Urs
Als Bub hatte er Angst vor Wasserrauschen

Seit 40 Jahren ist Wasser sein Element: Urs Flück aus Laupersdorf ist seit 1969 Mitglied der Wasser- und Kanalisationskommission, seit 31 Jahren als deren Präsident. «Ich habs einfach gerne gemacht», sagt er.

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Solothurner Zeitung

Fabian Muster

Ein spezielles Verhältnis zu Wasser hat der in Laupersdorf aufgewachsene Urs Flück nicht - im Gegenteil: «Jedesmal wenn ich als Bub mit dem Vater neben dem Reservoir vorbeiging, hatte ich Angst vor dem Rauschen hinter der Türe.» Trotzdem hat es Flück schliesslich 40 Jahre lang in der Wasser- und Kanalisationskommission «ausgehalten», davon 31 Jahre als Präsident. Das ist aussergewöhnlich. Doch Flück wiegelt ab: «Ich habe es gerne gemacht. Das Amt hat mir grosse Befriedigung gegeben.» Ihm liege es, ein Team zu motivieren und zusammen etwas zu erreichen. Der «Wasserpräsident» stapelt also lieber tief und gibt den Dank an seine Kommissionsmitglieder weiter. «Es gab immer begeisterungsfähige Leute, wir hatten eine gute Beziehung untereinander.»

«Seine» Kommission wird aufgehoben

Auch das Gesellige wurde gepflegt. Zur alljährlichen Schlusssitzung kamen eintägige Exkursionen mit den Ehepartnern dazu. Zwar seien diese Ausflüge nach und nach durch sachbezogene Augenscheine abgelöst worden, auch gehe man nicht mehr jedes Mal nach der Sitzung «äis go trinke» - doch dies sind nicht die Gründe für seine Demission per Ende Oktober. Der 64-Jährige nennt sein baldiges Pensionsalter und seine Krankheit - vor einem Jahr wurde bei ihm Prostatakrebs diagnostiziert. Zudem wird «seine» Kommission mit der Wegbaukommission zusammengelegt und heisst neu Werkkommission. Mit dem Ende der Ära Flück wird damit auch die dazugehörige Kommission aufgelöst.

Vom Gussrohr zum Kunststoff

Rückblickend als Höhepunkt bezeichnet Flück die Einweihung des neuen Reservoirs 1998. Dies wurde im Hohl an derselben Stelle erstellt wie das bisherige, obwohl durch die Höhe des Standortes der Druck im Dorf unten bis zu 17 Bar ausfällt - laut Flück einer der höchsten im Kanton. Um den Druck auf rund 6 Bar zu minimieren, ist in jedem Haushalt ein Druckreduzierungsventil eingebaut. In seine Zeit fiel auch der Ausbau der Kanalisation in den 70er und 80er Jahren sowie die Fernsteuerung der Pumpen im Reservoir. Zuvor wurden die Pumpen manuell vom Brunnenmeister und seinem «Gspüri» in Gang gesetzt. Und: Wurden bis vor kurzem für die Leitungen noch duktile Gussrohre der Von Roll verwendet, kommt heute vor allem Kunststoff zum Einsatz. «Der ist leichter und gegenüber Erdbewegungen flexibler», weiss Flück, der selbst als Werksleiter in einer Kunststofffirma tätig war. Die älteste Wasserleitung, die «Hauptschlagader» durchs Dorf, hält dem neuen Trend aber noch stand: Sie stammt von 1906 und weist aufgrund ihrem dickwandigen Grauguss weniger Lecks auf als die neueren Gussleitungen.

Und was hat sich für Urs Flück in diesen vier Jahrzehnten geändert? Früher wurde der Präsident noch selbst bei Wasserleitungsbrüchen aktiv und rief die zuständige Baufirma an. Heute regelt dies der Brunnenmeister. «Wenn das Wasser bei den Haushalten abgestellt werden musste, konnte die Sanierung für die Betroffenen natürlich nie schnell genug gehen», erinnert er sich an weniger schöne Momente. Zudem sei er zu seiner Anfangszeit oft wie ein örtlicher Bauleiter unterwegs gewesen. Einmal pro Woche gings auf die Baustelle, um Abnahmen für die Wasser- und Kanalisationsleitungen vorzunehmen. «Dies wird heute meistens durch die Gemeindeangestellten geregelt.»

Er gab die Idee zum Brunnenfest

Dass sich Flück in diesen 40 Jahren ein grosses Wissen angeeignet hat, ist ihm bewusst. Doch er gibt sich auch hier bescheiden. «Wenn mein Nachfolger meinen Rat benötigt, kann ich ihm anfangs noch zur Seite stehen.» Mehr verlangt er nicht. Eigentlich überraschend für jemanden, der nicht nur den Wasserhaushalt im Dorf aus dem Effeff kennt, sondern vor 25 Jahren auch die Idee zum mittlerweile etablierten Brunnenfest hatte, um die Sanierung der Dorfbrunnen zu finanzieren. Seit 28 Jahren arbeitet er zudem im Vorstand des Zweckverbandes ARA Falkenstein mit, seit 7 Jahren als deren Präsident. Das Element Wasser ist also doch noch sein treuer Freund geworden - trotz der Angst als kleiner Bub vor dessen Rauschen im Reservoir.

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