1. Mai

Absage an die Sparschraube in der Krise

Prächtiges Ambiente: Urs Hofmann in Muri während seiner 1.-Mai-Rede.

Absage an Sparschraube in der Krise_2

Prächtiges Ambiente: Urs Hofmann in Muri während seiner 1.-Mai-Rede.

In keinem Kanton finden so viele 1.-Mai-Feiern statt wie im Aargau. Stellvertretend besuchten wir die Feier in Muri, wo Regierungsrat Hofmann über den Wert der Arbeit sprach und gescheiterte Banker scharf angriff.

Mathias Küng

Auf Einladung der SP der Bezirke Bremgarten und Muri sprach SP-Regierungsrat Urs Hofmann gestern Abend im Angesicht des diese Region prägenden Klosers vor zahlreichem Publikum an einer überaus friedlichen Feier zum Tag der Arbeit. Arbeit bringe Geld und schaffe Unabhängigkeit und Freiheit, Arbeit gebe Struktur und Sinn, sagte Hofmann, nehme aber auch Zeit, mache krank, gebe Status, mache zufrieden, sei kreativ, stumpfsinnig und nervtötend. Intensiv setzte der Redner sich mit der Ambivalenz von Arbeit auseinander und fragte: «Wer hat nicht schon eine Arbeit verflucht, darunter gelitten, wer sich nicht schon auf eine Arbeit oder an einer Arbeitstelle gefreut?»

Kritik an Reallohn-Stagnation

Nach Jahren eines überdurchschnittlichen Wirtschaftswachstums habe er diese Woche in den Zeitungen lesen müssen, die durchschnittliche Arbeitnehmerin, der durchschnittliche Arbeitnehmer sei in dieser Blütezeit der Wirtschaft zwischen 2004 und 2008 in den «Genuss» einer Reallohnerhöhung von gerade mal 0,1 Prozent pro Jahr gekommen. Derweil hätten «die oberen und obersten Kader oft zweistellige Lohnzuwächse pro Jahr zu verzeichnen» gehabt, schimpfte Hofmann, und weiter: «Notabene nicht nur so unverschämte Abzocker wie Ospel, Vasella & Co., die ohnehin jegliches Mass verloren haben».

Arbeit der «Kleinen» entwertet

Das wahre Skandal sei, dass die Arbeit breiter Bevölkerungsschichten, die Arbeit des kleinen Mannes und der kleinen Frau selbst in den Jahren der Hochkonjunktur gegenüber der Arbeit der ohnehin Privilegierten im gleichen Land entwertet und herabgemindert worden sei.
Hofmann unter Applaus der Zuhörer: «Die Abzocker mit den grössten Löhnen bei den Banken haben Milliarden und Milliarden Franken vernichtet. Wer trägt nun die Verantwortung für diese Wertvernichtung?», wollte er wissen und gab die Antwort gleich selbst: «Niemand». Wer den Schaden zahlen müsse, sei indessen bekannt: Die Steuerzahlerin und der Steuerzahler und zahllose Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die nicht nur um ihre Stelle fürchten müssten, sondern mit einem massiven Wertverlust ihrer Pensionskassengelder konfrontiert seien und sich noch anhören müssten, angesichts der Krise müsse man die Leistungen der Sozialversicherungen kürzen.
«Herr Ospel» habe 1000 Mal mehr verdient als eine langjährige Bankgestellte, die vor einigen Tagen entlassen wurde. Der heute «bescheidene Herr Grübel» verdiene immer noch 100 Mal mehr als seine Putzfrau. Diese Differenz ist Hofmann immer noch viel zu gross. Seine Botschaft: «Das muss ein Ende haben!»

Staat soll antizyklisch handeln

Doch auch in der Krise gelte es richtig zu handeln. Individuell und durch die öffentliche Hand. Diese könne auf dreierlei Weise reagieren: Sie kann ihre Ausgaben und Investitionen wie geplant weiterführen und damit angesichts rückläufiger Steuereinnahmen gewisse Defizite in Kauf nehmen. Sie kann sich aber auch bewusst antizyklisch verhalten, indem sie sinnvolle Investitionen je nach der wirtschaftlichen Entwicklung vorzieht. Oder sie kann andersherum kräftig an der Sparschraube drehen, um ja keine roten Zahlen zu schreiben - «und damit den wirtschaftlichen Abschwung noch verstärken». Keine Frage, letzteres steht für Hofmann absolut nicht zur Debatte.

Krise für Weiterbildung nutzen

Hofmann rief Arbeitgeber und Staat auf, die Zeit der Kurzarbeit und der Krise zu nutzen, um in die Aus- und Weiterbildung der Arbeitnehmerschaft zu investieren, genügend Lehrstellen bereitzustellen und für Lehrabgänger reale Perspektiven für den Berufseinstieg zu schaffen. Die Krise sei von Menschen ausgelöst worden, die aus lauter Gier jegliche Hemmungen verloren hätten, so Hofmann abschliessend. Jetzt stünden die Bürger ganz direkt in der Pflicht. Hofmann: «Sorgen wir gemeinsam dafür, dass nun die Wertungen richtig erfolgen. Im Geiste des 1. Mai.»

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