Flugzeugunglück

Absturz im Sinai: Flugzeug soll noch in der Luft zerbrochen sein

Beim Absturz eines voll besetzten russischen Passagierflugzeugs sind auf der Sinai-Halbinsel 224 Menschen getötet worden. Laut ersten Ermittlungen sei das Flugzeug noch in der Luft auseinander gebrochen.

Ein russisches Passagierflugzeug mit 224 Menschen an Bord ist am Samstagmorgen über der ägyptischen Sinai-Halbinsel abgestürzt. Der Airbus A-321 zerschellte kurz nach dem Start in Scharm el-Scheich in einer Bergregion.

Der ägyptische Ableger der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) hat nach eigenen Angaben die russische Passagiermaschine auf dem Sinai abgeschossen. Das teilten die Islamisten am Samstag auf ihrem Twitter-Konto mit.

Nach Angaben russischer Ermittler sei das Flugzeug schon in der Luft auseinandergebrochen. "Die Zerstörung ist in der Luft geschehen. Aber es ist zu früh für Schlussfolgerungen", sagte Viktor Sorotschenko von der Untersuchungskommission am Sonntag.

Auf der Sinai-Halbinsel seien die Trümmer des Airbus A321 auf einer Fläche von 20 Quadratkilometern verstreut, sagte er russischen Agenturen zufolge.

Das Flugzeug war nach dem Start in Scharm el Scheich am Samstag vom Radar verschwunden. Die meisten Fluggäste der Maschine nach St. Petersburg waren russische Touristen.

Beim Absturz der russischen Passagiermaschine auf der Sinai-Halbinsel sind nach Behördenangaben alle 224 Insassen ums Leben gekommen. Wie die russische Botschaft in Kairo am Samstag auf ihrer Facebook-Seite mitteilte, starben alle Passagiere an Bord des Airbus A-321 von Scharm el Scheich nach St. Petersburg. 

Ägyptische Behördenvertreter erklärten, es gebe "keine Überlebenden". Die russische Nachrichtenagentur Interfax berichtete, alle Passagiere seien Russen gewesen. An Bord waren 200 Erwachsene, 17 Kinder und sieben Besatzungsmitglieder, wie die russische Nachrichtenagentur RIA unter Berufung auf die heimische Flugsicherung berichtete.

 Helfer hätten bereits mehr als 100 Tote geborgen, darunter fünf Kinder, sagten Vertreter der Rettungsteams.

Demnach zerbrach das Flugzeug in zwei Teile. Viele der Opfer sässen noch angeschnallt in ihren Sitzen, sagte ein Helfer. 

Ein Vertreter der Rettungsmannschaften sagte, es würden weitere Tote in dem Wrack vermutet. Ein Teil des Flugzeugs sei an einem Felsen zerschellt, der kleinere, hintere Bereich in Flammen aufgegangen.

Die Russische Botschaft bestätigt gemäss der Nachrichtenagentur AFP, dass alle Passagiere beim Absturz ums Leben gekommen sind.

Interfax berichtete unter Berufung auf einen Vertreter der russischen Luftfahrtbehörde, die Maschine mit der Flugnummer 9268 sei um 05.51 Uhr Ortszeit (04.51 Uhr MEZ) in Scharm el Scheich am Roten Meer in Richtung St. Petersburg gestartet.

Das Flugzeug habe dann aber nicht wie erwartet Kontakt mit den Fluglotsen in Zypern aufgenommen. Es habe seitdem keinen Kontakt mehr zu der Maschine gegeben, und sie sei auch nicht mehr auf dem Radar aufgetaucht. In St. Petersburg wurde die Maschine um 10.20 Uhr MEZ (12.20 Uhr Ortszeit) erwartet.

Ägyptische Militärflugzeuge sichteten nach Regierungsangaben das Wrack der Maschine in einer bergigen Gegend nahe des Al-Arisch-Flughafens im äussersten Norden des Sinai am Mittelmeer. 45 Krankenwagen seien zum Absturzort geschickt worden, um Tote zu bergen und mögliche Verletzte zu retten, teilte die ägyptische Regierung mit.

Kaum Hoffnung auf Überlebende

Das Flugzeug sei zerstört, sagte ein Vertreter der Sicherheitsbehörden am Unglücksort. Es gebe kaum Hoffnung auf Überlebende. Hinweise, dass es abgeschossen worden sein könnte, habe man nicht. In der Region kommt es immer wieder zu Anschlägen von Islamisten, die in Verbindung zur Extremistenmiliz IS stehen.

Ein Terrorangriff wird ausgeschlossen. "Der Unfall war das Ergebnis eines technischen Problems", sagte ein Behördenmitarbeiter, der anonym bleiben wollte. Ein Flugschreiber sei bereits gefunden worden.

Eine Sprecherin der Airline Kogalymavia sagte hingegen, man wisse noch nichts über die Absturzursache. Der Pilot, Valery Nemov, habe mehr als 12'000 Flugstunden an Erfahrung gehabt. Dies meldet die russische Agentur Interfax.

«Das Flugzeug war in einem guten Zustand, die Crew war erfahren, der Pilot ebenfalls. Wir wissen nicht, was den Absturz verursacht hat», sagte die Sprecherin.

Ägyptens Ministerpräsident Scherif Ismail richtete einen Krisenstab ein. Schlechtes Wetter erschwerte der Regierung zufolge den Rettungskräften den Zugang zur Absturzstelle. Der russische Katastrophenschutz bereitete den Abflug von drei Maschinen mit Bergungsmannschaften vor.

Das Flugzeug habe der sibirischen Gesellschaft Kolavia mit Sitz in Tjumen (Sibirien) gehört, sagte ein Sprecher der Agentur Interfax zufolge in Moskau. Das Flugzeug war russischen Medienberichten zufolge gut 18 Jahre alt und gehörte der Gesellschaft seit März 2012. Laut Moskauer Medien wurde Flug 9268 vom Subunternehmen MetroJet durchgeführt.

Viele russische Touristen in Ägypten

Branchenberichten zufolge besuchten im vergangenen Jahr etwa drei Millionen Russen Ägypten - dies sei die grösste ausländische Gruppe gewesen. Reisebüros locken mit günstigen Pauschalangeboten und dem guten politischen Verhältnis zwischen Kairo und Moskau.

Da westliche Touristen wegen mehrerer Terroranschläge und der derzeitigen autoritären Regierung das Land meiden, sind russische Gäste für die ägyptische Tourismusbranche von grosser Bedeutung.

Airbus-Absturzort El Arish

abgestürztes Flugzeug

Flightradar

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