Basel
Acht Jahre für brutale Attacke im Park

Es bleibt dabei: Der heute 24-jährige Schweizer, der im Juni 2007 im Schützenmattpark einen Somalier fast tot geprügelt hat, muss wegen versuchten Mordes für acht Jahre hinter Gitter. Das Appellationsgericht hat, wie von Staatsanwältin Franziska Frei beantragt, das erstinstanzliche Urteil in allen Punkten bestätigt.

Merken
Drucken
Teilen
Immer weniger kurze Gefängnisstrafen (Symbolbild)

Immer weniger kurze Gefängnisstrafen (Symbolbild)

Keystone

Regula Vogt-Kohler

Der Angriff war kurz, intensiv und beinahe tödlich. Hätte nicht ein Passant das in einer Blutlache liegende Opfer schnell gefunden, wäre dieses wohl gestorben. Verheerend waren vor allem die Fusstritte, mit denen der Angreifer den schmächtigen Somalier am Kopf traktiert hatte.

Nach der Attacke nahm er dem Opfer noch das Portemonnaie ab und ging dann nach Hause. Erst drei Monate später wurde er auf Hinweis aus seinem Bekanntenkreis verhaftet. Ein Jahr nach der Tat verurteilte ihn das Strafgericht wegen versuchten Mordes und Diebstahls zu acht Jahren.

Weil er weder mit der rechtlichen Qualifikation noch mit dem Strafmass einverstanden war, zog er das Urteil an das Appellationsgericht weiter. Verteidiger Jascha Schneider plädierte wie bereits vor Strafgericht für einen Schuldspruch wegen schwerer Körperverletzung.

Er sei überrascht gewesen, als er aus den Medien von den gravierenden Folgen seines Angriffs erfahren habe, machte der 24-Jährige vor dem Appellationsgericht geltend. Er sei wütend, zornig und auch verwirrt gewesen, sagte er. Seine Wut begründete er damit, dass er gesehen habe, wie zwei Männer etwas gemacht hätten. Dabei habe er an Kinderpornografie gedacht. Nach einem kurzen Scharmützel mit den beiden lief ihm das Opfer über den Weg. Er habe nicht gewusst, ob der Mann, der mit den Händen in den Hosentaschen auf ihn zugekommen sei, eine Waffe habe. Er habe Angst bekommen und ihn zunächst geschlagen, dann noch mit den Füssen getreten.

Vor einem Scherbenhaufen

Das Appellationsgericht ging wie das Strafgericht davon aus, dass weniger die Beobachtung verdächtiger Aktivitäten im nächtlichen Park als vielmehr die Verzweiflung über seine schwierige Lebenssituation die Wut angefacht hatte. Der damals 22-Jährige stand vor einem Scherbenhaufen: Er hatte die Lehrabschlussprüfung nicht bestanden und kämpfte mit Suchtproblemen. In der allerersten Einvernahme nach der Tat äusserte sich der junge Mann auch zum eigentlichen Angriff auf das ihm körperlich unterlegene Opfer unverblümter als später vor Gericht.

Wie eine Wildsau, die durch eine Hecke läuft, habe er «geprätscht», sagte er. Seine Schilderung der Schläge und Tritte vor Gericht war hingegen wenig konkret. Der Wahrscheinlichkeit von tödlichen Folgen will er sich nicht bewusst gewesen sein. Darauf gestützt bestritt die Verteidigung den Tötungsvorsatz. Das Appellationsgericht kam jedoch wie die Vorinstanz zum Schluss, dass der Angreifer die möglicherweise tödlichen Folgen zwar nicht gewollt, sie aber in Kauf genommen und damit eventualvorsätzlich gehandelt hat.

Auch am Strafmass änderte das Appellationsgericht nichts. Im Vergleich zu ähnlichen Fällen seien acht Jahre keineswegs zu hoch, sondern eher mild, hielt Gerichtspräsident Stephan Wullschleger fest. Die Verteidigung hat sechs Jahre beantragt. Im Strafmass ist eine leichtgradige Verminderung der Zurechnungsfähigkeit berücksichtigt.