Man stelle sich vor, die Familie sitzt gemütlich in ihrer Wohnung in Frick zusammen und schaut einen Film am TV. Alle sind zufrieden, es könnte nicht idyllischer und harmonischer sein. Bis zur Werbepause. Schon geht es los: «Mami, kaufst du mir das, das muss ich unbedingt haben, wenn ich das nicht bekomme, bin ich nicht cool, alle anderen dürfen, nur ich nicht...»

Solche und andere stressgeladenen Situationen gibt es im Leben jeder Mutter und jedes Vaters. Zum Beispiel an der Kasse beim Einkaufen, auch wenn das «Poschte» bis dahin reibungslos vonstatten gegangen ist, geht spätestens dann, wenn die Kinder auf Augenhöhe mit den vollbepackten Regalen mit Süssigkeiten stehen, geht das Gezeter los.

Auch nach Besuchen bei anderen Kindern oder nach den Ferien, wenn von schicken Reisen erzählt wird, kann es zu Unzufriedenheit, Neid und Streitereien kommen. Kindererziehung ist ja von jeher schon manchmal eine Gratwanderung. Das Bewältigen von solchen Situationen erst recht. Es gibt jedoch Möglichkeiten, solche Tücken des Alltags zu meistern und für alle zufriedenstellende Lösungen zu finden.

Mit Kindern vernünftig reden

In erster Linie müssen die Gefühle der Kinder ernst genommen werden, und man sollte sich Zeit nehmen, aufmerksam zuzuhören. Bemerkungen wie «Ich habe jetzt andere Sorgen» oder «Du weisst ja nicht, wie gut es dir geht; als ich noch ein Kind war...» sind dabei wenig hilfreich.

Auch bringt es nichts, mit Budgetzahlen und Steuerrechnungen aufzuwarten. Man kann seinen Sprösslingen jedoch durchaus darlegen, welche Auslagen (ohne Beträge zu nennen) monatlich getätigt werden müssen, und auch darauf hinweisen, dass diese Zahlungen wichtig sind und auch längerfristig den Kindern zugute kommen (Rücklagen für die Ausbildung beispielsweise).

Wichtig dabei ist es, auch darauf hinzuweisen, dass wenig(er) Geld zu haben, nichts mit mangelndem Fleiss oder mangelnder Intelligenz zu tun hat oder damit, dass man weniger wert ist. Es gibt nun mal Berufe, in denen man besser verdient als in anderen. Das Umfeld eines jeden lässt sich nicht ändern, man kann nicht von den anderen erwarten, weniger Geld auszugeben, nur um sich besser zu fühlen, denn auch Kinder müssen lernen, zu akzeptieren, dass andere mehr haben, sich mehr leisten können.

Helfen kann man jedoch den Kleinen, anders damit umzugehen und sich nicht traurig und schlecht zu fühlen. Wichtig ist, das eigene Kind zu stärken und für ein gutes Selbstwertgefühl zu sorgen. Auch hilft es, kreativ zu sein, zum Beispiel bei der Planung von Ferien, auch mal etwas Ungewöhnliches zu unternehmen wie mitten in der Nacht schwimmen zu gehen oder im Winterwald zu «bräteln».

«Vorfreude ist die beste Freude»

Wenn es um die Kleiderfrage oder um Geschenke geht, kann man versuchen, nach dem Motto «Vorfreude ist die beste Freude» vorzugehen. Dies gelingt vielleicht erst bei grösseren Kindern. Ihnen kann man vorschlagen, das Geld für das Gewünschte selber aufzutreiben, sei es durch Sparen oder durch Dazuverdienen mit kleinen Hilfsdiensten.

Verkauf von alten Spielsachen am Flohmarkt oder an der Börse sind zusätzliche Einkommensquellen, und Gotte, Götti, Grosi und Grossvater geben vielleicht auch etwas dazu. Damit sich das angestrebte Objekt im Laden zwischenzeitlich keine anderer wegschnappt, kann man es sich vom Verkäufer zurücklegen lassen. (pst)