Acht Kündigungen bei Basel 1

Acht Kündigungen bei Basel 1

Neuer Standort: Das neue Programm von Radio Basel wird hauptsächlich aus dem orangen Gebäude an der Münchensteinerstrasse in Basel gesendet. (Bild: Juri Junkov)

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Neuer Standort: Das neue Programm von Radio Basel wird hauptsächlich aus dem orangen Gebäude an der Münchensteinerstrasse in Basel gesendet. (Bild: Juri Junkov)

Ein Sozialplan besteht nicht. Insgesamt beschäftigt der neue Radiosender aber mehr Personal Radio Basel 1 verliert die Zahl im Namen. Die Zentralredaktion zieht vom Land in die Stadt.

Andreas Maurer

Mit belegter Stimme meldet sich Simon Thiriet am Telefon. Soeben hat der Programmleiter von Radio Basel 1 erfahren, dass er entlassen wird. «Ich respektiere das und wünsche dem neuen Kader viel Erfolg», erklärt er. Mehr möchte er dazu nicht sagen. Der neue Radiobesitzer Christian Heeb sagt über Thiriet: «Er ist ein guter Radio- und Fernsehmann. Das ist absolut unbestritten. Die Funktion des Geschäftsführers war aber schon besetzt.»

Von den 16 Journalistinnen und Journalisten von Radio Basel 1 wird die Hälfte entlassen. Acht erhalten einen neuen Vertrag für den neuen Sender mit dem Namen Radio Basel. Gestern wurde das Personal informiert. Wenige Tage zuvor wurde Radio Basel 1 definitiv von den Basler Zeitung Medien an Heebs Medien für Erwachsene AG verkauft (die bz berichtete). Die entlassenen Mitarbeiter hätten sehr professionell und sachlich reagiert, meldet Heeb. Ein Sozialplan besteht aber nicht. «Das ist Sache der Basler Zeitung Medien», sagt Heeb dazu einzig. Ruth Ludwig-Hagemann, Verwaltungsrätin der Basler Zeitung Medien, sieht das umgekehrt: «Da müssen Sie Heeb fragen.»

Dass die Hälfte der Mitarbeiter entlassen wird, ist aus seiner Sicht überraschend wenig. Vor der Übernahme kannte er nur das Radioprogramm, nicht aber die Köpfe dahinter. Vom Programm her hat er nicht vermutet, dass er acht Leute übernehmen wird. «Das ist viel mehr als erhofft - irrsinnig!», kommentiert er stolz.

Zentralredaktion verlässt Liestal

Der Hauptsitz der Redaktion wird von Liestal nach Basel an die Münchensteinerstrasse 43 verlegt. Das bisherige Studio in Liestal wird geschlossen. Hier wird ein Nebenstudio im ehemaligen Lüdin-Sofortdruck eingerichtet. Der Geschäftssitz bleibt in Liestal. «Wir machen ein Radio für die ganze Region und kennen keine Kantons- und nicht einmal Landesgrenzen», betont Heeb. Ihm sei bewusst, dass der neue Sender mehr Hörer aus Baselland als Basel-Stadt erreichen wird. Im Zentrum der Region stehe aber trotzdem die Stadt.

Dass das Baselbiet für Radio Basel extrem wichtig bleibe, zeige schon nur die Besetzung des Verwaltungsrats: Neben dem ehemaligen bz-Chefredaktor Franz C. Widmer wird voraussichtlich auch bz-Verleger Mathis Lüdin ein Mandat erhalten. Präsident wird Sven Hoffmann. Die weiteren Verwaltungsräte sind Hansjürg Deutsch und Christian Heeb.

Sendepause während Übergang

Basel 1 sendet nur noch bis Ende September. Der Beginn des neuen Radioprogramms steht noch nicht fest. In der Übergangszeit wird nur Musik laufen. Diese werde sich aber bereits deutlich vom bisherigen Programm unterscheiden. Heeb kündet etwas «ganz Anderes, etwas Lustiges» an, auf jeden Fall kein Hitparaden-Programm.

Radio Basel strebt einen Wortanteil von 50 Prozent an. «Wir gehen davon aus, dass unsere Hörer mindestens so intelligent sind wie wir», erklärt Heeb. Er hofft, dass er im redaktionellen Teil die Qualität von Roger Schawinskis Radio 1 erreichen wird. «Im Bereich Musik werden wir uns aber massiv unterscheiden», betont er. Vom bisherigen Namen grenzt sich der neue Radiosender nur durch die gestrichene Zahl ab. Heeb widerspricht: «Vom Empfinden her ist es etwas ganz anderes. Mit Basel 1 hat das überhaupt nichts mehr zu tun.»

Gewinn bereits nach einem Jahr

Für den neuen Sender wurden neben den acht bisherigen Mitarbeitern 14 weitere Redaktionsmitglieder verpflichtet. Bis zum Sendestart im Oktober wird das Team weiter ausgebaut. Radio Basel will folglich mit mehr Mitarbeitern erreichen, was Basel 1 nicht gelang: Gewinn schreiben. Heeb rechnet bereits für das erste Betriebsjahr mit schwarzen Zahlen: «In der Deutschschweiz hat die SRG nirgendwo so viel Marktanteil gewonnen wie in unserer Region. Der Grund ist klar: In der privaten Radioszene wurde bis jetzt zu wenig geboten.»

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