Watt

Abschied vom Gipfel

Von der Vision zur Realität: In Solothurn zeigten Experten auf, wie die Schweiz der 2000-Watt-Gesellschaft ein Stück näher kommen kann. Dabei setzen sie auf die Forschung und appellieren an die Politiker.

Ursula Grütter

Der Weltklimagipfel in Kopenhagen steht vor der Türe. Doch es ist absehbar, dass keine griffigen Massnahmen verabschiedet werden. Kann die Welt in Sachen Klimawandel weiterhin abwarten? Kann sie nicht, findet die Interessengemeinschaft (IG) 2000-Watt-Gesellschaft der Region Solothurn und lud zu einem Informationsabend in der Jugendherberge Solothurn ein.

Experten aus der Forschung und der Verwaltung zeigten auf, wo die Schweiz in Sachen Energieverbrauch steht und wie wir uns der 2000-Watt-Gesellschaft ein Stück nähern können. «Wir laufen entlang des schlimmsten Szenarios», sagte Roland Stulz, Geschäftsführer von Novatlantis. Sein Team vernetzt Forscher mit Politikern und zeigt in konkreten Projekten Wege zur Energieeinsparung und der Verringerung des CO2-Ausstosses auf.

Auch ohne Qualitätseinbusse

Stulz sprach von einem kommenden Jahrhundert der Kohleindustrie und machte auf die damit verbundenen Gefahren für die Umwelt aufmerksam. «Wenn nicht heute gehandelt wird, dann müssen wir mit riesigen Folgekosten rechnen. Bei einer Erderwärmung von fünf Grad werden sie über sechs Prozent des Bruttosozialproduktes liegen.» Die Schweiz stehe in Sachen Energieverbrauch auf dem Matterhorn und müsse sehen, wie sie dort wieder herunterkomme. Statt der verantwortbaren 2000-Watt-Gesellschaft verbrauche jeder Einwohner jährlich noch durchschnittlich 6500 Watt, was unter anderem einen Ausstoss von neun Tonnen CO2 pro Kopf bedeute.

Eine mittelfristige Reduktion um 50 Prozent sei realisierbar, gehe jedoch nicht ohne gewaltige Anstrengungen. Für Stulz bedeutet das aber nicht, dass die Bevölkerung in erster Linie auf möglichst viele Annehmlichkeiten verzichten muss. Die Anstrengungen sollten für Stulz stark auch im Forschungsbereich und bei den Politikern stattfinden. «Intelligente Lösungen müssen und können gefunden werden», so Stulz. Im Forschungsbereich teste man mit Hochdruck Autos mit einem Verbrauch von drei Litern pro 100 Kilometern. Selbst grosse Fertigelemente zur Sanierung von alten Liegenschaften würden in Betracht gezogen.

Auch Armin Meier von der kantonalen Energiefachstelle betonte, dass Energieeinsparungen nicht mit einer Qualitätseinbusse im täglichen Leben verbunden sein müssen. Das Sparpotenzial bei Heizungen und Warmwasser liege bei 50 Prozent. Meier gab praktische Tipps zu anstehenden Gebäudesanierungen und verwies auf staatliche Förderbeiträge.

Fernwärme-Projekt bald umgesetzt

Wer nun erwartete, dass Felix Strässle, Direktor der Regio Energie Solothurn, mit konkreten Energiesparprojekten seiner Firma aufwartete, wurde enttäuscht. Strässle blieb bei einer allgemeinen Analyse und brachte Berechnungsbeispiele vom Einsatz des fossilen Energieträgers Erdgas. Er stellte jedoch in Aussicht, dass das Projekt «Fernwärme aus der Kebag» in absehbarer Zeit umgesetzt werde.

Meistgesehen

Artboard 1