Mode
Akris-Designer Albert Kriemler: «Keine Illusionen, aber viel Enthusiasmus»

Das Foyer des Palais de Chaillot in Paris stand am letzten Sonntag ganz im Zeichen der St. Galler Firma Akris, deren Mitinhaber und Chefdesigner Albert Kriemler ist. Im Interview spricht er über die modische Vergänglichkeit und Swissness.

silvia schaub
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Allen Grund zum Feiern: Akris-Mitinhaber und Chefdesigner Albert Kriemler bedankt sich nach dem Defilee bei seiner Kundschaft. EPA/IAN LANGSDON

Allen Grund zum Feiern: Akris-Mitinhaber und Chefdesigner Albert Kriemler bedankt sich nach dem Defilee bei seiner Kundschaft. EPA/IAN LANGSDON

Das Foyer des Palais de Chaillot in Paris stand am letzten Sonntag ganz im Zeichen der St. Galler Firma Akris, deren Mitinhaber und Chefdesigner Albert Kriemler ist. Mit einem grossen Defilee und anschliessender Party mit viel Prominenz (unter anderem Fürstin Charlène von Monaco und Bundesrätin Doris Leuthard) feierte das Modehaus seinen 90. Geburtstag. Kriemler erklärt im Mail-Dialog, weshalb Akris so erfolgreich ist.

Weshalb hat gerade Akris den internationalen Erfolg geschafft?

Albert Kriemler: Es waren unsere Eltern, die dafür die Basis geschaffen haben. Ute und Max Kriemler haben schon in den 60er- und 70er-Jahren die Prêt-à-porter-Kollektionen für Pariser Modefirmen wie Givenchy und Ted Lapidus produziert und damit viel Know-how und gute Verbindungen aufgebaut. Ich bin in diese Kultur hineingewachsen. Meine Mutter hat zudem mit uns in den 80ern die Expansion zu Kunden in den USA begleitet. In unserer Generation ist es sicher das grosse Vertrauen zwischen meinem Bruder Peter und mir und der Wille der Mitarbeiter, sich an den Besten der Welt zu messen, wie gerade am Defilee am letzten Sonntag.

Charlène von Monaco mit Albert Kriemler und Bundesrätin Doris Leuthard
5 Bilder
Akris-Chef Albert Kriemler mit Charlène von Monaco
Die Akris Collection in Paris
Die Collection von Akris in Paris
Die Akris-Kollektion wird in Paris präsentiert

Charlène von Monaco mit Albert Kriemler und Bundesrätin Doris Leuthard

Was zeichnet die Akris-Mode aus?

Wir werden immer mit höchster Qualität der Materialien verbunden. Aber gute Qualität ist zu wenig, wenn man nicht im Blick hat, was eine erfolgreiche Frau heute für ihre Garderobe braucht. An Frauen werden heute höchste Anforderungen gestellt, und anders als bei Männern spielt bei gleich guter und vor allem bei besserer beruflicher Performance der Frau immer das Äussere eine massgebliche Rolle. Das Aussehen wird viel stärker gegen Frauen verwendet, als es jemals bei Männern der Fall war. Was diese Frauen im Koffer mit sich führen oder im Schrank haben, ist also von sehr grosser Bedeutung; es muss funktional sein, repräsentativ und im Trend, chic, feminin, vielseitig und kombinierbar. Ich habe grossen Respekt vor dem, was Frauen heute leisten, und versuche alles dafür zu tun, dass sie dabei eine gute Figur machen und sich in ihren Kleidern wohlfühlen.

Ihr Unternehmen blickt dieses Jahr auf 90 Jahre Geschichte zurück. Was waren die wichtigsten Meilensteine?

Generell der Anspruch, als kleines Schweizer Familienunternehmen auf dem Niveau der Weltspitze zu arbeiten, den schon die Eltern formuliert und gelebt haben. In unserer Generation sind es die eigenen Stores in wichtigen Metropolen und das grosse Wagnis, unsere Kollektion in Paris zu zeigen. Dass uns die dortige Kammer, die Chambre Syndicale, aufgenommen hat. Die Taschenkollektion und das Material Rosshaar, das niemand sonst so verwendet wie wir. Das Buch, das gerade erschienen ist und der Internet-Shop auf www.akris.ch.

Worauf sind Sie besonders stolz?

