch kommerzielle Angelegenheiten zu diskutieren, um dem Vorwurf potenzieller Telefonkostenumgehung auszuweichen. Andererseits - wie im soeben geführten Dialog mit einem Vereinskollegen - telegrafisch mit Morsesignalen. Dabei kennzeichne das einleitende Letternpaar - anhand der Worte «Good Afternoon», für die es steht, verständlich - die Begrüssung; die abschliessende Zahlenkombination - unnachvollziehbar - den Abschied, die «Grüsse».

Weltoffene Individualisten

Diese Abkürzungen aus dem internationalen Buchstabieralphabet als Bestandteil des gesamten Funkregelwerkes eignete sich der heute pensionierte Lehrer an, nachdem er in den 1960er-Jahren die Funkstation im Luzerner Verkehrshaus erstmals in Betrieb gesehen hatte. Die Stationen aus seiner nachfolgenden Funktätigkeit stehen auf den ihn umgebenden Wänden geschrieben. Bunte und in üppiger Zahl präsentierte Diplome informieren da über die jeweiligen Zeitpunkte, zu denen Peter Zbinden Funkkontakte mit allen Kantonen, später tausend deutschen Ortsverbänden, dann sämtlichen amerikanischen Counties, schliesslich 323 Ländern und Inseln unterhielt. So senden sich die Funkpartner nach jeder Verbindung eine Karte zu, die der Bestätigung ihrer geführten Kommunikation und - bei entsprechendem Vorweisen - dem Erwerb einer der zig Auszeichnungen dient.

Obwohl sein Hobby auf menschlicher Interaktion basiert, behauptet Peter Zbinden, «alles andere als ein Vereinsmeier zu sein». Dem Verbund aus ihm Gleichgesinnten fühlt er sich mit seiner Mitgliedschaft bei der Union Schweizerischer Kurzwellen Amateure (USKA; siehe Kontext) zwar verpflichtet. Zu Beginn der 1970er-Jahre zeichnete er als Gründungsmitglied der Sektion Oberaargau, amtierte in der Zwischenzeit als Sekretär, Kassier und Redaktor des Vereinsblattes und schätzt es, an den USKA-Treffen hie und da die Gesichter hinter den aus Buchstaben und Zahlen formierten Rufzeichen zu sehen.

Nichtsdestotrotz unterstreicht Zbinden seine These, wonach der Grossteil der Kurzwellen-Amateure Individualisten seien. Sich selbst dieser Mehrheit zurechnend, verweist er - statt von Vereinsaktivitäten zu schwärmen - auf die aus seiner Funkkammer hervorstechende Weltkarte. Auf ihr sind die 338 Länder und Inseln abzulesen, die gegenwärtig via Funk erreicht werden können. Für HB9BYZ bedeutet dies sodann jede Menge Arbeit; noch manches «GA» und ebenso viele «73».

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