Julian Perrenoud

Er liegt etwas verborgen, dort, am Ende des Wuhrplatzes, auf der linken Seite der Langete. Ein anderthalb Meter hoher Holzzaun umgibt diesen einen von fünf Kompostplätzen in Langenthal. Denn niemand soll illegal deponieren. Schildchen, an einem Absperrband baumelnd, weisen darauf hin: «Kein Grüngut!» Und trotzdem häufen sich dort Stauden, Rasenschnitt, ausgetopfte Pflanzen. «Die Leute können es halt immer noch drüberwerfen», sagt Alain Perrenoud. Er ist Leiter der Fachstelle Umwelt/Energie des Stadtbauamtes und sorgt dafür, dass der Kreislauf der Kompostplätze bestehen bleibt: Wuhrplatz, Pfadiheim, Lotzwilstrasse, Geissbergweg und Waldhofstrasse.

Etwa 250 Haushalte oder 500 Personen nützen das Kompostangebot der Stadt. Sie unterstützt dieses ihrerseits mit jährlich zirka 20 000 Franken. Drei Kompostberaterinnen kümmern sich um Interessenten, kontrollieren die Plätze und sorgen dafür, dass im Frühling die gewonnene Erde gesiebt wird. Die eingetragenen Anwohner holen die Komposterde darauf für ihren Garten oder die Balkonpflanze. Was zurückbleibt, schreibt die Stadt im Amtsanzeiger zum Verteilen aus. «Das Projekt entlastet Kehrichtsack und Portemonnaie», sagt Perrenoud. Denn im Gegensatz zur Grüngutabfuhr sind die öffentlichen Kompostplätze kostenlos.

Glas, Gärten, Bettgestelle

Es riecht. Aber es stinkt nicht. Unter einer grünen Plastikblache krabbelts und kriechts wie in einem Ameisenhaufen. Kompostberaterin Hilde Lafranchi tastet mit ihren Händen über halb Humus, halb Kompost. Sie wühlt die Erde um. Sie strahlt. «In diesem Haufen ist es richtig warm, sicher 60 Grad.» Früher kompostierte die heutige Rentnerin in ihrem grossen Garten. Da kompostierbares bis vor 20 Jahren in der Stadt oft im Abfall landete, wandte sie sich mit der Idee eines öffentlichen Sammelplatzes an den Gemeindepräsidenten. Nach einem halben Jahr nahm sich der damalige Fachstellenleiter Umwelt/Energie, Andreas Schärer, dem Projekt an. Bald schon legten er und Lafranchi einen grossen Kompost im Hard an, direkt neben der Strasse. Rasch beschwerten sich Eltern, ihre Kinder müssten auf dem Weg zur Schule beinahe eine Gasmaske tragen. Leute aus nah und fern kippten ihren Müll auf den unabgegrenzten Haufen. Essensreste, Bettgestelle, Glasflaschen, ja sogar halbe Gärten.

Schärer und Lafranchi bezahlten Lehrgeld, verteilten deshalb die später realisierten Kompostplätze auf fünf Standorte. Die Mengen waren kleiner, die soziale Kontrolle der Anwohner besser. Denn, wer seinen Kompost gratis entsorgen wollte, musste sich fortan anmelden.

Werben mit dem Kompostmobil

Annemarie Müller war von Beginn weg Kompostberaterin. Für die gelernte Biologin und jetzige Rentnerin sind die Erziehungsprozesse wichtig. Die Menschen sollten ein Bewusstsein für den Kompostkreislauf entwickeln. Im Auftrag des Kantons Bern leitete sie Kompostberaterkurse - auch an Schulen. Ihr Grundsatz lautete: Wer bringt, hilft mit. Heute bietet ihre Nachfolgerin, die Biologin Karin Ruchti, bei der städtischen Fachstelle Beratungsgespräche an.

Doch was nützt es, wenn verborgene Kompostplätze vegetieren, und niemand weiss davon? Deshalb verteilt die Kompostgruppe Flyers, auch schon mit einem Kompostmobil. Daneben präsentieren sie ihre Arbeit an den Wochenmärkten im Frühling. An jenem vom Samstag, 10. Oktober, organisieren sie in der Marktgasse ein Apéro zum 20-Jahr-Jubiläum.

Wie es dann mit der Kompostgruppe weitergeht, ist ungewiss: Die Essgewohnheiten haben sich geändert. Hauskompost weicht mancherorts Fertigprodukten. Lafranchi sagt, dass immer weniger Anwohner Zeit hätten, zu helfen. Die älteren seien öfter beim Arzt, die jüngeren dauerbeschäftigt. Nächstes Jahr muss der Kompost beim Wuhrplatz der Umgestaltung weichen. Die Stadt sucht nach Alternativen, unterstützt das Projekt weiter. Möglich ist auch, dass kompostierbares künftig mit dem Grüngut entsorgt wird. Für die Kompogas AG sind energiereiche Essensreste attraktiv. Aber dieser Dienst kostet. In den nächsten Wochen und Monaten werden die Komposthaufen anwachsen, bis sie sich im Frühling zu Erde verwandeln. Perrenoud sagt: «Hauptsache, wir halten den Kreislauf klein.»
Infos zu den Kompostplätzen: Stadtbauamt, Fachstelle Umwelt/Energie, Tel: 062 916 22 96