Stolz ist wohl nicht das Wort dafür. Was meinen Bruder und mich freut, sind drei Dinge: Die Kultur, die wir in unserer Firma mit unseren Mitarbeitern geschaffen haben. Zweitens, dass wir in unserer Generation die Marke Akris weltweit sichtbar gemacht haben. Und dass es uns gelungen ist, eine Handtasche zu kreieren, die innerhalb von zwei Jahren weltbekannt wurde, wegen zweier unverkennbarer Charakteristika: Dem in der Mode weithin unbekannten Luxusmaterial Rosshaar und der Trapezform. Das Trapez, eigentlich ein «A», ist kein Logo, aber das Zeichen für Akris und unsere Grossmutter Alice.

Was würden Sie heute anders machen, wenn Sie die Geschichte zurückdrehen könnten?

Nicht viel. Wir würden wohl früher nach Paris gehen.

Ihre Mode besticht durch eine zeitlose Eleganz. Ein Widerspruch in unserer schnelllebigen Welt?

Modernität und etwas, das lange Gültigkeit besitzt, müssen gar keine Gegensätze sein. Das Little Black Dress, das von Coco Chanel kreierte «Kleine Schwarze», ist heute vielleicht noch viel relevanter als zu der Zeit, als es aufkam. Mode ist immer ein Kind der Zeit, auch bei Akris. Aber schauen Sie sich unsere früheren Defilees einmal auf style.com an und Sie werden Mode sehen, die man immer noch tragen kann, auch wenn die Saison, zu der sie kreiert wurde, schon längst vorüber ist.

Was ist typisch schweizerisch an Akris? Ist dieses Schweizerische ein Schlüssel zum Erfolg?

Wir sind mit einem weiten Blickwinkel, in einem international orientierten Elternhaus aufgewachsen. Schweizerisch an Akris ist vor allem, dass alle Kollektionen, und das sind inzwischen zehn pro Jahr, in St. Gallen und Zürich entstehen. Die Firma denkt international, am Morgen an Asien, am Mittag an Europa, am Abend an Amerika. Die Schweiz trägt viele Werte in sich: vor allem die der Qualität und der Zuverlässigkeit. Leider nicht die Mode. Die kommt aus Paris, Mailand, London und New York, und in dieser Hinsicht sind wir atypisch. Heute fragt niemand mehr ernsthaft, woher man kommt, sondern was man macht.

Alle setzen auf den asiatischen Markt, weil dort noch Wachstumspotenzial liegt. Wie sieht das bei Akris aus?

Wir sind bisher in Japan und Korea gut vertreten. Da ist aber noch viel zu tun.

Sie gelten als Workaholic. Welchen Genuss, welche Freizeitbeschäftigung werden Sie sich trotz Arbeit nie nehmen lassen?

Ich bin sehr gern in den Bergen, treffe Freunde und gehe in Museen und Galerien, um Kunst und Architektur zu erleben. Zum Beispiel war ich im Sommer an der Documenta in Kassel und an der Architektur-Biennale in Venedig.

Sie lassen sich für Ihre Kollektionen von Architekten und Künstlern inspirieren. Wo sonst holen Sie Ihre Ideen?

In der Natur, etwa bei der Kollektion, die wir gerade in Paris gezeigt haben, die vom brasilianischen Landschaftsarchitekten Roberto Burle Marx inspiriert war. Farben und Stoffe haben ihren Ursprung in den Gärten und Pflanzen, mit denen Burle Marx gearbeitet hat.

Sie engagieren sich immer wieder für den Nachwuchs. Wie sieht es damit in der Schweiz aus?

Modedesigner ist so etwas wie ein Traumberuf geworden, weil man nur die glamouröse Seite aus der Öffentlichkeit kennt. Aber es ist eine überaus kompetitive Aufgabe, bei der man einfach auf dem Teppich bleiben muss. Ich bin praktisch in der Firma aufgewachsen und so auf natürliche Weise mit allen Aufs und Abs vertraut geworden, ehe ich früh Verantwortung tragen musste. Ich hatte keine Illusionen, aber viel Enthusiasmus. Es ist wichtig, den jungen Menschen, die in dieses Metier streben, eine klare Vorstellung zu vermitteln, was sie erwartet. Deswegen sehe ich es als Aufgabe, junge Menschen zu fördern, die Talent haben – so weit es meine Zeit zulässt.