Ruedi Kuhn

Der Stellenwert der mazedonischen Nationalmannschaft in Europa ist klein. Zu Unrecht. Das Team um Superstar Goran Pandev von Lazio Rom steht bezüglich der WM-Qualifikation vor zwei wegweisenden Auswärtsspielen. Am Samstag, 5. September, trifft Mazedonien auf Schottland, vier Tage später folgt das Gastspiel in Norwegen. Nach diesen Partien wird man wissen, ob der vermeintliche Fussballzwerg noch Chancen auf die Teilnahme an der WM-Endrunde 2010 in Südafrika hat oder nicht.

Stammspieler im Nationalteam

Die Mazedonier werden den Erfolg mit drei Offensivspielern anstreben. Der Mann auf der rechten Angriffsseite heisst Aco Stojkov. Der 34-fache Internationale und fünffache Torschütze hat beim FC Aarau unlängst einen Dreijahresvertrag unterschrieben. Dass der 26-jährige Techniker beim Verein vom Brügglifeld spielt, ist in erster Linie Fifa-Agent und Manager Sasa Ciric zu verdanken. Der 26-fache mazedonische Internationale war 1995-98 beim FC Aarau, absolvierte 81 Spiele und erzielte 35 Tore. Seit dem Aufstieg in die höchste Spielklasse im Jahr 1981 bildeten Ciric und der Brasilianer Ratinho eines der erfolgreichsten FCA-Sturmduos.

Ciric hält grosse Stücke auf seinen Schützling und gerät ins Schwärmen: «Stojkov ist ein trickreicher Instinktfussballer mit grossem Torriecher. Er hat den Fussball im Blut.» Aufgewachsen ist der Flügelstürmer in Strumica. Die Stadt mit 50 000 Einwohnern liegt rund 150 Kilometer von der Hauptstadt Skopje entfernt. Nach der Schulzeit und im zarten Alter von 16 Jahren erhielt das Talent den ersten Profivertrag. Zwei Jahre später unterschrieb er bei Inter Mailand einen Fünfjahresvertrag und sollte in der Nachwuchsabteilung «Primavera» auf höhere Aufgaben vorbereitet werden. Dann aber geriet die Karriere ins Stocken. Nach Gastspielen bei den Provinzklubs La Spezia und Andria spielte Stojkov bei Partizan Belgrad und Debrecen.

Beim FC Aarau nimmt er einen neuen Anlauf. Am vergangenen Samstag in St. Gallen blieb ihm ein Torerfolg noch knapp versagt. Gegen den FC Zürich hofft er auf die Wende zum Guten. «Sollte mir gegen den Teilnehmer in der Champions League ein Treffer gelingen», so Stojkov, «löst sich wohl der Knoten. Bei mir ist das Ganze eine Kopfsache. Ich brauche einfach ein Erfolgserlebnis.»

Stojkov hat sich in der neuen Umgebung nach eigener Aussage bestens eingelebt. Freunde hat er auch schon einige gefunden. Kommt zu guter Letzt hinzu, dass seine 26-jährige Verlobte Sofija schon bald in die gemeinsame Wohnung in Aarau zügeln wird. Dann ist zumindest das private Glück perfekt.