Mühleberg

AKW-Befürworter formieren sich

Das bisherige Atomkraftwerk soll durch ein neues, leistungsfähigeres ersetzt werden. (Montage)

Mühleberg

Das bisherige Atomkraftwerk soll durch ein neues, leistungsfähigeres ersetzt werden. (Montage)

Berner Befürworter der Atomenergie gehen in die Offensive und gründen das «Forum pro Mühleberg». Eine Umfrage in ihrem Auftrag ergibt 55 Prozent Zustimmung für den geplanten AKW-Ersatz.

Samuel Thomi

Bevor die AKW-Gegner aus Anlass des 23. Jahrestages der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl am Sonntag in Bern zur Demo aufrufen, gaben die Berner Befürworter der Atomenergie gestern die Gründung des «Forums Pro Mühleberg» bekannt.

«Zu lange haben wir Befürworter uns zu stark zurückgehalten», sagte Niklaus J. Lüthi, Präsident des Handels- und Industrievereins des Kantons Bern. An der Spitze des Pro-Komitees der Berner Wirtschaftsverbände steht Nationalrat Christian Wasserfallen. Der junge Berner FDP-Vertreter betonte vor den Medien, ein AKW-Neubau am bestehenden Standort bringe «zahlreiche Vorteile, nicht zuletzt auch wirtschaftliche».

«Schweigende Mehrheit»

Axpo und BKW haben Ende letztes Jahr zwei Rahmenbewilligungsgesuche für den Ersatz der Atomkraftwerke Beznau I und II sowie Mühleberg am bisherigen Standort eingegeben. Die Atel Holding ihrerseits will ein neues, leistungsstärkeres AKW beim heutigen Standort im solothurnischen Gösgen bauen.

Einig sind sich die drei Energieunternehmen darin, dass jedoch nur zwei neue Atomkraftwerke nötig sind, um die vorausgesagte Stromlücke zu verhindern. Angesprochen auf diesen noch immer offenen Machtkampf kommentierte Wasserfallen: «Wandert das Kernkraftwerk ab, sind die ökonomischen Vorteile für uns Berner wohl für immer verloren.»

Nicht zuletzt gehe es jetzt auch darum, «mit dem Forum der bisher schweigenden Mehrheit eine Stimme zu geben.» Er spielte auch auf die Brückenfunktion des Kantons zur Westschweiz an. Jean-Pierre Siggen, Direktor des Freiburger Arbeitgeberverbandes und CVP-Grossrat, sagte: «Die fast CO2-freie Kernenergie ist umweltfreundlich. Sie garantiert auch eine relative Unabhängigkeit vom Ausland.» Die Versorgungssicherheit spricht laut Siggen ebenfalls für Bern: «Beim Sturm Lothar wären wir ohne Mühleberg abgeschnitten gewesen.»

Frauen kritischer - Nein zu Gas

«Wir kämpfen für den Standort Mühleberg. Über alles andere machen wir uns zum heutigen Zeitpunkt keine Gedanken», kommentierte Niklaus J. Lüthi. Eine ebenfalls von den Wirtschaftsverbänden vor Jahresfrist in Auftrag gegebene Studie ergab für den Ersatz des bisherigen AKWs Investitionen von 4 Milliarden Franken; 1,3 Milliarden davon entfielen als Wertschöpfung auf den Kanton Bern, während 10 Jahren entspricht das rund 1200 Arbeitsplätzen.

Mit 1320 Arbeitsplätzen würde das neue, leistungssfähigere AKW einst gut doppelt so viele Stellen schaffen und auch die Steuern würden laut der Studie von Basel Economics (BAK) von 15 auf 84 Millionen Franken jährlich steigen. «Bei der angespannten Wirtschaftslage des Kantons Bern ist das auch nicht gerade wenig», so Christoph Erb, Direktor von Berner KMU.

«Das Volk hat erkannt, dass wir trotz Sparmassnahmen auf eine Lücke zusteuern», kommentierte HIV-Direktor Adrian Haas. Der FDP-Fraktionspräsident im Berner Grossen Rat sieht diese Annahme auch in der jüngsten, vom Zürcher Marktforschungsinstitut Demoscope im Februar durchgeführten Umfrage bestätigt.

Laut dieser stimmen 55 Prozent der Berner einem Ersatz des AKW Mühleberg zu; 59 Prozent im Kanton Freiburg sowie 52 Prozent in Neuenburg. Schweizweit sind es 55 Prozent. Frauen sind AKWS gegenüber nur gut halb so positiv eingestellt; über 50-Jährige stärker.

Mit 76 Prozent Ja-Anteil ergibt die Demoscope-Umfrage zudem ein klares Bild für massiven Ausbau der Windenergie, auch wenn dieser das Landschaftsbild beeinträchtigte. Eine klare Absage erteilen die Umfrageergebnissen mit 65 Prozent Nein-Anteilen allerdings dem Bau von neuen Gas-Grosskraftwerken.

Internet www.forumpromuehleberg.ch

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