«Alperosewy» aus Alpenrosendorf

«Alperosewy» aus Alpenrosendorf

«Alperosewy» aus Alpenrosendorf

Schneisingens Aushängeschild sind die Alpenrosen. Kaum bekannt ist hingegen, dass im Dorf auch Wein angebaut wird: Dieser heisst – natürlich – Alperosewy. Dahinter steht Benny Brühlmeier.

Peter Keller

Blühende Alpenrosen neben reifenden Weintrauben? Dieses biologische Paradoxon gibts tatsächlich in Schneisingen. Die beiden Pflanzenarten, deren natürliche Refugien üblicherweise durch 1000 oder mehr Höhenmeter scharf voneinander getrennt sind, finden sich fast in unmittelbarer Nachbarschaft. Die Alpenrosen sind ein Überbleibsel aus der Schlussphase der letzten Eiszeit, die Trauben verdanken ihre Existenz Benny Brühlmeier, der sich vor zehn Jahren daran machte, im Flurgebiet Hinter Hard einen der höchstgelegenen Rebberge des Aargaus anzupflanzen.

Rote und weisse Trauben

31 Aren umfasst Brühlmeiers Rebberg. Auf der wunderschön gelegenen, genau südlich ausgerichteten Parzelle mit traumhafter Aussicht auf Lägern und mittleres Surbtal gedeihen 20 Aren rote Garanoir-Trauben und 11 Aren Riesling×Sylvaner. «Mein Rebberg kratzt an der 600-Meter-Höhenkurve», sagt Brühlmeier. «Für den Weinbau ist das an der obersten Grenze. Aber der Kanton hat die Fläche in den Rebkataster aufgenommen. In Absprache mit dem Rebbaukommissär habe ich mich entschieden, zwei frühe Traubensorten zu pflanzen, die auch auf dieser Höhe genügend Sonnentage zum Ausreifen bekommen.»

Brühlmeiers Wagemut hat sich ausbezahlt. Seit 10 Jahren reifen seine Trauben immer aus und lassen sich zu überraschenden Weinen ausbauen. «Der Untergrund hier in Schneisingen ist im Gegensatz zum unteren Surbtal mit seinen kalkhaltigeren Böden sandiger und teilweise mit Nagelfluh durchsetzt – dies ergibt eine ganz andere Aromatik.» Sein Riesling×Sylvaner entfaltet sich blumiger als seine Artgenossen und der sortenrein ausgebaute Garanoir kommt sehr geschmackvoll daher.

Winzertraum erfüllt

Hobbyweinbauer ist Benny Brühlmeier autodidaktisch und im ständigen Kontakt mit Fachleuten aus der Region geworden. Als Sohn eines Kleinbauern brachte er zwar das Flair für Natur und Pflanzenbau mit, «aber als Landwirt habe ich mich nie gefühlt, auch wenn ich regelmässig beim Heuen mithalf». Nach einem längeren Australien-Abstecher kehrte er mit seiner Familie vor über zehn Jahren in seine Heimat Oberschneisingen zurück. Nachdem der Vater die Bewirtschaftung des Betriebes eingestellt hatte, entschied er sich, einen Teil des Landes für den Weinbau zu nutzen. «Die Winzerei hat mich immer fasziniert, so fiel der Schritt leicht, auch wenn ich am Anfang keine grosse Ahnung von all den kleinen Details hatte, die berücksichtigt werden müssen.» Heute ist der Rebberg für Brühlmeier ein wohltuender Ausgleich zur Schichtarbeit am Flughafen Zürich. «Ich fühle mich sehr wohl in der Natur und gehe oft für ein oder zwei Stunden in die Reben oder in die Pilze.»

Der jährliche Ertrag von Benny Brühlmeiers Reben liegt bei durchschnittlich 2500 Flaschen. Gekeltert werden sie von Jürg Wetzel, der letztes Jahr aus weissem Traubengut erstmals auch einen Dessertwein kreiert hat. Erhältlich ist der Alperosewy ab Haus, in der Landi Schneisingen und seit kurzem im Denner Nussbaumen. «1000 Flaschen gehen weg wie nichts», sagt er, aber um den Rest zu verkaufen, sind weitere Verkaufsanstrengungen nötig.»

Partner gesucht

Er verhehlt nicht, dass er sich als Rebbauer in der Natur wohler fühlt als im Degustationsstand an einer Verkaufsmesse. Um die Marketinganstrengungen nicht weiter anwachsen zu lassen, sucht Brühlmeier Weinliebhaber, die ihr Hobby im Jahresrhythmus bei der Pflege der Rebstöcke vertiefen möchten. «Ich trete gerne einige Reihen an Interessierte ab, die mit persönlicher Arbeit ein paar hundert Flaschen Wein mit eigener Etikette produzieren möchten.» Einen Partner hat er bereits gefunden. Falls weitere dazukommen, ergibt sich daraus vielleicht eine Rebbergclique von Gleichgesinnten.

Benny Brühlmeier ist nicht der Einzige, der in Schneisingen Weinbau betreibt. Edi und Alfons Keller haben ebenfalls kleinere Parzellen bestockt, nutzen aber den Ertrag für eigene Bedürfnisse.

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