Roland Bürki

«Wenn ich etwas mache, dann richtig und mit viel Herzblut», bekennt Thomas Brunnschweiler in unverkennbarem Baseldeutsch. Eigentlich erstaunlich für den 55-Jährigen, der seine ganze Schul- und Studienzeit in der Ostschweiz hinter sich gebracht hat. «Meine ersten sechs Lebensjahre verbrachte ich im Turmhaus am Aeschenplatz», löst Brunnschweiler das Rätsel. Er spreche zweigleisig: Hier Baseldeutsch und zuhause Thurgauer Dialekt, problem- und nahtlos.

Zweigleisig gestaltet sich auch sein Studium an der Zürcher Uni: Germanistik im Hauptfach und Theologie in beiden Nebenfächern. Mit seiner Dissertation «Bedencken von Comoedien oder Spilen» über die Theaterfeindlichkeit im alten Zürich, seiner ersten Buchveröffentlichung, erlangt Brunnschweiler die Doktorwürde. «Danach habe ich am Lehrerseminar Unterstrass Zürich Deutsch und Religion unterrichtet», blickt der promovierte Germanist und Theologe auf seine Lehrtätigkeit zurück, die er aber 1994 aufgibt und als «Langzeitgast» ins Kloster nach Dornach zügelt. «Ich brauchte Luftveränderung und fand sie als Reformierter im Schoss der katholischen Lebensgemeinschaft «Kreuz Jesu», zeigt sich Brunnschweiler noch heute dafür dankbar. Hier habe er in der Stille mit all seinen Kräften als Mitherausgeber an den Schriften von Huldrych Zwingli gearbeitet und sich total verausgabt.

In einer zweijährigen Pause sei ihm bewusst geworden: «Ich kann eigentlich gut schreiben.» Natürlich feilt der Neu-Dornacher jetzt mit dieser Erkenntnis wieder mit Elan an Anagrammen, die ihn schon lange gefesselt halten. Doch mit «Perpetuum fumabile» unterhält der passionierte Zigarrenraucher seine Leser überraschend auch mit unterhaltsamen Kurzgeschichten über das Rauchen.

Mit Erfolg, im NZZ-Folio erhält Brunnschweiler seine regelmässige Kolumne «Raucherfreuden» und auf dem Markt erscheint die Zigarre «Gilbert de Montsalvat». Es ist eine seiner Figuren aus «Perpetuum fumabile». 2006 beweist er mit seinem neuen Buch «Der letzte Traum» sein Flair für heitere Erzählungen. Man glaubt Thomas Brunnschweiler aufs Wort, dass er nicht untätig verharren kann. So hält er im Kloster Dornach ganze Vortragsserien etwa über den Islam oder Darwin, lebt seine Begeisterung für geistliche Musik als Tenor und Präsident des Chors «Incanto» aus und erfreut am Barpiano seine begeisterten Zuhörer. Doch nicht genug. Der Journalist Brunnschweiler schreibt auch immer wieder im Wochenblatt für das Birseck-Dorneck. Und wenn seine Partnerin das alles ein bisschen viel findet, dann kann er «auch mal im Garten arbeiten». «Aber manchmal leide ich unter meiner Vielseitigkeit und muss dann Prioritäten setzen», gesteht Brunnschweiler, möchte aber seine regelmässigen Besuche im Restaurant «Oepfelsee» gerade dann nicht missen.

Brunnschweiler gilt national und international als einer der wichtigen Anagramm-Autoren. So schaffte er 1998 mit dem längsten Anagrammgedicht den Eintrag ins «Guinness-Buch der Rekorde» und erhielt 2006 den Deutschschweizer Anagrammpreis. Der Titel «Magie, Manie, Manier» über die lange Geschichte des Anagramms bleibt auch sein Leitsatz: «Es ist eine fast süchtig machende Beschäftigung, aus einem Wort eine andere Bedeutung ‹herauszukitzeln›, die der Leser nie erwarten würde», schwärmt der feinsinnige «Buchstabenverdreher». Mit seinen «AlltagsWorten» sei es ihm gelungen, aus der Alltagswelt in andere Gefilde aufzubrechen.

Das Buch «AlltagsWorte» ist erschienen im Verlag Martin Wallimann, 6055 Alpnach, für 23 Franken.