Oldtimer
Alles begann mit einem Austin Healey als Startkapital

Vom Banker, der auszog und mit neuer Geschäftsidee aus den USA zurückkehrte – jetzt feiert Reinhard Schmidlins Oldtimer Galerie in Toffen Jubiläum.

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Berner Rundschau

Roland Ducommun

Unter Liebhabern klassischer Fahrzeuge aus dem In- und benachbarten Ausland gilt die Oldtimer Galerie in Toffen als das Mekka. Dabei begann die Erfolgsgeschichte vor 25 Jahren mit einer leerstehenden Halle, einem aus Amerika importierten Auto und einem Geschäftsmann, der nicht einmal aus der «Szene» stammte: Reinhard Schmidlin, Kaufmann mit Banken-, Architektur- und Unterhaltungselektronik-Hintergrund, besitzt auch heute noch die in seinem Heimatdorf domizilierte Oldtimer Galerie Int. GmbH.

Die Geschichte, wie es dazu kam, geht so: Mit 27 Jahren hatte Schmidlin genug von Schreibstuben und zog «einfach mal so» nach Amerika. Dort kaufte er sich einen Austin Healey, eine englische Sportwagenmarke, die von 1953 bis 1968 hergestellt wurde. Mit dem Wägelchen kurvte er durch die Staaten, genoss das Leben, jobbte mal hier und da - und kehrte 1983 ferienhalber in die Schweiz zurück. Da traf er einen Kollegen, der in seiner Freizeit Oldtimer restaurierte.

Das Hobby des Kollegen, Schmidlins Affinität zu «schönen, klassischen Fahrzeugen», aber auch der Umstand, dass die ehemaligen Hallen der Denner-Verteilzentrale in Toffen leer standen und seinem Vater gehörten, führten zur Geschäftsidee: «Ich wollte einen Ort schaffen, in dem Oldtimer und klassische Fahrzeuge ausgestellt, einem breiten Publikum zugänglich gemacht und auch gekauft werden konnten.»

«Ungesunder Oldtimer-Boom» überlebt

Bevor er die Galerie eröffnete, nahm Schmidlin mit Oldtimer-Clubs Kontakt auf, und reiste zurück nach Amerika; kam mit seinem Austin Healey zurück. Dessen Erlös war Teil des Startkapitals.

Von Beginn an setzte Schmidlin auf Mund-zu-Mund-Propaganda: «Das war reine Partisanenarbeit», sagt er über seine Marketingstrategie. «Ich musste von Anfang an beweisen, dass ich meinen Job gut mache, dass meine Kunden wirklich profitieren können.» Ende der 80er-Jahre erlebte die Oldtimer Galerie einen Boom, «den ich früh als ungesund einstufte».

Zu dieser Zeit, in den Jahren 1988 und 1989, erlebte die Schweiz eine Hausse der Immobilienbranche. Das gewisse «Etwas», das man sich darüber hinaus leistete, war immer öfter ein Oldtimer; klassische Fahrzeuge wurden zur Kapitalanlage. «Damals wurden für Oldtimer Preise bezahlt, die mit ihrem realen Wert kaum mehr etwas gemein hatten.»

Die Immobilienblase platzte, womit auch die (überhöhten) Preise für Oldtimer in den Keller sausten. 1991 führte Schmidlin erstmals eine Oldtimer-Auktion durch, die wider Erwarten zum Riesenerfolg wurde: «Erst danach entschied ich mich, Auktionen regelmässig durchzuführen», sagt er. Mittlerweilen finden diese jeweils im Frühjahr und Herbst statt. An diesen Anlässen, an denen die Oldtimer einmal mit unterer Preislimite, ein anderes Mal ohne (No-Limit-Auktion) versteigert werden, pilgern Hunderte ins Gürbetal, bieten gar telefonisch oder brieflich mit.

Bis Hunderttausende Franken teuer

Daneben stehen wie seit einem Vierteljahrhundert wertvolle Raritäten in den Hallen - um Besucher lediglich einen Blick auf die Fahrzeuge werfen zu lassen oder sich für den Kauf eines «Oldies» umzuschauen. Mit Auktionen - auch ausserhalb der Galerie - und Käufen ab Ausstellung hat Schmidlin und sein mittlerweile fünfköpfiges Team in all den Jahren über 5000 Fahrzeuge verkauft.

Für die schönsten und teuersten hätten gutbetuchte Kunden auch schon mehrere hunderttausend Franken hingelegt - als Geldanlage oder aus Liebhaberei. Der überwiegende Teil der Fahrzeuge kostete jedoch fünf- bis fünfzigtausend Franken.

Mehr Infos unter www.oldtimergalerie.ch.