Alle Menschen haben Recht auf Bildung

20 Jahre alt wird die Erwachsenenbildung im Kanton Bern für Menschen mit geistiger Behinderung, geleistet durch die Volkshochschule plus und ihre frühere Organisationsform. Zum runden Geburtstag zeigt sie Fotos aus Kursen.

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Solothurner Zeitung

Regina Gerber

Seit nunmehr 20 Jahren fördert die Erwachsenenbildung im Kanton Bern Menschen mit besonderen Lernvoraussetzungen. Anbieter dieser speziellen Kurse sind die Volkshochschule plus (vhs plus) und ihre frühere Organisationsform. «Es besteht Grund zum Feiern», betont der Leiter Hans Ueli Wäckerli. «Die Existenz von Institutionen wie der vhs plus ist absolut notwendig, denn alle Menschen haben ein Recht auf Bildung.»

Die vhs plus versteht sich als öffentliche Institution der Weiterbildung mit Unterrichtsmethoden, die speziell die individuellen Bedürfnisse der Teilnehmenden berücksichtigen. Es ist ihr ein Anliegen, Menschen mit besonderen Lernvoraussetzungen gleichwertige Bildungsmöglichkeiten zu bieten, wie Absolventen von Institutionen der allgemeinen Weiterbildung sie haben. Das vielfältige Programm umfasst Sprachkurse, Computer-Workshops, kreatives Gestalten, Musizieren, Bewegung, aber auch Kochen, Erste-Hilfe-Kurse oder Lebensthemen. «Auch Menschen mit geistiger Behinderung wollen am gesellschaftlichen Leben teilhaben und dieses mitgestalten», sagt Hans Ueli Wäckerli.

Biel, Gwatt und Bern

Zum 20. Geburtstag präsentiert die vhs plus aktuelle Fotografien aus dem Kursunterricht, erstellt von Teilnehmenden eines internen Fotokurses. Nach Ittigen und Langenthal gastiert die Ausstellung ab heute in Biel (bis 24. November), vom 26. November bis 1. Dezember in Gwatt und vom 3. bis 17. Dezember in Bern. (uz)
Infos: www.vhsplus.ch

Auf Teilnehmende eingehen

«Wir gehen auf die Wünsche der Teilnehmenden ein und helfen ihnen, ihre Ideen umzusetzen», schildert die Kursleiterin Theresia Dietrich-Hort. Sie führt das Nähatelier an der vhs plus. Zurzeit findet ein Nähkurs jeweils am Mittwochabend in Thun statt. Die Teilnehmenden nähen, je nach Bedürfnis, ein Weihnachtsgeschenk, eine Weihnachtsdekoration oder etwas zum Anziehen. Lisebeth zum Beispiel arbeitet an einem Tisch-Set aus leuchtend rotem Stoff, verziert mit weissen Edelweissblüten. Sie hat bereits mehrere Kurse bei Theresia Dietrich besucht, und auch Thomas sitzt nicht das erste Mal im Nähatelier. Dieses Mal hat er vor, einen Kissenbezug zu kreieren. Er wählt gemeinsam mit der Kursleiterin bunte Stoffstreifen aus, die sie später mit der Nähmaschine zusammensetzen werden. Am liebsten mag Thomas die alte handbetriebene Maschine.

Kreativität fördern

Während Theresia Dietrich Thomas hilft, stickt Franziska eifrig an einer Weihnachtskarte. Ihre Sitznachbarin Monika fertigt derweil ein Muster für eine Umhängetasche an. Alle Teilnehmenden schätzen die einfühlsame Art der Kursleiterin, die geduldig Anleitung erteilt, wo nötig hilft und zwischendurch lobt. Sie lebt das Motto der vhs plus, nämlich die Motivation der Teilnehmenden an der Weiterbildung zu erhalten und ihre Kreativität zu fördern.

Von der Idee zur Organisation

Die Idee, Bildungsmöglichkeiten für Erwachsene mit Behinderung zu schaffen, entstand bereits im Jahr 1985. Ende 1986 hatte dann eine Arbeitsgruppe die regionalen Vereine zur Förderung geistig Behinderter von der Idee überzeugt. 1989 führten die Volkshochschule Thun sowie Insieme und Cerebral du Jura bernois erste Kurse durch; das neue Gesetz betreffend die Erwachsenenbildung sowie Subventionen des Bundesamts für Sozialversicherungen hatten es ermöglicht. Die Fachstelle Erwachsenenbildung von Frauen und Männern mit geistiger Behinderung (FEBB) wurde dem Berner Volkshochschulverband (BVV) unterstellt. Ende 2004 stellte der BVV infolge von Sparmassnahmen seine Dienste ein; die FEBB wurde in die neue Volkshochschule plus integriert. Die vhs plus hat sich bis heute als offene und von Individualität geprägte Organisation bewährt, die innovative Lösungen kreiert und unterstützt.

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