Von Franz Osswald

Die Pfarreilandschaft der Römisch-katholischen Kirche des Kantons Basel-Stadt hat sich in den vergangenen Monaten stark verändert: Aus elf deutschsprachigen Pfarreien sollen dereinst drei Pastoralräume werden. Im Kleinbasel wurden aus St. Christophorus, St. Joseph, St. Clara und St. Michael die neue Pfarrei St. Clara, die zusammen mit der Pfarrei St. Franziskus (Riehen-Bettingen) einen Pastoralraum bildet.

Weniger Pfarreien bedeuten indessen nicht, dass die Pfarrherren weniger zu tun haben - im Gegenteil. Der Terminkalender ist proppevoll. Auch jener von Domherr, Co-Dekan und Pfarrer Ruedi Beck.

«In einer Stunde habe ich wieder eine Sitzung, reicht das fürs Interview?», fragt der vielbeschäftigte Kirchenmann. Dass in der momentanen Übergangszeit mehr Arbeit anfällt als zuvor, sei vorhersehbar gewesen. «Wir müssen drei Dinge gleichzeitig tun: das bisherige Pfarreileben begleiten, neue Wege der Seelsorge bereits gehen und gleichzeitig die ganze Umstrukturierung vornehmen. Dies nimmt uns in Anspruch», erklärt Ruedi Beck.

Um dabei seine Kräfte sinnvoll und haushälterisch einzusetzen, müsse man Prioritäten setzen. Und Ruedi Becks erste Priorität erstaunt auf den ersten Blick: «An erster Stelle kommt mein persönliches Glaubensleben, das Gebet, meine Beziehung zu Gott.» Als Priester könne er seinen Dienst nur glaubwürdig verrichten, wenn der Glaube in ihm lebendig bleibe, lautet die plausible Erklärung.

Prioritäten setzen heisse auch, sich aufs Wesentliche zu beschränken. «Das kann schmerzvoll sein, vor allem für jene, die Bisheriges und Gewohntes nicht loslassen können», ist Beck überzeugt. Alles habe seine Zeit, fährt er fort, und die Volkskirche sei im Wandel begriffen.

Wohin der Weg geht, darüber hat der Co-Dekan eine klare Vorstellung. «Je mehr ein Gebilde wächst , desto Anonymer wird es. Deshalb braucht es kleine selbständige Basisgemeinden.» Davon gebe es, so Beck, im Kleinbasel bereits vier und es würden laufend mehr. Zentral - örtlich wie für den Glauben - sei weiterhin die gemeinsame Eucharistiefeier am Sonntag.

Das Bild vom Hirten, dessen Schäfchen sich selbständig machen, lässt Beck in diesem Zusammenhang nicht gelten. «Der gute Hirte ist Christus. Und er ist nicht nur im Bischof und Pfarrer, sondern auch dort, wo zwei oder drei in seinem Namen zusammen sind, mitten unter ihnen». Wichtig sei aber, dass die Basisgemeinden mit der Gesamtkirche verbunden sind und einen Ansprechpartner haben. Dies gehöre zum Seelsorgeauftrag des Pfarrers.

Um seinen Terminkalender in den Griff zu bekommen, delegiert Beck, wo dies möglich ist. «An Sitzungen gibt es wenn möglich keine Doppeldelegationen mehr», sagt Beck. Durch die Vergrösserung der Pfarrei sei das Team grösser geworden, was eine gewisse Flexibilität mit sich bringe. Reduziert wird hingegen bei der Anzahl von Gottesdiensten. In den fünf Kirchen des Pastoralraumes Kleinbasel werden noch in vieren deutschsprachige Gottesdienste gefeiert, in St. Joseph dafür die fremdsprachigen.

Auch wenn Beck positiv auf die Neuerungen zugeht, ist er sich bewusst, dass die Veränderungen auch Negatives bringen können. «Natürlich besteht immer das Risiko, dass etwas Bewährtes wegfällt, aber das darf nicht der Grund sein, Neues nicht zu wagen.» Bis die vielen zusätzlichen Termine, die die Neustrukturierung mit sich bringt, wegfallen, wird es noch dauern. Aber wie sagt doch Beck: «Es ist alles eine Frage der Zeit und der Organisation.» Und eilt zur nächsten Sitzung.