Alessandra Paone

«Pascal Couchepin wollte vor seinem Abgang den Ärzten einfach noch einmal eins auswischen.» So erklärt sich Lukas Wagner den Plan des scheidenden Bundespräsidenten, den Ärzten die Medikamentenabgabe zu verbieten (siehe bz vom 22. Oktober). Für den Präsidenten der basellandschaftlichen Ärztegesellschaft ist es unverständlich, dass ein Paragraph, der die Verteilung der Medikamente vorsieht, ins Heilmittelgesetz integriert werden soll. Letzteres sei nämlich in erster Linie für die Sicherheit der Medikamente, sprich Qualität, Zulassung und Herstellung, zuständig - und nicht für deren Distribution. Dafür existiere das Gesundheitsgesetz, und für dieses seien wiederum die Kantone verantwortlich.

Wagner lässt sich von Couchepins Absichten aber keineswegs einschüchtern: Das neue Gesundheitsgesetz, das die Selbstdispensation vorsieht, sei im Baselbiet seit dem 1. Januar dieses Jahres in Kraft. «Und vorerst haben wir uns nur an dieses Gesetz zu halten», hält der in Birsfelden praktizierende Arzt fest. Baselland ist einer von 13 Kantonen - in Zürich dürfen die Ärzte voraussichtlich ab dem 1. Januar 2010 Medikamente abgeben -, in dem die Abgabe von Medikamenten durch Ärzte uneingeschränkt erlaubt ist. Nach langem Hin und Her hat der Baselbieter Landrat im Januar des vergangenen Jahres im Rahmen der Totalrevision des Gesundheitsgesetzes der Selbstdispensation zugestimmt (siehe Update). In Basel-Stadt dürfen Ärzte hingegen keine Medikamente abgeben.

Die Vernehmlassung zur ordentlichen Revision des Heilmittelgesetzes wurde am vergangenen Mittwoch eröffnet. Das Vernehmlassungsverfahren dauert bis zum 5. Februar 2010. Sollte das Bundesparlament der Revision des Heilmittelgesetzes samt Aufhebung der ärztlichen Medikamentenabgabe zustimmen, ist Lukas Wagner überzeugt, dass die Ärzte das Referendum ergreifen. Die basellandschaftliche Ärztegesellschaft werde dann mit Sicherheit mitziehen. «Ich bin nicht grundsätzlich gegen die Revision des Heilmittelgesetzes, aber gegen diesen Paragraphen», betont Wagner.

Zwick hält an Selbstdispensation fest

Peter Zwick kann den Unmut Wagners gut verstehen. Wie der Arzt hält aber auch der Baselbieter Gesundheitsdirektor an der im Kanton Baselland geltenden Selbstdispensation fest. Eine Einladung zur Vernehmlassungsantwort hat die Regierung aber noch nicht erhalten. Für Zwick ist jedoch jetzt schon klar, dass sich der Baselbieter Regierungsrat für den Erhalt der Selbstdispensation einsetzen wird. «Denn um diese wurde regelrecht gerungen», erinnert sich Zwick an die hitzigen Diskussionen zwischen Ärzten und Apothekern.

Zu Couchepin meint Zwick: «Er wollte zum Schluss noch ein Zeichen setzen.» Unfair sei vor allem, dass nun sein Nachfolger Didier Burkhalter Couchepins Entscheidungen ausbaden müsse. Dies laufe in der Baselbieter Regierung zum Glück anders. Sein Vorgänger habe ihm keine faulen Eier hinterlassen.

Apotheker fühlen sich bestätigt

Für Urs Gmünder, den Präsidenten des basellandschaftlichen Apothekervereins, ist das Vorhaben des Bundesrates eine Bestätigung, dass die Baselbieter Apotheker mit ihren Bedenken nicht falsch lagen. Doch freuen will sich Gmünder noch nicht. Dafür sei es jetzt noch zu früh. Die Vernehmlassung gehe schliesslich bis Februar. «Und bis dahin wird noch viel Wasser den Rhein hinabfliessen.»