Ursenbach

Als E.T. Ursenbach besuchte

«UFO-Landungsversuch in Ursenbach».

UFO

«UFO-Landungsversuch in Ursenbach».

Heute vor 25 Jahren sorgte ein angeblicher UFO-Landungsversuch für weltweites Aufsehen.

Walter Ryser

Es war die Geschichte des Jahrzehnts, vielleicht sogar des Jahrhunderts. «UFO-Landungsversuch in Ursenbach», titelte diese Zeitung am 18. Oktober 1984. Drei Personen hatten unabhängig voneinander am Morgen des 16. Oktober beobachtet, wie ein unbekanntes Flugobjekt über Ursenbach hinwegflog und ausserhalb des Dorfes (Richtung Weinstegen) sogar zu einem Landeversuch ansetzte.

Die Meldung schlug wie eine Bombe ein. Schon am Mittag des 18. Oktobers war im Oberaargau keine Ausgabe des «Langenthaler Tagblattes» mehr zu erhalten. Der Verfasser des Artikels wurde mit Anrufen torpediert. Fernsehanstalten, Zeitungsredaktionen, Wissenschaftler und so genannte UFO-logen aus dem In- und Ausland erkundigten sich beim Journalisten. Sogar ein Schreiben eines Weltraumforschers aus Amerika traf beim Autor des UFO-Artikels ein.

Wer vom UFO-Landungsversuch erfuhr, schüttelte ungläubig den Kopf, die drei UFO-Beobachter wurden als Phantasten oder Spinner tituliert. Einer von ihnen war der Ursenbacher Unternehmer Max Begert. Hohn und Spott ergossen sich über ihn. Am Stammtisch im Gasthof Löwen witzelten einige: «Hesch ghört, dä Begert Mäxu spinnt komplett, jetz gseht är scho grüeni Mandli vom Mars.»

Der vor fünf Jahren im Alter von 74 Jahren verstorbene Begert liess sie damals alle gewähren. Er blieb zeitlebens bei seiner Version. Er wollte nie etwas davon wissen, einer optischen Täuschung erlegen zu sein oder bloss einen Ballon gesehen zu haben. Das Ereignis hat ihn nie mehr losgelassen. «Was ich an jenem Morgen sah, habe ich weder vorher noch nachher auch nur annähernd zu Gesicht bekommen», sagte er 15 Jahre nach dem Ereignis zu dieser Zeitung.

Ein kleines Stichwort genügte jeweils und Max Begert war im Element, wirkte genauso aufgeregt wie an jenem Morgen 1984. Das Bild des UFOs hat sich unauslöschlich in sein Gedächtnis eingeprägt. «Ich sehe das UFO noch heute so klar und deutlich vor mir, als wäre es erst gestern über Ursenbach hinweggeflogen», sagte er Jahre später noch. «Gopferdeli», habe er damals gedacht, als er das Flugobjekt sah, «spinne ich nun wirklich.»

Zwei Bauarbeiter, die am frühen Morgen auf dem Weg zur Arbeit waren, hatten das UFO als erste gesehen. Sie hielten mit ihrem Fahrzeug auf der Strasse an und stiegen aus. Der eine der beiden näherte sich dem UFO, das nur noch etwa anderthalb Meter über dem Boden schwebte und anscheinend einen Landeversuch unternahm. Als sich der Bauarbeiter dem UFO näherte, stieg es auf und entfernte sich dorfeinwärts, wo es erneut anhielt. Max Begert hörte die aufgeregten Stimmen der beiden Bauarbeiter und rannte auf die Strasse hinaus. Was er da sah, hat sein Leben schlagartig verändert.

Farbe und Form des UFOs, alles konnte Max Begert haargenau beschreiben. Leicht oval sei es gewesen, mit einer Tarnfarbe, wie man sie bei uns nicht kenne. Rational denkende Menschen fiel es nicht leicht, die Worte von Max Begert einfach so hinzunehmen. Der Schreinermeister hat sich jedoch schnell daran gewöhnt, dass sich viele mit seiner Geschichte schwertaten. «Es scheint sich nichts geändert zu haben seit jenem Tag», erzählte er einmal, «man glaubt mir immer noch nicht.» Für Max Begert war aber stets klar: «Das alles werde ich nie und nimmer vergessen.»

Es gab aber auch jene, die wussten, dass Max Begert kein Phantast und schon gar kein Spinner war. Der Ursenbacher musste etwas gesehen haben, dass weit über das Vorstellungsvermögen von anderen Menschen hinausreicht. «Ich wünschte mir, ich hätte es auch gesehen», sagt Max Begert junior, der seinem Vater stets glaubte. Er hat erlebt, wie das Ereignis seinen Vater mitgenommen hat, wie aufgeregt er war und wie oft er immer wieder davon erzählte.

Trotzdem, man glaubte dem Ursenbacher nicht. Sogar seine Frau warnte ihn Jahre später, er solle doch auf die immer wieder auftauchenden Fragen der Journalisten nicht mehr antworten. «Was wosch jetz do no einisch aus verzöue, die lache di doch nume wider us», habe sie ihm gesagt. Macht nichts, Max Begert konnte gut damit leben. «Ich weiss, was ich gesehen habe», sagte er nur.

Nur ein kurzes Lächeln kostete es ihn jeweils, wenn er zum wiederholten Male gefragt wurde, ob es nicht doch möglich sei, dass er an jenem Morgen lediglich einen Ballon oder ein Flugzeug gesehen habe. «Das UFO stand komplett still am Himmel, und plötzlich war es einfach weg.» Kein Ballon und kein Flugzeug könne einfach so verschwinden. Jedes andere Flugobjekt werde kleiner und kleiner, bis man es nicht mehr sehe. Doch das UFO, so Begert, sei von einer Sekunde zur anderen einfach nicht mehr da gewesen.

Die Geschichte klingt auch 25 Jahre später noch genauso verrückt wie damals. Trotz intensiver Nachforschungen dieser Zeitung beim Militär, bei Meteorologen, der Flugüberwachung und bei Ballongruppen, bekannte Flugobjekte befanden sich zu jenem Zeitpunkt nicht in der Region Ursenbach. Der UFO-Landungsversuch blieb deshalb bis heute ungeklärt. Entweder man glaubt Max Begert oder eben nicht.

Er sei kein von Däniken wehrte er immer ab, doch seit jenem 16. Oktober 1984 war auch der Ursenbacher überzeugt: «Ich muss annehmen, dass es da draussen eine fremde Intelligenz gibt, die einmal bei uns auftauchen wird.» Begert wollte sich nie als Besserwisser oder «neunmalkluger» Zukunftsforscher aufspielen. Hohn und Spott, davon hat er genug abbekommen. Aber ganz im Innersten wusste er immer: Die Fremden aus dem Weltall waren bereits einmal hier, am Morgen des 16. Oktober 1984. Max Begert hatte sie gesehen. Und alle beneiden ihn ...

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