Christian Bütikofer

Der oberste Bündner Polizist, Kommandant Markus Reinhardt, erschoss sich Ende Januar. Er war über Jahre alkoholkrank, ihm drohte die Entmachtung. Sofort behauptete die Bündner Regierung, dass die Polizie trotz der Alkoholsucht ihres Chefs bestens funktionierte.

Wie sich jetzt zeigt, war das Gegenteil der Fall: Laut dem «Tages-Anzeiger» wurde im Korps gekokst und es herrschte ein Klima der Begünstigung. Denn Reinhardt war durch sein Leiden erpressbar - und das wurde von einigen Polizisten auch ordentlich ausgenutzt.

So liess etwa Polizist Z. Blechschäden ohne Abklärung reparieren, wenn Reinhardt im Suff einen Unfall baute. Als Gegenleistung beförderte ihn Reinhardt zum WEF-Logistikchef und Vize des Bereitschaftdienstes. Daneben war im Korps vielen klar, dass jener Polizist regelmässig in Klubs verkehrte und ordentlich Kokain schnupfte.

Bündner Behörden wussten davon, machten aber nichts

Mindestens ein Ex-Polizist wies auf diese Missstände hin und die Behörden wussten von seinen Berichten. Doch geschehen ist bis zum Tod Reinhardts nichts. Erst danach wurde Polizist Z. entlassen. Ordentliche «Begründung»: Er habe die Arbeitszeit nicht eingehalten. Der «Tages-Anzeiger» führt neben dem Fall Z. auch weitere Beispiele anderer Polizisten an.

Die Bündner Regierung sitzt den Skandal einfach aus und äusserte sich zu den Fällen nicht.