«Abriss wäre unverhältnismässig»

Seit knapp eineinhalb Jahren stehen die Bauarbeiten für einen Annexbau an der Hermesbühlstrasse still. Gründe für den von der Stadt verordneten Baustopp gibt es einige, doch das Problem liegt offensichtlich im nachbarschaftlichen Einvernehmen. Nun muss das Verwaltungsgericht entscheiden.

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Solothurner Zeitung
14_ss2_Abriss2.jpg Kompliziert: Architekt Hubert Sterki erklärt dem Verwaltungsgerichtspräsidenten Roland Walter (2. v. r.) die Pläne.

14_ss2_Abriss2.jpg Kompliziert: Architekt Hubert Sterki erklärt dem Verwaltungsgerichtspräsidenten Roland Walter (2. v. r.) die Pläne.

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Christian Fluri

Was auf den ersten Blick wie ein gemütliches Beisammensein im heimischen Garten aussah, war in Wirklichkeit alles andere als etwa ein Grillfest oder ein Geburtstagsbesuch. Im Garten an der Hermesbühlstrasse 21 fanden sich gestern nämlich eine Delegation des Verwaltungsgerichts sowie Vertreter des Kantons, der Stadt, beteiligte Architekten, Hauseigentümer, Anwälte und die Nachbarin zusammen. Grund für den veritablen Volksaufmarsch: Ein ursprünglich von der Stadt verordneter Baustopp beziehungsweise dessen Aufrechterhaltung.

Die Geschichte: Im Juli 2006 wurde bei der Stadt das Baugesuch für das Projekt eingereicht. Die Bauherrschaft beabsichtigte, einen alten Annexbau zu sanieren und bewohnbar zu machen. Die daraufhin erteilte Baubewilligung sah vor, dass die Aussenhülle des Objekts durch den Umbau kaum tangiert würde. Doch dem war nicht so: Plötzlich gab es beispielsweise Wände, wo vorher keine waren. «Wir haben einen Umbau bewilligt. Was wir hier sehen, ist ein Neubau», argumentierte Gaston Barth, Leiter des Rechts- und Personaldienstes der Stadt.

Baustopp verfügt und aufgehoben

Als man auf der Stadtverwaltung dann gemerkt hatte, dass die Summe der Änderungen am Bauobjekt gegenüber der Bewilligung zu gross waren, verfügte man Anfang Oktober 2007 einen Baustopp. Diesen Baustopp hob die Stadt allerdings rund sechs Wochen später wieder auf. «Wir haben daran geglaubt, dass die beiden benachbarten Parteien eine Lösung finden, sprich eine Dienstbarkeit aushandeln würden», erklärte Barth gestern. Das Problem: Der Neu- oder Umbau - über das genaue Ausmass der Bauarbeiten wurde man sich gestern nicht einig - steht zu nahe am benachbarten Haus und die Bauherren haben dafür von der Nachbarin kein verbrieftes Recht - eine so genannte Dienstbarkeit - erhalten.

Zurück zum ausgesprochenen und wieder aufgehobenen Baustopp: Die Nachbarin der Bauherren war mit der Aufhebung des Baustopps durch die Stadt alles andere als erfreut und legte Beschwerde ein. Schliesslich musste das kantonale Baudepartement entscheiden und dieses hiess die nachbarliche Beschwerde gut.

«Schwer verständliche Pläne»

«Neue Wand, neue Fenster, neues Dach», stellte Roland Walter, der Präsident des Verwaltungsgerichts, trocken fest, als er sich vom verantwortlichen Architekten die Pläne erklären liess. Walter machte keinen Hehl daraus, dass die Pläne für das Projekt zumindest «schwer verständlich» seien.

«Dass es Abweichungen zu Baubewilligung gibt und dass das Nachbargrundstück betroffen ist, wird nicht bestritten. Ein Abriss des Gebäudes wäre jedoch unverhältnismässig», so Walter weiter. Die Schlussplädoyers gingen schliesslich in eine weit weniger technische Richtung: «Niemand will, dass dieses Bauwerk wieder abgerissen werden soll», so der Grundtenor. Nach rund einer Stunde des Augenscheins waren sich die meisten Anwesenden einig: «Das Problem sollte man mit einer Dienstbarkeit regeln können. Wir hoffen, dass sich die Parteien einigen können», so Gaston Barth.

Das Urteil des Verwaltungsgerichtes, ob der Baustopp aufzuheben ist oder nicht, ist für die nächsten Tage zu erwarten.

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