Angelica Schorre

Entstanden ist das Projekt «Bildungsreihe» bei der Ausarbeitung eines Integrationskonzeptes für Menschen mit Migrationshintergrund. Sanna Schär, Projektverantwortliche Integration und Jugend Altes Spital: «Wir haben dabei Menschen hinzugezogen, die mehr Ahnung von Integration und ihren Schwierigkeiten haben als wir.» Zum Beispiel Vertreter des Amtes für soziale Sicherheit (ASO) und José Campos, Präsident der Ausländerorganisation Altes Spital.

«Wir alle müssen zusammen leben», hält José Campos fest, «nicht nur Spanier mit Spaniern, oder Tamilen mit Tamilen.» Vom Projekt «Bildungsreihe» verspricht er sich, dass sich die verschiedenen «Mentalitäten» - und zu denen gehören auch die Schweizerinnen und Schweizer - kennen lernen. Schön wäre es, wenn sich aus den Veranstaltungen ein gesellschaftlicher Treffpunkt für Menschen möglichst vieler unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen entwickelt.

Bedürfnis nach Information

Aber nicht nur. Sanna Schär: «Wir haben festgestellt, dass das Bedürfnis nach konkreter Information zu bestimmten Themenbereichen wirklich vorhanden ist.» Zum Beispiel über das neue Ausländergesetz. Wenn sich Migrantinnen und Migranten in der Schweiz niederlassen wollen, haben Sie nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten.

Der Schwerpunkt der Veranstaltung über das neue Ausländergesetz liegt bei diesen Rechten und Pflichten, die für ein gemeinsames Zusammenleben oder für eine erfolgreiche Einbürgerung unumgänglich sind. Dozent Marc Spescha, Anwalt und Mitherausgeber des Kommentars zum Migrationsrecht 2008, wird aufzeigen, was die Grundlagen der Aufenthaltsbewilligung sind, wie der Aufenthaltsstatus gefestigt oder auch gefährdet werden kann.

Unbekannte Untersuchungen

Ein weiteres Thema: Die Verunsicherung unter Frauen mit Migrationshintergrund bezüglich Brustkrebs, seine Erkennung und Behandlung ist gross. So wird unter dem Thema Gesundheitsprävention Franziska Maurer, Chefärztin der Frauenklinik des Bürgerspitals Solothurn, an dem Anlass erklären, was eine Brustuntersuchung bedeutet, wie Mammografie und Ultraschall ablaufen. «Diese Untersuchungen sind in vielen Kulturkreisen nicht üblich», erklärt Sanna Schär. Sie hofft, dass viele Migrantinnen zusammen mit ihren Freundinnen die Info-Veranstaltung besuchen. Oder zusammen mit ihren Ehemännern.

Langfristig etablieren

Ein im Ausland erworbener Berufsabschluss wird in der Schweiz oft nicht anerkannt. Beim Thema «Nachholbildung» will man Wege aufzeigen, wie Migranten zu einem eidgenössisch anerkannten Berufsabschluss kommen können. Oder wie man sein Portfolio, seinen Leistungsausweis erstellt.

«Wenn unser Projekt ‹Bildungsreihe› ankommt, werden wir es immer im Herbst/Winter wiederholen», so Sanna Schär. Auch andere Themen aus den Bereichen Gesundheit, Bildung, Arbeit, Politik, Familie und Religion sollen dann aufgegriffen werden.

Mangelnde Sprachkenntnisse - könnte das Projekt nicht daran scheitern? «Wir haben auf unseren Info-Blättern Grundkenntnisse der deutschen Sprache empfohlen und unsere Referenten dazu angehalten, einfach zu formulieren», sagt Sanna Schär. Im Anschluss an die Vorträge werden kleine Gruppen mit einer Person, die übersetzen kann, gebildet. Fragen aus der Gruppe werden von dieser an den Referenten, die Referentin weitergegeben. Zu übersetzende Sprachen werden vorerst Albanisch, Türkisch, Tamil, Englisch, Französisch und Spanisch sein.

Längerfristig erhofft sich die Verantwortliche, dass das Projekt «Bildungsreihe» für Integrationsbemühungen vom Amt für soziale Sicherheit anerkannt wird. Dies hätte zur Folge, dass das Amt ausgewählte Personen - je nach Thema - einer solchen Veranstaltung auch zuweisen kann.